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Apples Bombe

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Eingeordnet in: Computer

Heute hat Apple eine besondere Bombe platzen lassen: es gibt von Apple höchstselbst ein Paket, mit dessen Hilfe man Windows XP auf einem der neuen Intel-Macs installieren kann. Wow.

Ich habe Apple lange Zeit kritisch gesehen; Ende der 90er konnten sie wenig mehr, als von dem Ruhm vergangener Zeiten leben, damals, als sie Weltspitze waren, während die Gegenwart von Windows und Linux dominiert wurden. Apple war einer der letzten Vertreter des Geschäftsmodells, dass gekoppelte Hard- und Software vorsah. Bereits damals wurde dieses Modell schon mit den PPC-Linuxen angegriffen, wenngleich ich kaum glaube, dass allzuviele Leute ernsthaft Linux anstelle von MacOS installiert haben.

Mit dem Umstieg auf Intel geht Apple einen weiteren Schritt weg von dem Zwang alles anders machen zu wollen. Apple definiert sich zwar gerne über das "Think different", hat mittlerweile aber wohl begriffen, dass dieses Prinzip nicht Selbstzweck sein kann.

Apple lebt nach wie vor von der Hardware. Windows auf Macintosh ist daher weniger gefährlich als OS X auf Aldi-PC.
Allerdings muss man sich bewusst machen, was der Reiz eines Apple Macintosh mit OS X ist - ich bekomme ein rundum sorglos-Paket, was doch ein erheblicher Unterschied dazu ist, einen Billig-PC mit einem Sack Treiber-CDs zu bekommen. Wenn ihr schon mal bei jemandem einen Rechner neu installiert habt, bei dem der Satz "Ich bräuchte dann jetzt mal die Treiber-CD von der Grafikkarte" Stirnrunzeln zur Folge hat, wisst ihr, was ich meine. Im Zweifel bekommt man dann einen Korb namens "Computer", in dem dann 5 1/4"-Disketten und CDs von 1985 an aufwärts gesammelt sind.

Dennoch stellt sich mir die Frage, ob Apple den zweifelsohne vorhandenen Hunger nach einem anderen Betriebssystem in der Windows-Welt ignorieren sollte. Denn man muss sich vor Augen halten, dass es so gut wie keine Windows-Anhänger gibt, sondern die Leute Windows hauptsächlich mangels gangbarer Alternativen nutzen. Ich gehöre zwar zu den Leuten, die Windows (als Desktop-Betriebssystem) tatsächlich mögen, bin jedoch gegenüber OS X nicht abgeneigt (zumindest wenn eine Cherry-Tastatur dranhängt und ein IBM/AT-Layout eingestellt ist...).

Apple fürchtet natürlich auch zu Recht den Sumpf der PC-Architektur. Viele Bluescreens, die Windows angelastet werden, dürften in Wirklichkeit auf allzu günstige Hardware zurückzuführen sein. Mein jetziger PC hat in fünf Monaten exakt einen BSOD produziert (hervorgerufen durch einen Kopierschutz...), mein vorheriger Marke Eigenbau ist weitaus öfters eingefroren.
Die Offenheit des PCs ist Stärke und Achillesferse der Architektur. Apple kann sich denken, wie viel Zeit vergeht, bis sich die ersten Beschwerden über "Treiberprobleme" und "instabiles OS X" häufen würden, weil die Leute das System natürlich auf einer übertakteten Kiste mit Discount-Komponenten installieren mussten.

Eine denkbare Zwischenlösung wäre es, bestimmte Fertigsysteme von Markenherstellern zu zertifizieren. Damit bliebe der "Sumpf" überschaubar.
Natürlich mag man einwenden, dass Apple sich nicht das Wasser im Hardwaregeschäft abgraben möchte. Das stimmt zwar, aber man muss dazu betrachten, wie wesentlich das Hardwaregeschäft für Apple wirklich ist. Momentan verkauft Apple im wesentlichen Standardkomponenten mit eigener Abwandlung. Noch dazu haben sie sich mit iTunes und iPod ein weiteres, lukratives Geschäftsfeld erschlossen. Der Gewinn, den sie mit Hardware machen können, ist beschränkt.
Das Betriebssystem haben sie für ihre Plattform programmiert, es ist also schon da und kann beliebig oft verkauft werden. Jede zusätzlich verkaufte Lizenz lässt den Reingewinn steigen. Die Entwicklungskosten sind eine einmal geleistete Arbeit, die fix da steht. Jede weitere verkaufte Lizenz erzeugt (von Verpackung, Transport usw. abgesehen) keine Zusatzkosten mehr, sondern verbessert das Verhältnis zwischen Kosten einerseits und Erlös andererseits. Hardware hingegen kostet erst mal kontinuierlich Geld, da sie jedes Mal neu hergestellt werden muss.

Der Zeitpunkt ist nicht ungünstig, da Microsoft Vista auf 2007 verschoben hat und damit ein weiteres Weihnachtsgeschäft verpassen wird.

Ich sage nicht, dass Apple so handeln wird oder soll. Es gibt einige für mich unüberschaubare Faktoren, unter anderem das Risiko, Microsoft in seinem ureigensten Territorium herauszufordern oder wie sehr Microsoft die Hardwarehersteller im Griff hat. Den Bedarf für ein ausgereiftes Desktop-Betriebssystem sehe ich auf jeden Fall.

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