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Neutrinos

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Die wohl putzigste Einlassung zur Neutrino-Problematik kam heute von einem 69jährigen Stuttgart 21-Gegner, der mir über die Schulter schaute, als ich im Spiegel blätterte. Der fragte mich, wozu Neutrinos gut seien - interessante Frage eigentlich. Man kann zumindest gewisse astronomische Phänomene damit beobachten oder herausfinden, ob in einem Kernreaktor Plutonium erzeugt wird, davon abgesehen sind sie aber offenkundig dazu gut, sie auf 730 Kilometer durch die Erdkruste vom CERN nach Gran Sasso zu schicken und dabei nebenher noch Einsteins Relativitätstheorie in Frage zu stellen. Denn die Neutrinos fliegen laut der Messungen 0,0025% schneller als das Licht, was aber eine klare Verletzung der experimentell sehr solide bestätigten Relativitätstheorie wäre.

Gut finde ich, dass die beteiligten Wissenschaftler sehr tief stapeln. Die suchen den Fehler vor allem bei sich selber, und das ist auch naheliegend. Wenn ich auf einer Wegstrecke von 730 Kilometern mittels Zeitmessung messen möchte, wie lange ein um die Lichtgeschwindigkeit herum reisendes Objekt wirklich benötigt, komme ich schon selbst in Bereiche rein, in denen relativistische Effekte eine Rolle spielen - schliesslich hat Einstein sich unter anderem mit der Frage beschäftigt, wie man zwei Bahnhofsuhren an einer Bahnstrecke wirklich synchron laufen lassen kann, sofern ja schon der "nur" lichtschnelle Strompuls etwa einer Telegrafenleitung zu einer Verzögerung führt. Bei solchen Messungen stösst man in Bereiche vor, in denen es vermutlich ein Problem darstellt, wenn man Uhren durch die Gegend fährt (bewegte Uhren laufen gegenüber dem ruhenden Beobachter langsamer) oder sie in unterschiedlichen Schwerefeldern laufen (weiter ausserhalb des Schwerefeldes laufen sie schneller).

Witzig finde ich, was die Presse daraus macht. Wenn man nun die Experimente wiederholt und mit einem ähnlichen Versuchsaufbau das Ergebnis tatsächlich ebenso wiederholen kann, dann wäre in der Tat die Relativitätstheorie von Einstein angeknackst. Nur zweifle ich an, dass man deswegen die RT gleich als widerlegt ansehen muss - ich sehe als Kernpunkt der RT vor allem die Annahme einer Obergrenze der Informationsübertragung. Das Ende der RT wäre gekommen, wenn man abhängig von der verwendeten Energie die Geschwindigkeit der Neutrinos quasi beliebig nach oben verschieben könnte. Letzlich vermute ich Messfehler, oder, wenn sich die Effekte doch wiederholen lassen, dass die Naturkonstante c ungleich die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum ist.
Die Presse macht daraus aber mindestens, dass die Relativitätstheorie widerlegt worden ist, die Neutrinos Abkürzungen über eine der elf unbewiesenen Dimensionen der Stringtheorie nimmt oder lässt natürlich massive Kausalitätsbrüche inklusive der Möglichkeit zu Zeitreisen in die Vergangenheit anklopfen. Letzteres wird natürlich gefolgt von den üblichen Spekulationen, was dann passiert, wenn man seinen Grossvater umbringt.

Ansonsten warte ich mal ab, wie lange es dauert, bis die ersten "Neutrino-Aktivatoren" u. ä. auf dem Esoterikmarkt erscheinen.

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