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OMFG (sich abzeichnende Atomkatastrophe)

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Eingeordnet in: Geschichte, Weblog

Heute Vormittag war Japan noch ein weit entferntes Land, und die Berichte von Schäden an den Atomkraftwerken noch eine unschöne Möglichkeit. Leider materialisiert sich die Möglichkeit derzeit mehr und mehr in der praktischen Realität: das Kühlsystem des beschädigten Kernkraftwerks ist nach wie vor ausgefallen, so dass die Nachzerfallswärme nicht abgeführt werden kann. Hier zeigt sich erneut eine Schwäche der ach so sicheren Reaktoren westlicher Prägung: selbst ein heruntergefahrener Reaktor produziert noch Wärme, und die kann ausreichend sein, um zur Kernschmelze zu führen. Forsmark hatte 2006 einen ähnlichen Störfall, als nur zwei von vier Hilfsgeneratoren ansprangen. Japan zeigt zudem, dass Redundanz im Angesicht einer entsprechend starken Katastrophe relativ wird.

Ein Atomkraftwerk in einem erdbebengefährdeten Gebiet halte ich für vermessen. Es ist zwar wahr, dass man erdbebensicher bauen kann, bei Gebäuden hat man aber den Vorteil, dass die Erdbebensicherheit schon gewährleistet ist, wenn das Gebäude nicht katastrophal versagt, also zusammenstürzt. Es ist aus der Sicht also relativ unwichtig, ob nach dem Erdbeben überall noch der Strom funktioniert oder technische Anlagen wie Server weiterlaufen. Ein Atomkraftwerk ist hingegen eine weitaus komplexere Anlage, die, wie man jetzt sieht, nach einem Erdbeben zudem noch funktionstüchtig sein muss. Das Erdbeben von Christchurch hat aber gezeigt, dass durch besondere geologische Verhältnisse an bestimmten Punkten unvorhersehbare Kräfte wirken können. Bei einem Atomkraftwerk treffen diese Kräfte auf bestehende Lasten, etwa den Innendruck eines Dampfrohres. Es erscheint mir schwierig, hier wirklich eine zuverlässige Auslegung bestimmen zu können.

Meine Begegnung mit der Atomkraft fand 1986 statt. Dummerweise nicht nur, dass ich meine Schuhe draussen stehen lassen musste, denn ich habe, unbemerkt von meinen Eltern, damals die Artikel im Spiegel gelesen, vom Liquidatoren und brennenden Reaktorkernen. Als wir nach Stuttgart umzogen, hielt ich die von der Stadt beleuchtete Wolkendecke für die Strahlenwolke aus Tschernobyl. Später habe ich die Technologie für notwendig und beherrschbar gehalten, eine Einschätzung, von der ich mit den Jahren abgerückt bin. Dabei folge ich weniger der Erkenntnis, dass sie nicht beherrschbar sei, sondern vielmehr der Erkenntnis, dass in den Atomkraftwerken die gleichen Menschen wie überall auch arbeiten. Menschen, die allzuoft "basst scho" denken oder, ein paar Ebenen höher, nur auf Profit aus sind.

Es ist jedenfalls eine böse Ironie des Schicksals, dass morgen die Anti-Atom-Menschenkette von Stuttgart nach Neckarwestheim stattfindet. Und auf jeden Fall mit mir.

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