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"Die größte Bedrohung geht vom Iran aus"

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Eingeordnet in: Weblog, Weltpolitik

Wenn Bush davon spricht, dass die grösste Bedrohung vom Iran ausgeht, so sagt er die Warheit, denn in der Tat stellt der Iran eine Bedrohung für die Interessen der USA in der Region dar.

Das Goldene Dreieck

Ziel der USA ist die Kontrolle über das Goldene Dreieck, bestehend aus Saudi-Arabien, Persien und dem Kaspischen Meer. In dieser Region liegen noch die die meisten der letzten grossen Ölfelder.

Die Ausgangslage

Die USA

In Jahrzehnten der strategischen Planung haben sich die USA die Vorherrschaft in dieser Region gesichert. Saudi-Arabien zählt zumindest offiziell zu den Verbündeten der USA, spätestens seit die USA den Saudis im Rahmen von Desert Shield und Desert Storm die Mär von einem gefährlichen, invasionswilligen Irak weissmachen konnte. Der verbündeten Regionalmacht Israel wird weitgehend freie Hand gelassen; dass sie Atomwaffen erwirbt, wurde stillschweigend geduldet.
In der Folge des 11. Septembers konnte Afghanistan "befriedet" werden; wichtiger als Afghanistan selbst sind aber Militärbasen in der Region um das kaspische Meer, der Spitze des Dreiecks.
Als vorletztes Steinchen wurde der Irak per Embargo ausgehungert und 2003 "im Handstreich genommen". Damit dominieren die USA das Goldene Dreieck.

Der Iran

Der Führung des Irans müsste Ignoranz unterstellt werden, könnte sie nicht sehen, welcher Teil des Dreiecks noch fehlt: er selbst, wegen der eigenen Vorkommen und um die Region zu sichern, vor allem den Persischen Golf und das angrenzende kaspische Meer. Der Iran steht als Mitglied der "Achse des Bösen" mehr oder minder offiziell auf der us-amerikanischen Abschussliste.
Nicht zu vergessen hat der Iran bereits seine Erfahrungen mit den USA gemacht, beginnend mit der Operation AJAX der CIA, die den gewählten Premier Mohammed Mossadegh stürzte und den Schah von Persien einsetzte.

Russland

Russland hat einen demütigenden Abstieg hinter sich - einst gefürchtete Supermacht neben den USA, regiert jetzt im Lande die Korruption, während die Randbereiche bröckeln und von den USA bejagt werden. Mit der Orangenen Revolution der Ukraine, der EU-Osterweiterung und der Präsenz amerikanischer Truppen in der kaspischen Region gehen konkurrierende Mächte bedenklich nahe auf Tuchfühlung.

China

China ist die aufstrebende Macht schlechthin, von mir gerne als das "Industriegebiet des Planeten" bezeichnet. Mit Industrie kommt Öldurst, kein Wunder also, dass chinesische Firmen kräftig auf dem Ölmarkt mitmischen.

Europäische Union

Die Länder der Europäischen Union sind ebenfalls abhängig vom Erdöl. In einer Welt, in der jede Macht nach sich selbst schaut, sind die Europäer einerseits noch zerstritten und glauben andererseits noch an die "transatlantische Partnerschaft". Dem sei entgegengehalten, dass die USA in erster Linie an sich selbst denken.
Das Interesse der EU liegt hauptsächlich im Frieden. Denn die EU ist wirtschaftlich verknüpft mit Russland und China, und kann sich im Kampf gegen den Terror nicht auf schützende Ozeane verlassen. Oder anders gesagt: wohin könnten Terroristen theoretisch laufen, wenn sie sich an der "westlichen Welt" rächen wollen?

Israel

Israel ist eine Ausnahme in der Menschheitsgeschichte. Israel ist eine kleine Nation umgeben von Feinden, ohne gross dafür zu arbeiten, dass diese Feinde zu Freunden werden. Möglich ist dies vor allem durch die Unterstützung der USA, die in Israel die einzig wirklich befreundete (um nicht zu sagen: abhängige) Nation der Region haben.
Israel verfügt über beachtliche militärische Kapazitäten, darunter inoffiziell auch Atomwaffen. Dies erhebt Israel zur Regionalmacht. Dennoch ist Israel für eine wirkliche Macht zu klein. Ein Atomschlag gegen beispielsweise Tel Aviv würde Israel als Staat effektiv vernichten.

Der Iran und die Zivile Nutzung der Kernenergie

Der Iran hat verstanden, wie die Zeichen der Zeit stehen. Spätestens mit dem Fall Afghanistans und dem Irak und der offiziellen Aufnahme in die "Achse des Bösen" hat der Iran erkannt, dass er als nächstes Ziel vorgesehen ist. Die einzige Möglichkeit, um sich als relativ kleine Macht schützen zu können, liegt im Besitz der Atombombe. Anzunehmen, dass der Iran alleine an der Zivilen Nutzung der Kernenergie interessiert sei, ist naiv.

