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Left Behind gespielt

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Zu Left Behind - Skandal ohne Skandal habe ich das Spiel tatsächlich als Demoversion heruntergeladen und gespielt. Und skandalös ist bei diesem Spiel hauptsächlich die etwas hakelige Benutzerführung sowie die Tatsache, dass die eigenen Anhänger kontinuierlich beten müssen, um ihr Spirit-Level nicht zu verlieren - fallen sie unter 60, werden sie neutral.
Das war dann etwas ärgerlich, weil ich brav dem Tutorial folgte, sich meine Anhänger dann aber zwischenzeitlich verabschiedet hatten.

Kämpfen war noch nicht relevant, lediglich bösen Rockern des Antichristen musste ich ausweichen und lernte dort die erste Lektion christlichen Lebens: immer kräftig beten, ansonsten fällt man beim ersten E-Gitarrenschlag vom Glauben ab. Glücklicherweise kann man alle Anhänger markieren und mit dem Hotkey Q direkt zum Beten bringen.

In den ersten Missionen war es sogar explizit untersagt, andere Figuren - auch die bösen - zu töten. Soviel also dazu, dass das Spiel anleiten würde, Andersgläubige zu töten. Tja, was macht man aber nun, wenn die bösen Untertanen des Antichristen vor der Tür stehen und auf die Kapelle schiessen? Richtig, man schickt seine Sänger raus, umzingelt die verirrte Seele und beginnt mit einer Attacke christlicher Sangeskunst. Schon ist die Seele neutral, aber nicht lange, denn hat man den Gegner derart sturmreif gesungen, muss man die Missionare an die Front schicken und hat kurze Zeit später ein paar Anhänger mehr. Und aus denen kann man neue Missionare und Sänger machen, mit dem Effekt, dass sich der Antichrist bald einem Heer von Christen gegenüber sieht, dessen Reihen stetig wachsen. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken, wenn das letzte Gefecht anbricht: aus der Ferne erklingt "Shine Jesus Shine", schwillt an, bringt die eigenen, treuesten Vasallen dazu, ihre Posten zu verlassen...das Zombiegenre dürfte für die Spielidee Pate gestanden haben. Hoffen wir nur, dass der Antichrist nie die Odysee gelesen hat und sich und seinen Anhängern Wachs in die Ohren stopft.

Zwischen den Missionen darf man sich zu christlicher Musik mit "Clues" in der Richtung "Wusstest Du schon, dass sich etwas so komplexes wie das Auge nie per Zufall hätte entwickeln können?" weiterbilden und gleich sowohl mehr Informationen abrufen als auch die Musik kaufen.

Dem Spiel fehlt im Grunde nur ein kleines bisschen mehr Distanz, die entscheidende Ironie. Natürlich ist es bitterernst gemeint, aber wenn ich sehe, wie die Menschen dort als leicht zu überzeugendes Futter für zwei Ideologien herhalten, komme ich nicht umhin, etwas zu schmunzeln. Der Mensch als Schaf, dass sich willig in die Herde eingliedert und noch glücklich jeden meiner Befehle mit "We are proud to serve you" kommentiert: ich glaube, das kommt meinem Menschenbild recht nahe.

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