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SORBS, private Mailserver, Sippenhaft

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Eingeordnet in: Computer

Im Internet war ich in der letzten Zeit häufig mit der Frage konfrontiert, ob man einen eigenen Mailserver an einer DSL-Wählverbindung betreiben soll, und der Beschwerde, dass viele Mailserver Mails zurückweisen, die direkt von Dialup-Adressen stammen. Die Fraktion der Privatserverbetreiber wirft denen, die Dialup-Adressen aussperren, wie üblich vor, dass Prinzip des Internets nicht verstanden zu haben; und ich bin persönlich der sehr harschen Meinung, dass a. jeder Provider den Verkehr über Port 25 aus seinem Netzwerk ins Internet blocken sollte und b. jeder Provider für spammende Kunden haftbar sein soll, wenn er nicht blockt und sie auch nicht offenlegt. Da das Wort Haftung allerdings die gleiche Wirkung auf klassische Netizens hat wie Knoblauch, Sonnenlicht und Weihwasser zusammen auf einen Vampir, stehe ich mit dieser Meinung etwas alleine.

Persönlich benutze ich SORBS und blocke gnadenlos alles, was von Dialup-Hosts kommt. Das ist nicht weiter tragisch, da ich mir mit dieser Maßnahme vor allem - um nicht zu sagen, ausschliesslich - Botnetze vom Leib gehalten habe.
Nun echauffieren sich die legitimen Privatmailserverbetreiber, dass solches Tun der Sippenhaft gleichkommt. Garniert wird das ganze meistens damit, dass ich nichts vom Internet verstünde, oder natürlich dem Loblied auf die anonyme Kommunikation, die notwendig sei um sich vor dem Staat zu schützen.

Nun ist es erst mal so, dass ich blocken kann, wen ich will, solange es um meinen Server und meine E-Mail geht. Ich bin in keiner Weise verpflichtet, Mails von anonymen Absendern entgegenzunehmen. Insofern übe ich nicht einmal Sippenhaft aus - denn ich nehme niemanden in Haftung - sondern ich betreibe lediglich meinen Server nach meinen Kriterien.

Nun stelle ich auch eine geringere Problematik dar, da ich keinen grossen Kreis an Usern habe. Wenn die Telekom hingegen die gleichen Maßnahmen ergreift wie ich, ist ein ungleich grösserer Nutzerkreis betroffen, sowohl auf Empfänger- als auch Senderseite. Daher kann ich das Interesse der (legitimen!) Senderseite zumindest verstehen.

Jedoch, letztlich ist es freie Marktwirtschaft. Zwei Provider - sendend A und empfangend B - sind im wesentlichen frei, ihre eigene Policy zu definieren. Der sendende Provider kann beispielsweise weitreichende Anonymität zulassen genauso wie den Gebrauch seiner Infrastruktur auf eine Weise, dass der Empfänger es als Missbrauch einstuft. Er kann abuse@-Nachrichten auch grundsätzlich an /dev/null pipen.
Der Empfänger wiederum kann bestimmen, zu welchen Bedingungen er Nachrichten von A in Empfang nimmt. Das richtet sich sinnvollerweise nach der theoretischen Policy von A sowie der praktischen Umsetzung derselben.

Leid tragend werden auf irgendeine Art und Weise die Nutzer sein, zwangsläufig. Filtert B zu hart, gehen viele legitime Mails von A verloren. Führt A umgekehrt ein zu laxes Regime, werden viele Kunden von A Probleme bekommen. Beide Kundenstämme werden letzlich vor die Frage gestellt, ob ihr Provider eine ihnen entsprechende Policy betreibt. Sie können die Policy in ihrem Sinne beeinflussen, indem sie den Provider verlassen oder extra zu ihm gehen. Ein Provider mit einer laxen Sendepolicy wird bald eine bestimmte Klientel anziehen. Ebenso kann man sich explizit für einen Provider mit harter Empfangspolicy entscheiden, wenn man auf eine solche Wert legt. Das ist Entscheidungsfreiheit.

Sich sklavisch auf ein Ideal von Freier Kommunikation zu berufen hat im Grunde gar nichts mit Freiheit zu tun, wenn man Internetteilnehmern eine Kommunikationsform aufzwingen möchte, die diese gar nicht wünschen. Letztendlich ist dies nur die Forderung nach Erhalt des Status Quo, was in einer sich stetig verändernden Welt eine unrealistische Forderung ist.

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