Die Flagge des Marasek

Dekostreifen

English

Aktuell Texte Der Comic Impressum Kalender Suche PHP-Klassen Container-Wizard main.s21

Kategorien

Buch
Computer
Computerspiele
Film
Geschichte
Gesellschaft
Idee
Kunst
Natur
Persönlich
Politik
Programmieren
Religion & Philosophie
Weblog
Weltpolitik
Weltsicht
{{login}}

Der Hobbit - ein Computerspiel

Permalink
Vorheriger: Konzentration mit LinuxNächster: Der Hobbit auf BluRay
Eingeordnet in: Film

Der Hobbit - ein Computerspiel

Letztes Wochenende war ich in "Der Hobbit". Ich war skeptisch ob des etwas verwegenen Unterfangens, ein einteiliges Buch als Dreiteiler zu realisieren. War der Herr der Ringe zwangsläufig von Kürzungen betroffen, musste es hier wohl oder übel zu Dehnungen kommen. Faktisch sass ich irgendwann in dem Film und dachte nur, wann hört er auf? Weniger, weil ich mich jetzt tödlich gelangweilt hätte, sondern eher, weil ich überhaupt keinen Spannungsbogen wahrnehmen konnte und deswegen zusehends orientierungslos wurde. Aus meiner Sicht wäre es dann auch nicht weiter auffällig gewesen, wenn da noch mal zwei Actionszenen gekommen wären.

Zu der Frage nach dem Ende kam ein intuitives Gefühl, dass mir das alles seltsam vertraut vorkommt. Schliesslich erkannte ich auch, warum: dieser Film ist ein filmgewordenes Computerspiel.

Wie sähe wohl ein Computerspiel aus, das unabhängig vom Film nur mit dem Buch als Grundlage entwickelt würde, beispielsweise als Rollenspiel? Nun ja, es gibt ja Beispiele davon. Anders als Bücher oder Filme ist Länge nicht ein zu vermeidender Fehler, sondern muss im Gegenteil erzeugt werden. Der Computerspieler wird üblicherweise dadurch unterhalten, dass er einerseits einer Handlung folgt, andererseits auch spielt. Es macht ihm also nichts aus, wenn er zweieinhalb Stunden Monster töten muss, bevor er in die nächste Stadt kommt. Im Gegenteil, ein Computerspiel bestehend nur aus Handlungselementen ist in den allermeisten Fällen reichlich witzlos.
Für ein Hobbit-Spiel würde man wohl mit einem kleinen Tutorial in Hobbingen anfangen, sich dann durch die Wälder des Auenlands kämpfen und von dort immer neue Landschaften und neue Gegner erreichen. Elemente wie der Totenbeschwörer auf Dol Guldur wären nicht etwas, bei dem man sich fragt, wozu es erwähnt wird. Im Gegenteil, in Computerspielen hat man üblicherweise überhaupt gar kein Problem damit, im Grossen zwar die Welt retten zu müssen, unterwegs aber eine Babyrassel aus einem Dachsbau zu holen. Der Totenbeschwörer wäre also eine weitere Side-Quest oder auch ein weiterer "Endgegner" gewesen.

Stellen wir einfach mal den Film als Spiel hin und schauen, wie gut es funktioniert:

  • Auenland, Tutorial: der Spieler wird mit der Steuerung vertraut gemacht
  • Angriff von Smaug: der Spieler flieht überwiegend vor Smaug. Anders als im Film müssten da noch irgendwelche Höhlengoblins und Fledermäuse hin. Der Atem des Drachen sowie einstürzende Gewölbe würden sich formidabel für Sequenzen eignen, in denen man durch korrekten Tastendruck Angriffen ausweichen muss
  • die Reise der Zwerge Richtung Osten müsste man etwas ausbauen. In den Wäldern des Auenlands müsste man entsprechende, passende Gegner finden (z. B. Keiler, Wölfe)
  • die Rückblende von Thorin ist perfekt: Schlacht mit den Orks, Endkampf mit Azog. Es ist ein übliches Element, einen Geggner nicht ganz zu besiegen und später wieder vorgesetzt zu bekommen
  • die Trolle müsste man etwas umbauen, was aber gut passt, ist, dass der Spieler gleichzeitig kämpfen und Zwerge retten muss.
  • Radagast als Nebenhandlung: man muss im Wald gegen Spinnen und andere verdorbene Tiere kämpfen
  • der Totenbeschwörer ist gut darstellbar, etwa als Kampf gegen ihn selbst oder reine Gefahr, vor der man fliehen muss (und dabei gegen andere Untote kämpft)
  • die Schlittenfahrt von Radagast drängt sich wild auf als Geschicklichkeitssequenz (die jeder Spieler letzlich hassen wird)
  • Flucht vor den Wargs in ein Höhlensystem, auch passend, nur dass es in der Höhle selbstverständlich auch nur vor Orks und anderem Getier wimmeln muss
  • Bruchtal wäre dann ein ruhigerer Spielabschnitt, hauptsächlich mit Fedex-Quests und Dialogen
  • die Szene mit den Steinriesen (im Film quasi völlig redundant) lädt dazu ein, zu einer langen Geschicklichkeitssequenz ausgetreten zu werden. Spontane Erinnerungen an "Shadow of the Colossus" wurden wach...
  • in den Unterwelthöhlen gibt es dann zwei Pfade, wie in der Vorlage: eine Stealth-Einlage für Bilbo Beutlin und Kampfsequenzen für die Zwerge, mit dem König als Endgegner.
  • das führt dann zum letzten Gefecht. Unnötig zu sagen, dass die Szene mit den Zwergen auf den Bäumen viel zu statisch wäre. Also erst Kampf gegen Orks und dann Kampf gegen Orks im brennenden Wald, mit Azog als Endgegner

Der Film funktioniert also als Spiel recht gut. Als Film weniger.

Kommentieren

Bitte beachten: Kommentare sind nicht sofort sichtbar, sondern werden erst nach einer kurzen Prüfung freigegeben, sofern keine rechtliche Beanstandung vorliegt.
Rechtlich bedenkliche Inhalte werden entweder entschärft oder nicht veröffentlicht.

* Titel  
* Nickname  
* Kommentar