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Bundestrojaner

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Eingeordnet in: Computer, Gesellschaft

In den letzten Wochen wurde eine Debatte über den "Bundestrojaner" geführt, bzw. korrekter das der Polizei unter bestimmten Umständen das Recht eingeräumt werden soll, in ans Internet angeschlossene Computer einzubrechen und diese von ausserhalb zu durchsuchen.

Persönlich halte ich die ganze Diskussion für verschwendete Zeit. Zunächst aus Bürgersicht: die Polizei hat bereits jetzt - unter der Maßgabe einer entsprechenden Befugnis - Kompetenzen, die eine "Online-Durchsuchung" übertreffen, etwa Lauschangriff, Hausdurchsuchung, Beschattung usw. usf. Sollte ich diese Kompetenzen für angemessen und notwendig halten, kann ich auch die Online-Durchsuchung akzeptieren, weil sie letzlich nur ein weiteres Medium erschliesst. Fürchte ich die Polizei aber generell und wähne mich in einem Polizei- und Überwachungsstaat, so sollte die Online-Durchsuchung mein geringstes Problem sein, zumal ich mich gegen sie noch eher zur Wehr setzen kann als gegen ein Sondereinsatzkommando oder eine professionell verwanzte Wohnung.

Betrachte ich das Instrument aus Sicht der Ermittlungsbehörden. Die Motivation für dieses Ansinnen dürfte wohl die Furcht sein, sich mehr und mehr verschlüsselten Partitionen und verschlüsselter E-Mail gegenüber zu sehen und die Hoffnung darauf, Täter in flagranti zu erwischen, beispielsweise beim Konsum von Kinderpornografie.
Allerdings gibt es Mittel und Wege ein Computersystem schwer angreifbar zu machen. Ein offenes Windows ohne Sicherheitsupdates direkt am Netz dürfte der leichteste Fall sein, sobald die Kiste jedoch hinter einem Router hängt, wird die Sache schwieriger. Zwar können IP-Pakete gezielt manipuliert werden, die nächste Herausforderung liegt dann jedoch in dem zu knackenden Betriebssystem. Auch Microsoft Windows lässt sich in ausreichendem Maße absichern, eine von X Linux-Varianten oder ein gehärtetes BSD dürfte den Knack-Aufwand jedoch in ungeahnte Höhen treiben. Zuguterletzt wird jeder Hackversuch daran scheitern, wenn die Zielperson einfach zwei Rechner besitzt, von denen einer nie am Internet hängt. Denkbar wäre es, z. B. verschlüsselte E-Mails per USB-Stick zu übertragen und am sicheren Rechner zu entschlüsseln. Echte Terroristen oder das Organisierte Verbrechen sollten diesen Mehraufwand nicht wirklich scheuen.
Demgegenüber stehen nun die Kosten für die Maßnahme. Bereits entstanden sind politische Kosten, weil landauf, landab jeder Paranoiker sein Feindbild "Wolfgang Schäuble" bestätigt sah. Dazu kämen tatsächliche Kosten für eine einzurichtende Spezialabteilung mit entsprechendem Personal, das kontinuierlich weitergebildet werden muss. Vermutlich ist es weitaus günstiger, Verdächtigen auf klassische Art und Weise die Tür einzutreten und sie Zwecks Befragung in Länder mit einer "entspannteren Haltung zu Menschenrechten" zu verschleppen.

Ein Wort noch zu meinen Freunden vom CCC, zu dem ich eine eigene Meinung habe. Folgendes liest man in deren Stellungnahme zum Thema:

Besonders kritisch ist, dass ein solcher Angriff auch das Anlegen und Verändern von Dateien auf dem "durchsuchten" Computer erlaubt. Beweismittel können per Mausklick problemlos und spurenfrei auf dem infiltrierten Rechner angelegt oder manipuliert werden. Dem Verdächtigen bleibt im Zweifel keine Chance, eine Manipulation an seinem Computer nachzuweisen. Heimlich eingeschmuggelte kinderpornografische Bilder reichen bereits aus, um missliebige Personen effektiv mundtot zu machen

Das ist FUD vom Feinsten, recht weit her geholt; genauso kann ich mich gegen Alkoholkontrollen im Strassenverkehr äussern, weil die Polizei das Röhrchen manipulieren und gleich dazu 10 KG reines Heroin in meinem Kofferraum "finden" könnte. Das dürfte jedenfalls einfacher sein als das "Paranoix" eines CCC-Mitgliedes zu knacken.

Alles in allem bin ich jedoch selbst natürlich kein Freund dieser Maßnahme und froh darüber, dass ihr erst mal eine Absage erteilt wurde. Einerseits glaube ich nicht, dass sie wesentlich zur Strafverfolgung beiträgt, andererseits fürchte ich einen gewissen Fallout in der Form, dass unnötig Bürger durch z. B. Versehen ins Visier polizeilicher Ermittlungen geraten könnten bzw. diese befürchten müssen.

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