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40x8 Meter Geldverschwendung

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Die Bahn hat ein neues Werbeplakat am Nordflügel angebracht - 40x8 Meter, nachts beleuchtet. Sollte es ein Versuch sein, Gegner oder Neutrale für das Projekt S21 zu gewinnen, ist der Versuch an Hand des Motivs gründlich in die Hose gegangen. Gezeigt wird einerseits die Sicht auf den neuen Bahnhof aus der Perspektive der Bundesbahndirektion. Es kommen die üblichen Visualisierungsspielchen zu tragen - überall wachsen grosse grüne Bäume, die weisse Betonrückseite der Lichtaugen glänzt, strahlt und reflektiert, als wären sie an einem Stück aus Glas gegossen, und die Bebauung auf der linken Seite fehlt völlig.
Dort kommt dann statt dessen der Werbespruch zum tragen, der deutlich macht, dass man hier 320 Quadratmeter Geld versenkt hat: "DER NEUE STUTTGARTER HAUPTBAHNHOF - SCHNELLER, KOMFORTABLER, ZUKUNFTSORIENTIERT."

Der Slogan als Ganzes ist schnell wiederlegt. SCHNELLER ist der Tiefbahnhof unter Umständen, er ist aber anfällig für sich aufschaukelnde Verspätungen. An einem verspätungsfreien Tag ist er aber für durchreisende Bahnfahrer die bessere Wahl.
KOMFORTABLER ist er in keinem Fall. Das hat die Schlichtung eindeutig gezeigt. Die Bahnsteige weisen ein starkes Gefälle auf, die Bahnsteige sind enger als die Norm, die Säulen für die Lichtaugen nehmen recht viel Platz weg, man hat viele - und hohe - Treppen, an denen es noch zu Engstellen kommt. Für Behinderte oder Menschen mit Fahrrädern, Rollkoffern, Kinderwägen ist der Bahnhof nicht barrierefrei. Dies ist in der Schlichtung so eindeutig bewiesen worden, dass Nachbesserungen auf diesem Gebiet (barrierefreie Fluchtwege und breitere Bahnsteige) von Heiner Geissler als "unabdingbare Vorraussetzung" erklärt worden sind. Die Bahn hat aber mittlerweile durch Volker Kefer auf der Plattform direkt.zu verkünden lassen, dass der Schlichterspruch an dieser Stelle gebrochen wird.
ZUKUNFTSORIENTIERT ist der Bahnhof ebenfalls nicht, da die Infrastruktur für die Zukunft festgelegt wird. Sie kann danach nicht mehr verändert werden, ohne sehr viel Geld in die Hand zu nehmen. Eine Infrastruktur ist für mich aber nur dann zukunftsorientiert, wenn man sie in Zukunft flexibel auf- oder umrüsten kann, um sich an geänderte Anforderungen anzupassen.

Bleibt die Frage, wen die Bahn mit diesem Plakat überhaupt erreichen will. Hierzu sollte man als Werbender nachdenken, wie die Zielgruppe aussieht:

  • Dumme Gegner: die erreicht man so oder so nicht.
  • Intelligente Gegner: bei denen prallt die Botschaft sofort ab, da sie offensichtlich falsch ist.
  • Dumme Neutrale: kann man möglicherweise erreichen.
  • Intelligente Neutrale: sind "nicht so tief in der Problematik drin" bzw. halten "die Sache eh für gelaufen", haben aber mitbekommen, dass die Projektträger gerne geschönten Unsinn erzählen. Dementsprechend werden sie das Plakat unter "eine weitere verlogene Illustration" einbuchen. Im schlimmsten Fall kann so ein Plakat zum Anlass werden, ins Gegner-Lager zu wechseln.
  • Dumme Befürworter: Die hätte man auch "wenn der Bahnhof nicht gebaut wird, kommen die Kommunisten an die Macht" oder sonst etwas beeindrucken können
  • Intelligente Befürworter: Sie wissen es besser, es ist ihnen aber egal, weil es sie entweder nicht betrifft oder sie sich schon auf ihr 9000 €/m²-Loft im A1-Gelände mit Blick auf den Restpark freuen.

Letztendlich bleibt also festzustellen, dass die Projektträger mal wieder Unsummen in eine völlig ineffektive Kampagne versenkt haben.

Dieser Text ist Teil der Serie Stuttgart 21

Auf Nichtmehr-Wiedersehen, Hauptbahnhof
S21-Szenarien
Das Turmforum
43. Montagsdemonstration
Die Dafürseite
Politikversagen
Gated Community auf dem A1-Gelände?
40x8 Meter Geldverschwendung
Wahlanalyse
Perspektiven zu S21
Zum Rücktritt Hany Azers
Zur Realisierbarkeit von Stuttgart 21
Gruss aus Kalkar
Ego te absolvo?
Stuttgart 21 - Blick in die Zukunft
Wahlüberlegungen

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