Die Flagge des Marasek

Dekostreifen

English

Aktuell Texte Der Comic Impressum Kalender Suche PHP-Klassen Container-Wizard main.s21

Kategorien

Buch
Computer
Computerspiele
Film
Geschichte
Gesellschaft
Idee
Kunst
Natur
Persönlich
Politik
Programmieren
Religion & Philosophie
Weblog
Weltpolitik
Weltsicht
{{login}}

Netzneutralität von der anderen Seite

Permalink
Vorheriger: KameraästhetikNächster: The issue of net neutrality from the other side
Eingeordnet in: Computer

Die Ursachen für den Streit um die Netzneutralität liegen darin begründet, dass Konzepte der Telekommunikationsunternehmen sich als nicht tragfähig erwiesen haben. Das Geschäftsmodell der Unternehmen ähnelt dem von Druckerherstellern: billige Geräte und teure Tinte, nur dass es im Bereich Internet billige (relativ billige) Internetanschlüsse sind und man mit IPTV, Triple-Play, Music-on-Demand Geld verdienen möchte.

Doch die Unternehmen haben sich bislang verschätzt, da die Kunden die Zusatzdienste nicht wie vorgesehen nutzen. Schlimmer noch: die Kunden nutzen exzessiv die Bandbreite, zum Teil gegen die Interessen der Unternehmen.

Eine Flatrate ist verbrauchsunabhängig. Übertragungsvolumen kostet den Kunden nichts mehr, das Unternehmen zahlt nach wie vor für jedes übertragene Gigabyte an höherstehende Backbonebetreiber, sofern der Traffic das Netz des Providers verlässt. Für den Kunden macht es also keinen Unterschied, ob er die Bandbreite voll ausnutzt oder nicht, besser gesagt, je mehr er sie nutzt, desto relativ günstiger wird die Grundgebühr, weil er einen höheren Gegenwert erhält. Seiner Nutzung sind nur wenige natürliche Grenzen gesetzt. Anders als bei einem "all you can eat"-Angebot, dessen in Anspruchnahme absehbar ist, kann ein Kunde letzlich seine Bandbreite kontinuierlich und voll ausnutzen.
Die Unternehmen haben zu diesem Zweck Mischkalkulationen aufgesetzt, in der sie abgeschätzt haben, wie viele "Power-User" auf wieviele "Normal-User" kommen werden, von denen letztere hauptsächlich etwas mailen und surfen.
Leider haben die Unternehmen nicht vorhergesehen, dass mittlerweile auch Normal-User gewaltige Trafficmengen erzeugen können, beispielsweise durch ausgiebigen Konsum von YouTube, Online-Flash-Spielen, MMORPGs oder populär gewordenen Diensten wie iTunes.

Verschlimmernd ist der Aufstieg von VoIP, das nicht nur Bandbreite frisst, sondern gleichzeitig die Telcos mit sich selbst in Konkurrenz treten lässt, wenn sie noch ein Telefonnetz betreiben.

Eine weitere, unvorhersehbare Entwicklung ist die Tatsache, dass immer mehr Anbieterfirmen dazu übergehen, die Last der Bandbreite auf ihre Kunden abzuwälzen. Programme wie Bitorrent nutzen Swarmloading, eine Datei von vielen Peers herunterzuladen. Wird jedoch beispielsweise ein Update auf diese Weise verteilt, spart der Anbieter effektiv Kosten für die Bandbreite, die er sonst bereitstellen müsste. Dem Endkunden ist es gleichgültig, solange er selbst eine Flatrate hat, die Telcos bleiben jedoch auf den Kosten sitzen, die eigentlich von dem ursprünglichen Anbieter hätten getragen werden müssen.

Die Telcos haben im wesentlichen zwei Möglichkeiten, sich aus der Ecke zu befreien: entweder, sie versalzen gewissermaßen den Zugang zu Seiten ausserhalb des Providernetzes, in dem sie dort die Bandbreite drosseln. Das wäre dann die besagte Abkehr von der Netzneutralität.
Oder sie geben das Flatrate-Modell auf und beginnen, nur noch volumenbasierte Tarife anzubieten.

Warum die Anbieter den zweiten Schritt scheuen ist offensichtlich: der erste, der ihn macht, wird von den Kunden als gieriger Abzocker abgestraft werden, da die höheren Kosten sofort ersichtlich sind. Eine Abkehr von der Netzneutralität ist hingegen weniger offensichtlich und kann mit dem branchenüblichen Kleingedruckten abgehandelt werden.

Staatliche Intervention zur Garantie der Netzneutralität, wie von manchen gefordert, sehe ich jedoch als grossen Fehler. Der Markt für Internetanschlüsse ist vielfältig genug, damit von den Anbietern verschiedene Wege beschritten werden können. Dem Kunden bleibt so die Wahlfreiheit, welche der unvermeidbar bitteren Pillen er lieber schlucken möchte. Ich beispielsweise denke, dass ich einen überschaubaren Traffic produziere, und könnte mich daher für einen volumenbasierten, aber ungeregelten Tarif erwärmen. Jemand anders könnte eher mit einer geregelten Bandbreite leben.

Dieser Text ist Teil der Serie Netzneutralität

Netzneutralität
BitTorrent und Warner
Netzneutralität von der anderen Seite

Kommentieren

Bitte beachten: Kommentare sind nicht sofort sichtbar, sondern werden erst nach einer kurzen Prüfung freigegeben, sofern keine rechtliche Beanstandung vorliegt.
Rechtlich bedenkliche Inhalte werden entweder entschärft oder nicht veröffentlicht.

* Titel  
* Nickname  
* Kommentar