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Narnia und das Jesus-Trilemma

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Eingeordnet in: Religion und Philosophie

Ich habe den Film "Der König von Narnia" gesehen. Viel wurde ja darüber geschrieben, dass die Geschichte eine verklausulierte Version des Christentums ist, mit König Aslan als Jesus. Ich denke, alleine die verwendete Bezeichnung "Sohn Adams und Tochter Evas" für homo sapiens sapiens macht das deutlich genug. Andererseits enthält der Film auch ganz und gar bibelfremde Elemente wie Faune und Zentauren, also denke ich mal, dass die von einigen Kritikern herbeigeschriebene "christliche Indoktrination" einer soliden Argumentationsgrundlage entbehrt. Und selbst wenn - es ist bekanntermaßen das Privileg des Autors, seine Ideen in Form von Literatur zu transportieren.

Auffallend war jedoch ein kleiner Satz, gesprochen von dem Professor hinsichtlich der Frage, ob Lucy sich Narnia ausgedacht hat oder nicht: "Sie ist entweder verrückt, oder sie lügt, oder sie hat recht - da sie weder verrückt ist und ich nicht glaube, dass sie lügt, muss sie recht haben". Kenner apologetischer Literatur, womöglich noch C.S. Lewis Mere Christianity, erkennen darin dessen von anderen Autoren zitiertes "Jesus-Trilemma":

  • Jesus war verrückt
  • Jesus war ein Lügner
  • Jesus war der Sohn Gottes

Da, so Lewis, die ersten beiden Varianten ausscheiden, müsse er der Sohn Gottes sein. Dies soll auch als Widerlegung all jener dienen, die in Jesus einen "weisen Menschheitslehrer" oder ähnliches sehen wollen, denn diese Annahme schliesst die ersten beiden Punkte aus.

Dilemmata oder Trilemmata sollten jedoch immer die Ohren klingeln lassen. Selten ist die Welt derart einfach gestrickt. Es gibt noch unzählige andere Varianten.

Die Schwäche der ersten beiden Ausschlusskriterien liegt darin, dass sie in dieser Klarheit nicht anzuwenden sind. Zu der angenommenen Lebenszeit von Jesus gab es keine moderne Psychiatrie, keine Vorstellung von einer "gesunden" und einer "kranken" Persönlichkeit. In der damaligen Kultur war es eher akzeptabel, Umkehr zu predigen als heute. Gleichermaßen würde man heute wohl jemanden schräg anschauen, der aus Tiereingeweiden die Zukunft deuten will. Ob Jesus verrückt war im Sinne klinischer Psychologie lässt sich heute nicht mehr ermitteln.
Ist der Papst etwa ein Lügner, weil er von sich behauptet, der Stellvertreter Gottes auf Erden zu sein? Ist er deswegen verrückt? Ein Lügner ist jemand, der bewusst die Unwahrheit sagt, zum eigenen Vorteil. Hier setzt auch Lewis an: Jesus habe ja schliesslich keinen weltlichen Vorteil gehabt, daher kann er kein Lügner gewesen sein. Nun, er kann aber zumindest einer Selbsttäuschung unterlegen sein.

Neben der angeblich letzten, dritten Möglichkeit offenbahren sich nun weitere. Grösster Schwachpunkt ist die Überlieferung. Der Behauptung, die Bibel sei eine historisch akkurate Überlieferung der Ereignisse steht die Erfahrung davon, dass Menschen zu allen Zeiten übertrieben und die Fakten verdreht haben. Da uns kein hinreichend verlässlicher Beleg für Jesus' Behauptung vorliegt, ist es vernünftig, von gewissen "Freiheiten" bei der Überlieferung auszugehen.

Alles in allem fällt das Lewis-Trilemma also schnell in sich zusammen.

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