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Minarettverbot

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Eingeordnet in: Gesellschaft, Politik

Der vergangene Sonntag wird vermutlich in die Annalen von Seiten wie "Politically Incorrect" eingehen und als Symbol des "europäischen Widerstandsgeistes gegen die Islamisierung Europas" gefeiert werden. Ich persönlich empfinde es als ehrliche Schande für die Schweiz und im weiteren Sinne auch für die westliche Welt.

Der radikale Islam ist ein Problem, auch wenn ich nicht glaube, dass wir uns um die Islamisierung Europas Gedanken machen müssen. Diesen Befürchtungen liegt ein phantasieloses, lineares Geschichtsverständnis zugrunde, dass davon ausgeht, dass alles so bleibt wie es ist, nur weiterwächst. Demzufolge muss man auch davon ausgehen, dass ein Baum, wenn man ihn den nur lange genug wachsen lässt, Kilometer hoch wird und die gesamten Ressourcen der Erde verschlingt.

Schlussendlich ist jede radikale Ideologie eine Bedrohung. Nur haben Minarette eben nichts damit zu tun. Minarette sind für mich legitimer Bestandteil der Religionsausübung von Moslems, zu der sie berechtigt sind. Alles andere ist eine direkte Diskriminierung von Moslems.

Und genau hier liegt das viel tiefere Problem, von dem die Islamparanoiker noch nicht mal begreifen, dass sie sich ins eigene Fleisch schneiden.
Mal angenommen, ich habe ein Kind. Weil ich zu faul bin, mich gross mit ihm zu beschäftigen, lasse ich ihm viel durchgehen. Aber wenn er dann etwas tut, was mir nicht gefällt, verprügle ich ihn mit grosser Brutalität. Das Ergebnis wird sein, dass ich ein krankes Kind bekomme. Doch das kranke Kind wird ein Sinnbild meines Versagens sein.

Das Versagen der westlichen Welt ist ähnlich gelagert. Wir haben uns auf der einen Seite lange Zeit nicht um die Migranten gekümmert haben und was da and Parallelgesellschaften heranwächst. Vor 15 Jahren durfte man nichts gegen Ausländer sagen, obwohl es damals schon oft genug vorkam, dass ich und andere auf der Strasse "dumm angemacht" worden sind.
Auf der anderen Seite prügeln wir jetzt bei sinnlosen Gelegenheiten pauschal auf die Moslems ein - und sie fühlen sich dabei noch ganz gut, denn sie "beweisen Mut" und "sagen, was gesagt werden muss". Dabei bleibt es aber meist nur bei hohlen Phrasen, die letzlich nicht zu konkreten Vorschlägen führen.

Für mich ist die Sache klar: Deutschland ist ein säkularer Staat, der eine freiheitlich-demokratische Grundordnung hat. Jeder, der dies akzeptieren kann, ist mir willkommen, egal woher er kommt oder was er glaubt. Ich bin bereit, fremde Kulturen zu akzeptieren. Ich würde mich nicht stören am gelegentlichen Ruf des Muezzin oder am Anblick des Minaretts. Ich akzeptiere auch vollverschleierte Frauen (mit Ausnahme vielleicht der Burka, es ist einfach ein "Kleidungsstück", dass nach Deutschland genausowenig gehört wie der Bikini nach Mekka), da ich der Ansicht bin, dass jeder für sich selbst entscheiden können muss, wie er oder sie die Freiheit auslebt. Wenn ein Mann seine Frau bedroht, weil sie sich nicht verschleiern will, gibt es den deutschen Rechtsstaat und Frauenhäuser. Man kann nach Deutschland einwandernden Migranten auch ruhig deutlich machen, was sie hier erwartet, und dass sie hier auch damit rechnen müssen, dass zwei Männer auf der Strasse knutschen.

Was Fragen um getrennten Sportunterricht anbelangt: es gibt Mittel und Wege für islamische Frauen, sich in diesem Bereich "züchtig" zu bewegen. Das sehe ich als Aufgabe der Migranten an, diese Wege zu finden. Was Gebetsräume an Schulen anbelangt, sehe ich die Sache zwiespältig - man kann den Leuten entgegenkommen, man kann ihnen aber auch höflich zu verstehen geben, dass deutsche öffentliche Schulen vielleicht nicht der richtige Ort für einen fundamentalistisch gelebten Islam sind. Letzlich gilt da die gleiche Anforderung wie an christliche Eltern - wer möchte, dass seine Kinder den Morgen mit einem Gebet beginnen, schickt sie auf eine konfessionelle Schule. Die Juden haben ihre Schulen, die Katholiken, die Protestanten, warum also nicht auch die Moslems? Oder würden da dann wieder die PIler Ressentiments schüren?

Ansonsten ist der Glauben Privatsache, eine von der Verfassung geschützte Privatsache noch dazu. Und was das übliche Argument anbelangt, dass man in Saudi-Arabien ja auch keine Kirchtürme bauen darf: Ja. Schlimm genug. Aber in Saudi-Arabien gibt es auch die Todesstrafe - heisst das, dass man in Deutschland lebenden Saudis in Zukunft auch den Kopf abhauen darf? Nein.

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