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Geld, Gold, Freigeld

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Eingeordnet in: Gesellschaft, Politik

Im Zuge der Finanzkrise kommen vorhersehbare Themen auf. Vor allem aus dem Kreis der Liberalen/Libertären wird die Forderung nach der Rückkehr zum Goldstandard laut. Denn anders als Anfang des 20. Jahrhunderts sind die Währungen heute durch nichts mehr gedeckt und können von den ausgebenden Institutionen in quasi unbegrenzter Menge vermehrt werden. Die Blasen der Vergangenheit und die Finanzkrise selbst, so die Argumentation, wurden durch diese Geldvermehrung erst ermöglicht. Die Folge ist natürlich eine Entwertung des Geldes, hier führen die Befürworter des Geldstandards die drastische Entwertung des Geldes über längere Zeiträume an. Und tatsächlich ist es so, dass eine gewisse Inflation von etwa 2% fester Bestandteil moderner Wirtschafts- und Geldpolitik ist.
Von Links hingegen wird vor allem das Freigeld als die Lösung aller Probleme gesehen, eine Währung, die einem kontinuierlich, festen Werteverfall ausgesetzt ist. Das Grundübel wird im Zins und Zinseszins gesehen sowie dem Ansatz, dass Kapitalisten ihr Kapital für sich arbeiten lassen können.

Der Goldstandard wirkt auf den ersten Blick überzeugend: 1000 Goldeuro hätten ihren Wert auf Grund des Goldes an sich und würden nicht von der Inflation aufgezehrt werden wie 1000 Papiereuro, und da weder der Staat noch Banken mit einem Fingerschnippen neues Buchgold ohne Deckung herbeischaffen können, gäbe es auch keine kontinuierliche Inflation. Allerdings hat die Menschheit mehr als genug Erfahrung mit dem Golde, und durchaus nicht nur gute.

Dass Gold per se wertstabil sei, ist ein Irrtum. Gold ist eine Handelsware wie jede auch und damit im Wert abhängig von Angebot und Nachfrage. Es gibt Beispiele für Goldinflationen, vor allem Spanien zu Zeiten der Konquistadores. Hier war es nicht die FED, die neues Geld aus dem Nichts schuf, sondern es waren die Konquistadores, die immer neues Gold aus den Kolonien Südamerikas brachten. Daraus resultierte ein Überangebot an Gold, dem keine entsprechende Leistung gegenüber stand.
Als extremeres Beispiel mag man sich eine Goldgräberstadt vorstellen: die massive Verfügbarkeit an Gold wird in den Läden die Preise hochtreiben, da das Wahrenangebot ja gleich geblieben ist. Weshalb es während eines Goldrausches wohl die beste Idee ist, einen Laden zu betreiben.
Gold ist aber in der Umkehr sehr anfällig für Deflation. Man nehme an, man führe in einer Stadt mit 5.000 Einwohnern eine Goldwährung ein und zahle jedem Bürger ein Startgeld von 10 Goldmünzen. Die Stadt prosperiert und wächst auf 10.000 Einwohner an - mit der Folge, dass einer gestiegenen Bevölkerungs- und Wirtschaftsleistung nur eine geringe Menge an Gold gegenüber steht. Auf jeden Bürger kommen nun nur noch fünf Goldmünzen. Weiters fehlen jene Goldmünzen, die vielfältigen Schwundmöglichkeiten zum Opfer gefallen sind. In den Zeiten der Goldknappheit lohnt es sich, Gold zu horten und darauf zu spekulieren, dass das Gold in Zukunft noch knapper sein wird und man mehr für das eigene Gold erhält. In einer globalen Wirtschaft wie der unsrigen bedeutet das über kurz oder lang den Zusammenbruch des Finanzsystems, schlicht, weil es an Liquidität fehlt. Dies war letzlich die Ursache für die lang andauernde Weltwirtschaftskrise 1929: in einem Klima des Misstrauens wurde dem Wirtschaftskreislauf Gold entzogen, was zu einer andauernden Deflation führte.

Die Weltwirtschaftskrise 1929 gebahr dann die Idee des "Freigeldes": Geld, in das die Inflation fest eingebaut war. Die Theoretiker des Freigeldes gehen davon aus, dass das Übel des Geldes darin liegt, dass die Vermögensinhaber das Geld "arbeiten" lassen können und es durch Zins und Zinseszins immer mehr Reichtum erzeugt, während die breite Masse verarmt. Um dem vorzubeugen, soll das Geld mit einer festen Inflation ausgezeichnet werden; Geldscheine werden beispielsweise jedes Jahr neu ausgegeben und die alten Geldscheine verlieren teilweise an Wert, beispielsweise 10% des Nennwertes. Damit, so die Theorie, soll vorgebeugt werden, dass Menschen ihr Geld horten und die Eigentümer von Vermögen immer reicher werden.
Nun würden 10% Inflation der Spekulation keineswegs den Boden entziehen, sondern sie nur anheizen. Die Inhaber von Vermögen würden das tun, was sie bereits jetzt tun, wenn sich Inflation anbahnt: Flucht in stabile Sachwerte und kurzfristige Spekulationen, vor allem mit Rohstoffen. Hierzu muss gesagt werden, dass heute niemand die Ackermann'sche Rendite von 25% mit einem reinen Sparbuch, sondern nur mit hochriskanten Spekulationsgeschäften erreicht hat. Und für die breite Masse würden sich die Probleme nur verschärfen: es wäre deutlich schwerer, ein eigenes Vermögen aufzubauen, so dass noch mehr Menschen als bisher in Miet-, Leasing- und Pachtverhältnissen leben würden. Und die Vermögensinhaber, die für dieses Angebot sorgen, hätten darin wieder eine sichere Einnahmequelle.

Alles in allem kann gesagt werden, dass das gegenwärtige Geldsystem mit all seinen Fehlern im Grunde einen guten Mittelweg zwischen dem harten, der Gefahr der Verfestigung unterliegenden Goldstandard sowie dem allzu flüchtigen Freigeld darstellt; wird die Geldmenge gut geführt, dann kann sowohl die sklerotische Erstarrung als auch der extreme Wertverlust vermieden werden.

Schwachpunkt des Fiat-Geldes ist aber die Geldmenge, da stets die Verlockung besteht, über die Notenpresse und Schulden über die eigenen Verhältnisse zu leben. Da beispielsweise das Dritte Reich genau dies gemacht hat, um die massive Aufrüstung des Reiches voran zu treiben, wurde als Lehre aus dieser Entwicklung die Deutsche Bundesbank später eindeutig als eine von der Regierung unabhängige Institution ins Leben gerufen, die über die Geldmenge der D-Mark nach eigenem Ermessen wachte. Ebenso sind Regierungen dazu aufgerufen, sorgsam zu wirtschaften.

In den USA haben diese Mechanismen aber leider versagt. Ausgehend von der Aufkündigung des Bretton-Woods-Abkommens haben die USA ihre Geldmenge erhöht und sich von Blase zu Blase gehangelt. Die Staatsverschuldung sowie das Aussenhandelsbilanzdefizit nahmen Rekordausmaße an und explodierten schließlich unter der Regierung Bush, auch auf Grund des Irak-Krieges. Letzten Endes ist also nicht das Geld der Hauptverursacher der Krise, sondern die verfehlte Politik der Regierung und der Federal Reserve.

Dieser Text ist Teil der Serie Finanzkrise

Finanzkrise, Gesellschaftskrise
Geld, Gold, Freigeld
Die Mittelschicht ist schuld!

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