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Left Behind - Skandal ohne Skandal

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Eingeordnet in: Weblog, Computerspiel

In den Medien ist derzeit die Rede von "Left Behind - Eternal Forces", ein Spiel, dass die Handlung der in den USA erfolgreichen Left Behind-Buchserie aufgreift: nach der biblischen Entrückung der wahrhaft christusgläubigen findet sich die restliche Menschheit zurückgelassen für die Schrecknisse der Endzeit (Tribulations). Ein Teil der Menschheit beginnt, dem Antichristen zu dienen (bezeichnenderweise ein Europäer, der sich der UN bedient), während ein anderer Teil - die Tribulation Force - die Ereignisse "richtig" interpretiert und sich dem biblischen Gott zuwendet.

Im Spiel muss der Spieler die Tribulation Force durch ein apokalyptisches New York führen und deren Anhängerschaft mehren. Konfrontationen mit den "Global Community Peacekeepers" des Antichristen sind vorprogrammiert. Da das in Kämpfe ausarten kann, wird nun kolportiert, man müsse im Spiel im Namen Gottes töten und es würde die religiöse Toleranz untergraben.

Dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Zum einen widerspricht es den Erfordernissen des Spiels, als christlicher Spieler zu töten. Denn jede Figur hat eine mehr oder minder starke Ausrichtung zum Bösen oder Guten, eine Ausrichtung, die durch bestimmte Handlungen verstärkt wird: töten bring böse Punkte, beten gute Punkte, Musik beeinflusst neutrale Figuren zum Guten. Dies ist per se nicht einmal ungewöhnlich; bei Dungeons & Dragons haben Charaktere auch ein Alignment, dass sich bei manchen Computerrollenspielen nach diesem Regelsystem verändern kann, je nachdem, wie der Spieler konkret handelt. Wer z. B. in Knights of the Old Republik gut handelt, wird ein Jedi, wer viele dunkle Kräfte einsetzt, ein Sith. Möchte man ein Jedi werden, kann man beispielsweise nicht mit einem korrupten Händler zusammenarbeiten, auch wenn die Credits praktisch wären.
Böse Figuren werden sich im Spiel dem Antichristen anschliessen, wer also zuviel tötet, verliert letzlich nur seine Anhängerschaft.

Zum Stichwort religiöse Toleranz: da muss man differenzieren. Sicher ist, das Left Behind eine sehr fundamentalistische Auslegung des Christentums zugrunde liegt, nach der Ungläubige bei Gottes Strafgericht in die Hölle geschickt werden. Dies zu glauben, ist meiner Meinung nach legitim. Ich tue es nicht, da ich kein Christ bin, doch jeder soll glauben, was er möchte.
Toleranz bedeutet für mich, dass ich die abweichenden Ansichten anderer Menschen toleriere, ohne dass ich sie mir zu eigen machen oder sie sogar gutheissen muss. Solange sich niemand in mein Leben einmischt und von mir verlangt, nach christlichen - oder sonstigen Maßstäben zu leben, ist die Toleranz gewahrt. Ob jemand der Auffassung ist, dass ich in Sünde lebe oder nicht sei seine Sache, und solange er es dabei belässt, haben wir kein Problem. Toleranz heisst aber auch, dass ich mit Ideen konfrontiert werde, die mir nicht unbedingt zusagen oder meinen Ansichten entsprechen - und das auch tolerieren muss.

Hierzulande ist das Spiel ein gefundenes Fressen. Wir belächeln die USA und die dort verbreitete Bigotterie. Das Spiel scheint uns nur ein weiterer Beweis zu sein. Ich bin jedoch der Meinung, dass man auch mit dem "Gegner" respektvoll umgehen und wahrheitsgemäss über ihn berichten sollte.

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