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Zu Guttenberg - Rücktritt

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Heute Morgen verdichteten sich - für mich doch überraschend - die Hinweise auf einen Rücktritt von zu Guttenberg. Und so kam es dann auch, Guttenberg stürmte kurz im Verteidigungsministerium ans Pult, las seine vorbereitete Erklärung vor und stürmte wieder aus dem Raum.

Auf die Gefahr hin, nachkartend zu wirken: leider passte auch der Rücktritt ins Bild das Wort "medial" kommt viermal im Wortlaut vor:

  • Wenn allerdings, wie in den letzten Wochen geschehen, die öffentliche und mediale Betrachtung fast ausschließlich auf die Person Guttenberg und seine Dissertation statt beispielsweise auf den Tod und die Verwundung von 13 Soldaten abzielt, so findet eine dramatische Verschiebung der Aufmerksamkeit zulasten der mir Anvertrauten statt.
  • Hinzu kommt der Umstand, dass ich mir für eine Entscheidung dieser Tragweite jenseits der hohen medialen und oppositionellen Taktfrequenz die gebotene Zeit zu nehmen hatte.
  • Die enorme Wucht der medialen Betrachtung meiner Person, zu der ich selbst viel beigetragen habe, aber auch die Qualität der Auseinandersetzung bleiben nicht ohne Wirkung auf mich selbst und meine Familie.
  • Es ist bekannt, dass die Mechanismen im politischen und medialen Geschäft zerstörerisch sein können.

Will heissen: Medien und die Opposition zielen nur auf mich ab, kümmern sich nicht um die Soldaten und daher trete ich schweren Herzens zurück, um mich für die Schutzbefohlenen zu opfern. Echte Reue sieht, wie zuvor auch, anders aus. Merkel blies am Abend in Stuttgart (ich war vor Ort) ins gleiche Horn: da lief eine Kampagne von der Opposition, die darauf abzielte, zu Guttenberg zu zerstören.

Das ist dann schon wirklich dreist. Ich will einräumen, dass eine Kampagne lief, und sie läuft auch nicht erst seit letzter Woche. Teile der Medien haben sich schon seit längerem sehr kritisch zu Guttenberg geäussert, es schien, als habe man ihn bereits anlässlich der Kunduz-Affäre aus dem Weg räumen wollen. Mein erster Gedanke zu den Vorwürfen war auch "neuer Versuch, neues Glück" - ich bin politisch abgebrüht genug um zu wissen, dass in der Politik auch viel Schmutz geworfen wird. In meinem Umfeld - teilweise links, teilweise konservativ - herrschte dann auch die Einschätzung vor, dass es halt ein paar lächerliche Zitierfehler sein werden. Diese Einschätzung wurde über das erste Wochenende pulverisiert, als das Guttenplag-Wiki in einer gründlichen Detailanalyse das Ausmaß der "Zitierfehler" dokumentierte. Darüber gab zu Guttenberg seinen Doktor zurück, was die Universität bereitwillig annahm - von Merkel so interpretiert, dass die Universität dem "Wunsch nachgekommen sei", was an sich schon dreist genug ist. Hatte zu Guttenberg die Vorwürfe vor dem Wochenende noch als "abstrus" abgetan, musste er nun den Tatsachen ins Auge blicken - nicht, ohne Sprechern der Opposition zu drohen, gegen jene vorzugehen, die ihn des Plagiates bezichtigen. Auch hier zeigten sich die nächsten Brüche: Guttenberg sprach von vier Werken des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags, die Opposition von sechs; "er müsse das prüfen". Ich habe zwar nie eine Dissertation geschrieben, habe dafür aber grössere Programmierprojekte realisiert; ich habe generell eine Ahnung, was da Sache ist, wo ich gründlicher gearbeitet habe und wo ich Lösungen eingebaut habe, die ich so heute nicht mehr machen würde. Ich habe es vermisst, dass zu Guttenberg wirklich zu seinem Werk steht, auch zu seinen Fehlern.

Nun der Rücktritt, der im Grunde verkauft wird als das Ergebnis destruktiver Medien und Oppositon. Das ist insofern umso dreister, als dass zu Guttenberg die Medien wohl für sich zu nutzen wusste, mit Auftritten, die nicht überall gut ankamen, etwa seine Afghanistan-Show mit Kerner.

Zu Guttenberg hätte sehr viel Schaden von sich, der Partei und der Wissenschaftslandschaft abwenden können, wenn er von vorneherein reinen Wein eingeschenkt hätte. Selbst wenn es den Rücktritt zur Folge gehabt hätte, hätte es nichts geändert, da er bereits vor dem ersten Wochenende ahnen musste, dass seine öffentlich verfügbare Dissertation nun zerpflückt werden würde.
Merkel hingegen hat für 70% angebliche zu Guttenberg-Unterstützer den Intellektuellen aller Parteien und des Landes ins Gesicht getreten, ohne sich zu fragen, aus wem denn diese angeblichen 70% bestehen. In einer Demokratie sind 70% zwar mehr als 30%, dennoch ist es gefährlich, wenn jene 30% aus einflussreichen Intellektuellen besteht. Und so kam es ja dann auch - die Presse und die Wissenschaftslandschaft hielt das Thema am köcheln, frustrierte Insider lieferten neue Enthüllungen und unvorsichtige, aber unschöne Zitate.

Allerdings wird bereits an der Rückkehr von KTzG gestrickt. Denn in der konservativen Mythologie steht jetzt schon fest, dass dieser Weisse Ritter mit dem Dolchstoss von linken Neidern niedergestreckt wurde.

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