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Europas und Amerikas Emanzipation

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Eingeordnet in: Weblog, Weltpolitik

Ich bin der Ansicht, dass sich die Europäer weiter von den USA emanzipieren sollten. Wir dürfen die USA kritisieren, wie es uns gefällt, und sollten nicht glauben, dass wir den USA etwas schulden. Statt dessen sollten wir unsere eigenen Interessen verfolgen - zwar natürlich nicht rücksichtslos und unnötige Konfrontationen riskierend - aber dennoch nachdrücklich.

Ich bin nicht anti-amerikanisch eingestellt. Zwar gibt es diverse Dinge, die mich an der aktuellen Politik der USA in Wut versetzen. Jedoch halte ich meine Empörung in Grenzen - zum einen kann man mit Gefühlen keine Politik machen (bzw. nur beurteilen), und zum anderen sind und waren wir so viel besser nicht. Selbst wir Deutschen, die sich gerne als kriegsgeläutert hinstellen, wissen unsere Interessen doch zu vertreten.
Anti-Amerikanismus würde auch implizieren, dass ich aus Prinzip gegen die USA eingestellt wäre, weil sie einfach die USA sind und nicht aus sachlichen Gründen.

Statt dessen betrachte ich die USA als weitestgehend eigenständige Grossmacht (sie gibt sich jedenfalls grösste Mühe, ihre Eigenständigkeit zu demonstrieren), die ihren Platz in der Welt hat. Daneben gibt es als wesentliche Grossmächte noch China, Russland, und, sich entwickelnd, Europa. Europa hat noch keinen wirklichen Zusammenhang und daher auch kein einheitliches Denken und Handeln, dennoch gibt es etwas, dass die europäische Interessenlage sein könnte.

Ich kann den Tschetschenienkrieg genauso kritisieren wie ich die Besetzung Tibets kritisiere, ohne dass ich den Vorwurf des Antirussismus oder Antisinoismus zu hören bekomme. Wieso auch? Uns ist bewusst, dass Russland und China für sich selbst handeln, teils rücksichtslos. Das ist uns in vielen Belangen egal, weil wir dennoch friedlich mit beiden koexistieren können. Konkurrierend, aber friedlich.

Die europäische Sicht der USA ist oft anders. Ich glaube, dass sich viele Europäer gerne als das Hirn oder Gewissen der "tumben USA" sehen; die USA sind ein wenig forsch und ungeschickt, ihnen fehlt die Weitsicht und Erfahrung, die wir Europäer natürlich gerne bereitstellen. Auf der anderen Seite sehen uns die USA oft als naiv und feige an; wir leben in unserem weissen Elfenbeinturm und geben uns der Literatur und der Kunst hin, während die USA für uns die Welt in Ordnung halten.

Beides ist unsinnig. Sowohl die USA als auch die Europäer - letztere noch sehr viel mehr - müssen verstehen, dass beide ihre eigenen Interessen haben. Ich betrachte die USA als wohlwollende Konkurrenten, die genauso wie Chinesen und Russen in erster Linie an sich selbst denken. Ist das schlimm? Nicht mehr als bei den anderen. Es ist nur dann ganz furchtbar und grausig, wenn man sich der Illusion der grossartigen Freundschaft hingibt, nur um dann regelmässig enttäuscht zu werden. In dem Fall ist man dann aber selbst schuld.

Meine Forderung lautet daher, dass wir als Europäer endlich wieder erwachsen werden, unsere eigenen Interessen bestimmen und verfolgen. Auf der Grundlage können wir dann ein realistisches Verhältnis zu den USA aufbauen.

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