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Zum Rücktritt Hany Azers

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Eingeordnet in: Politik

Um Stuttgart 21 gibt es viele Meldungen, die zu starken Gefühlen führen; Wut, über neueste Enthüllungen, Freude, über einen Rückschlag. Und dann Dinge, die sprachlos machen, bei denen ich mit offenem Mund dasitze und denke, das kann doch gar nicht sein. Der Rücktritt von Hany Azer als Chefplaner des Projekts gehört dazu.

Hany Azer war kein einfacher Charakter in der S21-Riege, aber sicherlich vernünftiger dahingehend, dass er sich aus der Politik rausgehalten hat. Azer ist, so scheint es mir, durch und durch ein Techie - das Projekt war für ihn in erster Linie eine zu meisternde Herausforderung, eine interessante Aufgabe, aus technischer Sicht. Insofern war er für beide Seiten schwierig; für die S21-Gegner als zwangsläufig rücksichtslos wahrgenommene Hassfigur, für die S21-Befürworter dahingehend, dass er nicht als positive Identifikationsfigur taugte. Azers Büro bekam schnell den Beinamen "Pharaonengrab", an dem schon Wolfgang Drexler verzweifelte; Azers Vorstellung war, S21 ungestört fertig zu bauen und dann nach 10 Jahren Bauzeit mal darüber zu sprechen.

Auf der anderen Seite war es sicherlich auch nicht einfach für ihn. Ich selber habe immer wieder Probleme mit der "Politik" bei der Arbeit; mit der Politik, die einen daran hindert, die sich anbietende Lösung umzusetzen, weil es diesen Einwand und jene Befindlichkeit gibt. Und Stuttgart 21 ist die Politik in Reinform; dieses Projekt lebt und atmet Politik, an jeder Ecke springt die Politik hervor, mischt sich ein, fürchtet sich, fordert, denkt an Wählerstimmen, denkt an Prestige.
So muss sich Azer als Diener zweier Herren gesehen haben - den harten Notwendigkeiten eines Projekts auf der einen Seite und den Befindlichkeiten der Politik auf der anderen. Azer wird klug genug gewesen sein durch die geschönten Zahlen, die Hochglanzbroschüren und die Pressemitteilungen zu sehen. Ich war schon höchst erstaunt über die "121 Risiken", die er dem Vorstand vorgelegt hat; ich habe es damals schon als den verzweifelten Versuch eines realistischen Technikers gesehen, die im Wolkenkuckucksheim schwebenden Führungskräfte auf den Boden der Realität zurückzuholen.

Und zum Schluss natürlich die S21-Gegner. Auch ein Hany Azer möchte abends nach Hause gehen und eine gewisse Befriedigung aus seinem Tageswerk ziehen und abschalten können. Das dürfte nicht leicht sein, wenn man in dem Hassprojekt per se arbeitet und andauernd angefeindet wird. Hier stellt sich auch der Unterschied zu der Situation der Arbeiter in einem Kernkraftwerk da; die haben zwar auch immer mal wieder die "Spinner" am Hals, die sich ans Werkstor ketten, aber das sind doch relativ seltene Ereignisse. Azer hat sich mitunter wie kaserniert gefühlt, als das Mitglied einer Besatzungsgarnison in einer eroberten Stadt, in der man sich nicht frei und ungezwungen bewegen kann. Ich habe es immer für den Ausbund einer besonderen Hybris gehalten, zu meinen, man könne ein Projekt wie Stuttgart 21 zehn Jahre lang in einer Großstadt bauen ohne sich einer sehr deutlichen (70%) Zustimmung sicher sein zu können.

Insofern sage ich mal ganz ohne Häme, dass ich die Entscheidung nachvollziehen kann. Die Bahn wird jetzt allerdings sehr viel Freude bei der Suche nach einem Nachfolger haben, der nicht nur über die notwenige Fachkompetenz verfügen muss, sondern der auch gewillt ist, als eine der Frontfiguren in das Schlangennest zu gehen. Es kommt nämlich ein weiterer Punkt hinzu: der Person des Chefplaners ist im Zweifel auch die Rolle des Sündenbocks zugedacht, denn es werden nicht die Politiker und nicht Herr Grube sein wollen, und auch nicht die ganzen Profiteure.

Dieser Text ist Teil der Serie Stuttgart 21

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