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Gated Community auf dem A1-Gelände?

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Eingeordnet in: Politik, Weblog

Betrachtet man die Pläne für die glorreiche Stadtentwicklung im Rahmen von Stuttgart 21, so muss man fast zwangsläufig mehrfach den Kopf gegen die Wand knallen, ob der grotesken Dämlichkeit der Stadtplaner, die jenes Verbrechen eines quasi völlig nicht in die bestehende Stadt integrierten Viertels erdacht haben.
Es sei denn, diese Dämlichkeit ist weniger eine solche, als Teil eines relativ perfiden Plans: mitten in der Innenstadt quasi eine Gated Community zu erschaffen, eine abgeschottete Stadtzone, in der jene unbehelligt leben dürfen, die es sich leisten können.

Es gibt aus meiner Sicht einige starke Indizien, dass dies Teil des Konzepts von Stuttgart 21 sein könnte:

Das neue Stadtviertel auf dem A1-Gelände ist bereits jetzt nach drei Seiten hin gut abgeschottet. Richtung Stadtmitte steht das Bankengebäude, der Bonatzbau, die Schillerstrasse und - sollten sich die Pläne bewahrheiten - schliesslich die Aufwölbung und die vier Meter hohen "Lichtaugen" des Tiefbahnhofs. Keines dieser Hindernisse lädt dazu ein, etwa von der Königsstrasse aus den Stadtbummel nach A1 zu verlängern.
Das Bankenviertel ist zudem grösstenteils Privatgelände und kann als solches ohne grössere gesetzliche Hindernisse von Kameras (jetzt schon) und privaten Sicherheitsdiensten bewacht werden, die im Zweifel das Hausrecht ausüben können.
Hangwärts bildet die Heilbronner Strasse ein weiteres Hindernis, das schwer zu überqueren ist und nicht zum Flanieren einlädt. Dies setzt sich fort in der Wolframstrasse, die in diversen Modellen und Darstellungen als vielspurig ausgebaut gezeigt wird.
Bliebe als offene Flanke die Parkseite. Hier wird aber ebenfalls eine kompakte und hohe Bebauung präsentiert. Das ist auch nachvollziehbar, denn wer die Faktenschlichtung aufmerksam verfolgt hat, weiss, dass diese Gelände sehr teuer an die Stadt verkauft worden sind. Es ist daher fast zwangsläufig, dass die Flächen hoch und kompakt bebaut werden, und damit ein Lückenschluss zur Parkseite erfolgt.

Dazu passt auch die geplante Bebauung im A1-Gelände selber. Hier sollen hochpreisige, gross geschnittene Wohnungen entstehen. Ein gutes Beispiel sind die Pariser Höfe, die um einen grünen Innenraum herum gebaut sind und damit nach aussen abschotten können. Noch besser geeignet sind die Planungen der ECE, da dort mehrere Viertel mit über die Strassen führenden Fußgängerbrücken verbunden werden, so dass ein Viertel im Viertel geschaffen wird, in dem man sich bewegen kann, ohne auf die Strasse zu müssen.

Dies führt mich zu einem nächsten Indiz: das A1-Gelände ist eigentlich relativ unattraktiv, da im Stadtkessel in einer verkehrsreichen Region gelegen. Das zumindest vor dem Hintergrund, dass es in Stuttgart bereits etablierte Edelgegenden gibt, etwa Killesberg, Frauenkopf oder die vielzitierte Halbhöhenlage. Man muss den potentiellen Käufern hochpreisiger Wohnungen also einen zusätzlichen Anreiz geben, statt dessen in die Stadt zu ziehen. Da käme das Konzept eines relativ oder absolut abgeschotteten Viertels mit "exklusivem Ambiente" sehr gelegen.

Die konkrete Umsetzung kann so aussehen, dass das A1-Gelände in seiner Gesamtheit durch die erwähnten psychologischen Barrieren abgeschirmt wird und mithin schon mal weniger "Laufkundschaft" zu erwarten ist. In das Europaviertel wird nur gehen, wer dort wohnt oder etwas zu besorgen hat. Die zweite Stufe sind die grossräumig angelegten Privaträume, etwa das ECE-Areal oder die Pariser Höfe. Hier ist abzusehen, dass weite Teile nicht öffentlich sind.
Dem unerwünschten Besucher wird sich das Viertel so als eine Ansammlung steriler Plätze ohne Verweilqualität und Fassaden präsentieren.

Der langfristige Plan könnte sein, Stuttgart als eine Art "Starnberg als Großstadt" zu etablieren. Dies ist insofern brisant, als dass mit dem bestehenden Bahnhof und der klaren Benachteiligung für den Pendlerverkehr durch Stuttgart 21 die Interessen vieler zugunsten der Interessen weniger geopfert werden, und dass Stuttgart eventuell für die Unter- und Mittelschicht uninteressant werden könnte. Wenn die gesellschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik ihren Trend einer ausdünnenden Mittelschicht fortsetzt, könnte Stuttgart 21 in 10 bis 15 Jahren den Nerv der Zeit perfekt treffen - zumindest aus Sicht jener, die dieses Projekt vorantreiben. Wirklich lebenswert wird diese Stadt dann aber nur noch für wenige sein.

Dieser Text ist Teil der Serie Stuttgart 21

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