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Was Windows auszeichnet

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Eingeordnet in: Computer, Weblog

Im Heise-Forum wird jeden Tag geschätzte 714mal das Ende von Microsoft vorhergesagt. Doch Microsoft lebt, nach wie vor.

Grundproblem dieser Fehleinschätzung ist, dass die Leute von sich ausgehen: das Linux, dass man auf dem eigenen Rechner laufen hat. Der Mac, den sich der Vater gekauft hat. Die Linux-Server in der kleinen Werbeagentur des Bekannten, kombiniert mit Mac-Clients. Oder aber die "grosse" Welt von Maschinen mit unzähligen Prozessoren, leistungsfähigen Unices und Anwendungen, über die 20.000 Transaktionen pro Minute laufen.

Was aber regelmässig übersehen wird, ist der dazwischenliegende Geschäftskundenmarkt, Konzerne mit zehntausenden von Clients, in denen Administratoren nicht mehr von Rechner zu Rechner laufen können oder man in jeder Abteilung eine andere Linux-Lösung basierend auf einer anderen Distribution zusammenbasteln kann. Und dort findet man das Kerngeschäft von Microsoft.

Was der Privatanwender als Spielebetriebssystem kennt, ist im Grunde ein hammerhartes Profisystem, ausgerichtet auf die Bedürfnisse von Geschäftskunden. Mit XP wurde die bisherige Privatkundenlinie 9x/ME eingestellt und durch die NT-Linie ersetzt, die aber ursprünglich für Geschäftskunden gedacht war. Wer genauer hinschaut, findet in XP und Folgenden immer wieder Funktionen, die ihre Daseinsberechtigung vor allem in grösseren Netzwerken haben. Denn es ist unwahrscheinlich, dass ein Privatanwender sich selbst verbieten möchte, die Bildschirmauflösung zu ändern.

Die Unkenntnis der ursprünglichen Zielgruppe von XPff führt dazu, dass man Microsoft gerne als eine Truppe von Trotteln darstellt, die sich nur auf Grund unfairer Geschäftspraktiken halten kann. Aber im Grunde haben sie ein bislang unerreichtes Konzept für Client-Rechner am Markt, dass seine Stärke dann voll ausspielen kann, wenn man tatsächlich mal ganz auf das Pferd "Microsoft" setzt.

Betrachten wir die vielbelächelte Registry, dem Anwender nur als voluminöser Grund, weshalb Windows irgendwann langsam wird, bekannt. Dabei handelt es sich um eine gute Idee: anstatt unendliche Mengen an kleinen Konfigurationsdateien an den verschiedensten Orten des Systems zu verteilen, gibt es ein zentrales Repository mit definierter Schnittstelle, mit dem theoretisch alle Programme arbeiten können. Unter Linux hingegen hat man x verschiedene Konfigurationsdateien ohne einheitliche Benennung mit sehr unterschiedlichen Formaten: Pseudo-XML (Apache), Windows-INI (Samba), Ansammlung von Kommandozeilenparametern (Openvpn), Zeichen-getrennte Listen (/etc/passwd) bis hin zu Konfigurationsdateien, die in einer Scriptsprache realisiert sind, etwa als Teil eines PHP/Perl-Skriptes.

Möchte ich eine dieser Dateien automatisiert auslesen/manipulieren, muss ich einen Interpreter dafür schreiben, eine Arbeit, die mir unter Windows der entsprechende Teil der W32-API abnimmt. Je nach Format ist es aber gar nicht anzuraten, eine Datei automatisiert zu ändern. Wer schon mal eine Migration innerhalb einer Linux-Version gemacht hat, wird die sich daraus ergebenden Probleme kennen: der Distributor möchte Konfigurationsdateien ändern, was man aber nicht zulassen kann, da man ja bereits selbst eine Version erstellt hat. Ein unschönes Beispiel war die Konfiguration von Apache unter Debian: in den neueren Versionen kam ein durchaus überzeugendes Konzept, Virtual Hosts und Module mittels in Unterverzeichnissen liegenden Konfigurationsschnippseln abzubilden: im Angesicht einer bestehenden VHost-Konfiguration konnte ich diese Änderung aber nicht einfach umsetzen lassen.

Microsoft hat alleine in dieser Hinsicht letzlich das überzeugendere Konzept: die Registry ist wie das Dateisystem. Anstatt mir selber Gedanken machen zu müssen, in welcher Form und an welcher Stelle Daten auf die Festplatte geschrieben werden müssen, rufe ich nur den entsprechenden API-Call auf und lasse das den Kernel erledigen.

Aber die Registry macht alleine noch keinen entscheidenden Vorteil aus. Microsoft hat aber hier den Client-Systemen ein Serversystem beigestellt, dass nicht nur einfach ein Dateiserver ist. Vielmehr bietet ein Windows-Server eine weitreichende, zentrale Verwaltung von Benutzern und ihren Rechten. Als allererstes wäre die seit NT bestehende Domäne zu erwähnen, die es ermöglicht, dass sich ein Benutzer mit in einem System an allen Rechnern mit dem gleichen Namen anmelden kann. Linux/Samba ist hier bereits eine sehr hilfreiche Ergänzung, da sich in meinen Augen eine Domäne bereits ab relativ wenigen Rechnern lohnt. Man muss sich einfach nicht mehr darum sorgen, ob bestimmte Maschinen mitsamt den Benutzerdaten "sterben".
Wesentlich weitreichender - mit Samba gegenwärtig aber nicht mehr nachzubilden - ist das Konzept der Active Directory, eine zentrale Verwaltung weitergehender Benutzerrechte.
Unter Windows sind unzählige Systemeigenschaften und Benutzerrechte konfigurierbar, etwa die oben erwähnte Konfigurationsmöglichkeit für die Bildschirmauflösung. Dies kann am lokalen Rechner, aber eben auch am zentralen Server angewendet werden; einen AD-Server vorausgesetzt, kann man mit Windows definieren, dass Software nur aus bestimmten Pfaden heraus ausgeführt werden darf, dass nur Aussendienstmitarbeiter VPN-Zugang haben oder dass eben an keinem öffentlichen Internetterminal die Bildschirmauflösung geändert werden darf. Auch kann z. B. festgelegt werden, über welchen Proxy-Server der Internet Explorer gehen muss. Das ist für Grossunternehmen eine Killerapplikation, die derzeit weder unter OS X noch unter Linux zu haben ist. Es mag zwar Insellösungen geben, aber kein derart durchdachtes Konzept, dass sich unter Linux schon an Hand der unzähligen verschiedenen Programme und ihrer eigenen Standards verbietet. Selbiges gilt für OS X, das im Grunde aus einer hübschen Oberfläche und unzähligen zusammengekl...kombinierten Open Source-Programmen besteht.

Wenn Microsoft tatsächlich bedroht werden soll, dann müsste Microsoft in diesem Kerngeschäft angegriffen werden. Aber bislang sind die Alternativen weit davon entfernt.

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