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Freemium tötet Spiele

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Eingeordnet in: Weblog, Computerspiel

"Freemium" ist ein Mischwort aus Free und Premium und bezeichnet Spiele, die kostenlos ("free") zu spielen sind, bei der aber "Premium"-Funktionen kostenpflichtig verfügbar sind. Etwa kann man sich eine neue, stärkere Waffe kaufen, um endlich diesen Endgegner aus dem 13. Level zu schaffen.

Es ist natürlich klar, wohin dieses Prinzip, Geld zu erwirtschaften, führt: Spiele werden darauf getrimmt, dass die Spieler möglichst viele Premium-Funktionen kaufen. Beispiele sind:

  • der Spieler kann sich hübsch aussehende Kleidungsstücke kaufen. Beispielsweise konnte man sich in einem MMORPG "echtes" Schwarz als Stoff kaufen; nichtzahlende Spieler mussten entweder sehr lange spielen oder sich mit einem dunklen Grau begnügen
  • der Spieler kann Downloadable Content (DLC) zukaufen, der neue Spielinhalte, etwa eine neue Gegend mit neuen Quests mit sich bringt
  • der Spieler muss im Spiel auf bestimmte Ereignisse warten, beispielsweise benötigt es vier Stunden (Echtzeit), um ein Gebäude zu bauen oder einen Motor zu reparieren, oder er kann es mit Geld abkürzen
  • der Spieler kann sich stärkere Ausrüstung kaufen, in vielen Spielen braucht er sie sogar, um eine realistische Chance zu haben

Der erste und der zweite Punkt greifen nicht in die Spielmechanik ein, die anderen schon.

Aus meiner Sicht tötet Freemium Computerspiele. Denn warum spiele ich ein Computerspiel? Nun, ich will einerseits einer Handlung folgen, und sie in Teilen selber mitgestalten, wenn es möglich ist. Und ich möchte eine gewisse Herausforderung haben; ich möchte scheitern, um einen neuen Lösungsweg zu suchen.
Etwa habe ich vor kurzem ein Level in "Spellforce", einem Echtzeitstrategiespiel gespielt. Da kamen Gegner von allen Seiten, ich war chancenlos. Bei Spellforce ist es aber so, dass die Gegner erst dann Truppen entsenden, wenn man selber beginnt, ein Lager aufzubauen. Also habe ich die Karte erforscht und die kleineren Lager - die ich als einzelne Figur realistisch angreifen konnte - ausgemerzt. Das reduzierte einerseits die Gegnerflut etwas, verhinderte aber vor allem einen Mehrfrontenkrieg. Ich gewann die Karte, und ich war ein wenig erfreut ob meiner List.
Dies ist das Wesen eines Computerspiels: spielen, scheitern, noch mal spielen, scheitern, über das scheitern nachdenken, einen anderen Ansatz probieren, evtl. dennoch scheitern, nochmal anders vorgehen, um irgendwann Erfolg zu haben. Manchmal ist es auch die hämische Freude, die Spielmechanik etwas überlistet zu haben.

Mit Freemium hätte sich diese Überlegung verschoben. Nach diversem Scheitern hätte ich überlegen müssen, ob das Level überhaupt zu schaffen ist oder ob es die Designer so entworfen haben, dass es nicht zu meistern ist, um mich um Kauf von neuen Fähigkeiten zu verleiten. Oder ob es zwar machbar ist, es aber eine lange Zeit braucht, weil ich etwa über Stunden meine Spielfigur hochleveln muss.
Dem wäre dann natürlich die Überlegung gefolgt, ob ich nun einen (meist kleinen Geldbetrag) investieren soll, um das Level vorzeitig zu schaffen oder mehrere Stunden spielen muss oder generell aufhöre.

Aber was für eine Form der Freizeitbeschäftigung soll dass sein, wenn ich schlussendlich wirtschaftliche Entscheidungen darüber treffen muss, ob ich meine Beschäftigung abkürze oder effizienter gestalte? Wirtschaftliche Entscheidungen muss ich die ganze Zeit treffen, etwa, ob es mir wert ist, 75 € mehr für Meeresblick zu bezahlen, ob ich zur Nordsee oder zum Italiener gehe, ob ich mir den besseren oder den einfacheren Bildschirm kaufe und so weiter und so fort. Warum sollte ich das zusätzlich in meiner Freizeit tun?

Daher bin ich der Ansicht, das Freemium Spiele tötet, denn Freemium greift in den Kern dessen ein, weshalb ich überhaupt ein Spiel spiele, und verändert, verdreht ihn, zwingt mich dazu, mich auch dort mit Geld zu beschäftigen. Ich aber spiele ein Spiel, um genau davon mal meine Ruhe zu haben, und das einzige Geld, mit dem ich mich beschäftigen möchte, ist Spielgeld.

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