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Apple und die Verleger

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Derzeit liegen die Verleger ja mit Apple im Clinch - was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, haben doch die Zeitschriften damals ziemlich unisono das iPad in den Himmel geschrieben. Spiegel Online bot damals einen Liveticker zur Präsentation des iPads an, Springer-Chef Mathias Döpfner rief gar dazu auf, jeden Tag zu beten und Steve Jobs zu danken. Warum? Mit dem iPad, so das Kalkül, käme endlich der Durchbruch für etwas, das sie selbst seit 1995 nicht erfolgreich durchsetzen konnten: Bezahlinhalte im Internet. Und so sah die schöne neue Welt der Verleger aus - kostenpflichtige Apps auf proprietärer Hardware anstelle von offenen Webseiten für offene Systeme.

Allerdings wurden sie dann zu gierig. Anstatt Apps zu verkaufen und Apple die vereinbahrten 30% abzutreten, kam man auf die naheliegende Idee, dem Kunden eine App zu schenken und den Zugriff auf frische Inhalte über ein Abonnentenmodell zu regeln. Die App erleichtert hier das Vorgehen gegenüber einer Webseite, da man etwa Zugangsdaten von der App verwalten kann. Natürlich war Apple bei diesem Ansatz ausgebootet, und durfte nur die Infrastruktur bereitstellen. Kein Wunder, dass sie den Verlegern reingegrätscht sind und nun die Regel aufgestellt haben, dass für die Zukunft alle Apps fliegen, bei denen zusätzliche, von ausserhalb bezahlbare Inhalte nicht auch über die Schnittstelle für In-App-Verkäufe verfügbar sind. Fürderhin muss der In-App-Preis genau dem Preis entsprechen, den man ausserhalb der App und des Appstores dafür bezahlt hätte.

Ich bin bekanntermaßen, gelinde gesagt, kein Freund von Apple. Aber ich bin auch kein Freund der Verleger, die sich schon abstruse Leistungsschutzrechte bei der Politik erkaufen wollten und das iPad bar jeder kritischen Distanz aus gemutmaßtem Eigennutz in den Himmel geschrieben haben. Zeitschriften, die in der ersten Hälfte der Nullerjahre noch den Teufel in Form von Microsoft, Palladium, DRM, TCPA und ähnlichem an die Wand gemalt hatten, warfen sich nun bereitwillig Apple und all seinen proprietären Sünden um den Hals. Der Gipfel davon ist aber, dass man von vorneherein vorgehabt hat, Apple auszubooten - das grenzt für mich an Betrug und ist zumindest tief amoralisch. Insofern bin ich nun hoch erfreut, dass da einige Verlage ihre Ernte einfahren müssen - man merkt schon, dass die allgemeine Linie umschwenkt, auf einmal wird freudig von Honeycomb und all den iPad-Alternativen geschrieben. Und das hat ja dann auch den positiven Nebeneffekt, dass es Apple schadet, was mir wiederum nur recht sein kann (s.o.).

Über Apple hingegen ist zu sagen, dass sie sich an dieser Stelle strategisch unklug verhalten haben. Apple ist arrogant, schon immer gewesen, und jetzt umso mehr, da zur Arroganz noch der Erfolg und die Gier kommen. Hier zeigt sich ein fundamentaler Unterschied zu Microsoft: Microsoft hat sicherlich ein sehr langes Sündenregister, sie haben aber immer ein recht gutes Gefühl gehabt, wie weit man gehen kann, bevor die Kunden/Partner allzu wütend werden. Die strategisch bessere Wahl wäre gewesen, hier ein Rabattsystem für Anbieter zu schaffen, um sie frühzeitig ins Boot zu holen und langfristig an sich zu binden.

Ansonsten hoffe ich, dass der einsetzende Konkurrenzkampf einiges nivellieren wird.

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