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Informationsabend Grundwassermanagement

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Für den 27.05.2011 hatte die Bahn zu einem Informationsabend um die Baumaßnahmen am Grundwassermanagement und ihre Auswirkungen für die Bewohner des Kernerviertels geladen. Gegen 19:15 füllt sich der Saal im Rathaus zunehmend und es hat den Anschein, als wäre die Veranstaltung "K21 - die bessere Lösung" angekündigt, da eine grosse Mehrheit entsprechende Buttons trägt. In meiner Nähe kommt dann eine Tunnelaner-Familie zu sitzen, die einzigen, die ich deutlich als Pro-S21 identifizieren kann.

Der Konzernbevollmächtigte der Bahn, Fricke, leitet den Vortrag mit einem Animationsfilm ein. Die Bahn, so zeigt sich während des Vortrags, hat gelernt und will das Feld der Bilder nicht mehr den Keintologen überlassen: zum einen wird gut dargestellt, wie nacheinander die Baugruben ausgehoben werden. Zum anderen zeigt die Bahn gut gemachte Computergrafiken der zu erwartenden Rohrleitungen im Bereich Kernerviertel - ein deutlicher Vorsprung gegenüber den eher improvisierten Zeichnungen der Bezirksbeiratsversammlung Mitte.

Nachdem das Thema Kernerviertel vorgestellt worden ist, bietet Fricke an, noch auf die Ergebnisse des "5. Bohrprogramms" einzugehen, auf dessen Grundlage der Antrag auf Planänderung beim Eisenbahnbundesamt eingereicht worden ist. Da wird der Abend erst richtig interessant und das die restliche Veranstaltung dominierende Thema ist gefunden.

Denn im Planfeststellungsbeschluss zum Tiefbahnhof wurde genehmigt, insgesamt drei Milliarden Liter Grundwasser im Verlauf der Bauzeit abzupumpen; durch eine höhere Bodendurchlässigkeit ist es aber erforderlich geworden, mehr Wasser abzupumpen, weshalb ein Antrag auf die doppelte Menge eingereicht worden ist. Erklärt wurde das so: im Rahmen eines "4. Bohrprogramms" im Jahre 2000 wurde das dem Planfeststellungsbeschluss zugrundeliegende Modell bestimmt, und die tatsächliche Menge wurde ermittelt, als man im Rahmen des "5. Bohrprogramms" im Jahre 2010 mal versucht hat, 72 Stunden lang tatsächlich Wasser abzupumpen und dabei festgestellt hat, dass mehr Wasser als vorgesehen nachfließt.

Das kann man glauben, man kann es aber auch lassen. Ich persönlich glaube es nicht, denn ich halte es einerseits für unglaubwürdig, dass man nicht bereits schon 2000 gewusst hat, was für Wassermengen anfallen. Verdächtig ist für mich in jedem Fall, dass das Grundwassermanagement samt Rohrleitungssystem laut Fricke bereits auf die verdoppelte Menge ausgelegt ist - dies ist insbesondere vor dem Einwurf eines in diesem Bereich tätigen Ingenieurs interessant, demzufolge eine verdoppelte Fördermenge einer achtfachen Pumpleistung bedarf.
Es ist anzunehmen, dass ein Bauherr sein Grundwassermanagement auf die benötigte Menge plus einer Sicherheitsmarge auslegt; es ist aber schwer vorstellbar, dass ein Bauherr von sich aus die doppelte Fördermenge plus Sicherheitsmarge bezahlt, wenn er nicht davon ausgehen muss, dass die Leistung auch tatsächlich benötigt wird.

Die Stimmung im Saal ist, wie zu erwarten, etwas gereizt, bleibt aber relativ gut im Rahmen. Dies macht es für Fricke aber eher schwieriger, da es zu mehreren qualifizierte Wortmeldungen kommt, die den Finger auf die Wunde legen. Den relativen Mangel an lauten Zwischen- und Buhrufen, Getriller und ähnlichem deute ich auch dahingehend, dass sich die Gegner an diesem Abend sehr sicher fühlen. Man ist nicht mehr der ungehörte Bittsteller von Politik und Bahn, der sich für seine angebliche Blödheit rechtfertigen soll, nein, die Bahn muss erklären, woher denn plötzlich das Grundwasser kommt - wohlwissend, dass es nun keine CDU-Landesregierung mehr gibt, für die jedes Genehmigungsverfahren nur den Ausgang "JA zu S21!" kennt.

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