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Zur Realisierbarkeit von Stuttgart 21

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Eingeordnet in: Politik, Weblog

Wenn ich meine Protestgeschichte anschaue, lassen sich einige grundlegende Brüche feststellen. Angefangen habe ich zu protestieren, weil mich das städtebauliche Konzept von S21 nicht überzeugt hat. Ich habe meine eigenen Vorstellungen zur Stuttgarter Stadtentwicklung, und obwohl S21 für selbige eine Chance darstellt, sehe ich nicht, dass typische Probleme Stuttgarts - die grossen Verkehrsstrassen in der Innenstadt und die Konzentration auf die Kernstadt - zufriedenstellend gelöst werden. Da ich Stuttgart vor allem aus Sicht des Fußgängers wahrnehme, sehe ich Strassen als Hindernisse analog zu etwa Flüssen - man kann sie nur an bestimmten Stellen überqueren und sich nicht auf ihnen aufhalten. Mit Stuttgart 21 entsteht quasi ein See, bestehend aus Schillerstrasse, altem und neuen Bahnhof und Bankenviertel, den man überqueren muss, um in das neue Viertel zu kommen. Stadtplanerisch hundsdämlich.

Die Fortentwicklung war, dass ich ernste Zweifel daran bekommen habe, dass das Projekt wie offiziell vorgesehen funktioniert. Ich hatte erwartet, dass die Gegner in der Schlichtung untergehen und letzlich die vielbeschworenen Fakten die Oberhand behalten würden. Es stellte sich aber heraus, dass die Vorteile von Stuttgart 21 im wesentlichen auf "es hat eine Baugenehmigung" reduziert worden sind. Man hätte mich mit S21+ befrieden können, aber letzlich war mir klar, dass die CDU sich genau bis zum 27.03. zu S21+ bekennen würde, sollte sie die Wahl gewinnen.

Ich habe das Projekt aber immer unter dem verkehrlich-städtebaulichen Aspekt kritisiert. Die "Mineralwassergeschichten" habe ich tendenziell abgetan, naja, die Gegner bringen halt Themen vor, die schlecht widerlegt werden können. Fear sells.
Allerdings habe ich auch nicht den Folien der Bahn geglaubt, die eine Baugrube mit einem steilen Grundwasserabsenkungstrichter zeigten. Wasser verhält sich nun mal erfahrungsgemäss anders.

Dann kamen neue Erkenntnissen zu den Mineralwasserströmen. Das auf die harte Tour, da es zu einem Schüttungsrückgang in Stuttgart kam, nachdem in Esslingen eine Bohrung niedergebracht worden ist. Mittlerweile ist ein Zeitungsartikel aus den 1920ern aufgetaucht, nach dem diverse Cannstatter Quellen fast vollständig versiegt sind, als flussaufwärts ein grösseres Loch gebohrt worden ist. Jetzt soll aber unter Wangen und dem Neckar hindurch ein Tunnel gegraben werden. Dabei entstehen Risse im Gestein - sollten diese in den Mineralwasserhorizont reinreichen, kann das Wasser aufsteigen und ergießt sich vor Cannstatt in den Neckar.

Aber auch das Grundwassermanagement ist schwieriger als geplant: die Bahn musste nicht nur zugeben, dass das Grundwasser bis zu 200 Meter um die Baugrube abgesenkt wird, sondern auch ein Planänderungsverfahren einreichen, da die doppelte Menge an Grundwasser abgepumpt werden muss, als genehmigt worden ist. Mir stellt sich dabei die Frage, ob man das bereits vorher gewusst hat und das Projekt nach der Salamitaktik genehmigen lassen wollte oder ob es neue Erkenntnisse sind - beides ist gleichermaßen bedenklich, denn ersteres entlarvt die Bahn abermals als "ungenau mit der Wahrheit", letzteres stellt abermals die Beherrschbarkeitsfrage.

Wie dem auch sei, mittlerweile habe ich ernsthafte Zweifel an der tatsächlichen Realisierbarkeit des Projekts. Es gibt auch weitere Hinweise, etwa den Rücktritt Hany Azers. Warum sich für ein Projekt verkämpfen, das am Ende schwer zu realisieren ist und bei dem der Chefplaner der designierte Sündenbock ist?
Noch stärker sind jedoch Aussagen von Züblin, die sich plötzlich schon mal vorsorglich auch für K21 positionieren und Stuttgart 21 zwar für realisierbar halten, dort aber einschränken, dass "Kosten keine Rolle" spielen dürfen. Dazu muss man sagen, dass Züblin den halben Stuttgarter Untergrund gebaut hat, die wissen also, was Sache ist.

Dieser Text ist Teil der Serie Stuttgart 21

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