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Die Wahrheit: Kreationismus vs. Evolution

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Eingeordnet in: Gesellschaft, Religion und Philosophie

In den USA versucht die "Christian Right" ja verstärkt die Evolutionstheorie aus den öffentlichen Schulen zu verdrängen und durch Kreationismus, entschuldigung, "Intelligent Design" zu verdrängen. Das Lieblingswort der Fundamentalisten ist dabei "Wahrheit", so wie in "dogmatische Wahrheit". Es gibt auch hierzulande Bestrebungen: Wort des Kreuzes, die Studiengemeinschaft Wort und Wissen, aber auch christliche Webseiten wie nikodemus.net, die eine allgemein recht, nun, konservative Auffassung des Christentums vertreten.
Mit dem Autor von Wort des Kreuzes habe ich mich insofern mal auseinandergesetzt, als dass ich ihm die Mehrzahl der insgesamt 40 Fragen zur Evolution beantwortet habe; die Konversation schlief aber recht schnell ein.

Der Hauptunterschied zwischen Wissenschaftlern und Religiösen liegt darin, dass erstere die Wahrheit (bzw. eine Annäherung) suchen, letztere aber glauben, die Wahrheit bereits zu haben. Es ist daher auch reichlich zwecklos mit einem Gläubigen über bestimmte Glaubensinhalte zu diskutieren, denn sie sind aus seiner Sicht ja schon von vorneherein wahr. Es geht ihm hauptsächlich darum, die eigene Wahrheit zu festigen und zu verbreiten. Daher ist ein tief verstrickter Fundamentalist nicht mehr für normale Argumentation zugänglich: da er ja bereits weiss, was wahr ist, kann man seine Argumentation nur stützen, oder man ist verirrt, im schlimmsten Fall ein Werkzeug des Teufels.

Amüsanterweise liefert den besten Beweis für meine These eine Seite der Religiösen selbst, und zwar die amerikanische Kreationistenseite Answers in Genesis. Dort sind zwei Illustrationen dargestellt: das Problem der Christen und seine Lösung. Das "Problem" soll sein, dass der Humanismus und die Evolution lauter schlimme Dinge wie Rassismus, Euthanasie und "homosexuelles Verhalten" (man beachte die Gleichsetzung...) hervorgebracht habe. Als Lösung müssen die Christen nicht nur das Resultat bekämpfen, sondern dessen Grundlage ebenfalls angreifen (ich lasse mal dahingestellt, inwiefern ein Kausalzusammenhang zwischen der Evolutionstheorie und "Familientrennung" hergestellt werden kann). Answers in Genesis wähnt sich selbstverständlich im Besitz der Wahrheit, die Aufgabe liegt nur noch darin, sie den Leuten zu vermitteln. Fasse ich die Sicht dieser Christen zusammen: "Die Evolutionstheorie muss angegriffen werden, um die Hegemonie unseres Welt- und Menschenbildes wieder herzustellen". Die Möglichkeit, sich zu irren, wird natürlich nicht in Betracht gezogen. Anders als bei einem Wissenschaftler, die wissenschaftliche Methode beinhaltet ausdrücklich die Möglichkeit, sich zu irren.

Ein weiteres Argument gegen die Aufrichtigkeit der Kreationisten sei ein Gedankenexperiment. Man nehme an, ich habe eine Zeitmaschine und biete einem der unnachgiebigsten Kreationisten (zweifelsohne Dr. Dino, der sogar von AiG gemieden wird) und einen überzeugten Vertreter der Evolution (Richard Dawkins) an, in die Vergangenheit zu reisen. Angenommen, ich reise jetzt nach Jerusalem 32 n. Chr, so wird Dr. Dino, sofern er glaubt, was er sagt, davon ausgehen, die Kreuzigung von Jesus Christus miterleben zu können, und wenn wir es geschickt anstellen, die Auferstehung. Oder wir suchen den Zeitstrom ab und suchen das Volk Israel am Berg Sinai. Oder oder oder. Glauben ist eine Aussage über die Natur der Realität, aus der sich natürlich auch eine Erwartung an die Realität ergibt.
Mit Dawkins versuche ich, weiter in die Vergangenheit vorzustossen. Wenn wir bei 4000 v. Chr, vor der Sintflut, stehenbleiben, weil Gott gerade erst die Zeit erschaffen hat, ist die Reise beendet. Dawkins müsste klein beigeben und Dr. Dino recht geben. Reise ich aber weiter zurück, bis ich sehe, was die Dinosaurier gekillt hat oder mit Trilobiten im Wasser planschen kann, ist ein Teil des gängigen wissenschaftlichen Weltbildes gestützt.
Nun stellt sich die Frage, wie jede Partei mit Abweichungen umgeht, und was es für Folgen hätte. Nehmen wir an, 65 Millionen Jahre zurück finde ich nicht einen grossen Felsbrocken, sondern eine titanische Orbitalkanone einer ausserirdischen Rasse, die soeben die Dinosaurier von der Erdoberfläche dampft, wäre das für einen Wissenschaftler sehr interessant - woher kamen die Aliens und warum haben sie nichts besseres zu tun gehabt, als Dinosaurier zu töten?
Wenn ich hingegen, als extremes Beispiel, überhaupt gar keinen Jesus Christus finde, weil es ihn als historische Person überhaupt nie gegeben hat, wie würde Dr. Dino dann reagieren? Oder ich kann das Volk Israel in Ägypten nicht finden? Wäre er einfach bereit, zuzugeben, er habe bisher falsch gelegen? Das kann ernsthaft in Zweifel gezogen werden. Ich kannte jemanden, der sah Nahtoderfahrungen als "letzen Versuch Satans, uns vom Glauben abzubringen" an, weil sie nicht biblisch genug waren. Es ist also durchaus möglich, dass Dr. Dino lediglich eine durchtriebene Täuschung meinerseits vermuten wird - mit Hilfe des Satan, natürlich.

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