Urananreicherung

Unglücklicherweise liegen zivile und militärische Nutzung nahe beieinander. Uran besteht, natürlich vorkommend, hauptsächlich aus dem Isotop U238 und einem Anteil von U235. Letzteres wird für die kontrollierte (Reaktor) und unkontrollierte Kernspaltung (Uran-Atombombe) benötigt. Daher muss das Uran angereichert werden, indem der prozentuale Anteil von U235 erhöht wird. Das muss zu einem geringeren Teil für Kernreaktoren (2-4%) für Atomreaktoren geschehen, und weitaus mehr für Atomwaffen (über 80%). Die kritische Masse von U235 liegt bei etwa 49 Kilo - 49 Kilo zusammengebracht erzeugen genügend Neutronen, um eine Kettenreaktion in Gang zu bringen, die eine charakteristische Pilzwolke zur Folge hat.
Die begründete Sorge der USA ist, dass der Iran im Verlauf der Anreicherung für seine Kernreaktoren mit der Zeit genug U235 beiseite schafft, um Atomwaffen zu bauen. Die Situation ist schlecht: der Iran hat eigene Uranvorkommen, kann also nicht mit einem Uranembargo belegt werden und hat zudem das verbriefte Recht als Mitglied des Atomwaffensperrvertrages, Uran für die zivile Nutzung der Kernenergie anzureichern.

Die anderen Mächte

Russland und China

Es ist interessant, dass in der Debatte immer wieder der Name Russland und China fällt. Beide haben dem Iran mit Know-How und zudem Waffenlieferungen geholfen. Besonders die Russen sind an mehreren Standorten vertreten.
Russland hat grosszügigerweise auch angeboten, Uran für den Iran anzureichern, d. h. Russland würde Rohuran entgegennehmen und angereichertes Uran zurückliefern, damit der Iran nicht selbst anreichert und dabei etwas abzweigt.
Das grosse Problem ist aber, dass ich denke, dass Russland und China wenig gegen einen atomar bewaffneten Iran einzuwenden hätten. Sicher, es wäre eine weitere Nuklearmacht in der Nähe, da haben sie aber schon Indien und Pakistan. Eine direkte Bedrohung stellt der Iran nicht dar, zumal das iranische Nuklearpotential gegenüber dem beider Mächte überschaubar bleiben wird. Im Gegenteil wäre ein nuklear bewaffneter Iran beiden Mächten zum Dank verpflichtet.

Europa

Europa sollte nichts wesentliches gegen einen nuklear bewaffneten Iran einzuwenden haben, da zumindest Großbritannien und Frankreich genug Atomwaffen haben, um das Land, falls nötig, in einen "gläsernen Parkplatz" zu verwandeln. Der Iran kann von einem Angriff auf Europa nicht profitieren.

Israel

Israel hat das geringste Interesse an einem nuklear bewaffneten Iran. Derzeit ist Israel die regionale Hegemonialmacht und kann dank seiner überlegenen Ressourcen im wesentlichen frei handeln.
Mit einer weiteren, grösseren Nuklearmacht in der Region wäre Israel in seiner Handlungsfähigkeit stark eingeschränkt. Einen Nuklearschlag kann Israel nicht überleben, was den Nutzen seiner Zweitschlagskapazität relativiert. Dadurch wäre Israel keine wirklich relevante Macht mehr.

Die Vereinigten Staaten

Anders als es uns die Regierung der USA weissmachen wollen, sind sie natürlich nicht wirklich bedroht. Eine Zerstörung einer Stadt der USA wäre zwar ein Desaster - die USA sind aber zu der Option "gläserner Parkplatz" erst recht in der Lage. Dennoch ist der Iran eine gewaltige Bedrohung für das Interessensgeflecht der USA.
Mit dem Aufstieg des Iran zur lokalen Macht wäre der Verbündete Israel ausgeschaltet. Die US-feindlichen Kräfte in der Region hätten einen sicheren Hafen. Gut möglich, dass die gesamte Präsenz der USA im Goldenen Dreieck ins Wanken gerät. Die sorgsam geplante Aufstellung in der Region - eine Investition von Jahrzehnten! - wäre mit einem Schlag dahin. Die indirekten Folgen für die USA sind kaum absehbar.

Szenarien

Israel greift den Iran aus der Luft an

Eine wahrscheinliche Lösung ist, dass Israel den Iran aus der Luft angreift, so wie sie bereits den Reaktor Saddam Husseins vernichtet haben. Israel ist in der Situation, den "Druck der arabischen Strasse" am allerwenigsten fürchten zu müssen - weniger geht kaum mehr. Die USA werden den Angriff inoffiziell unterstützen.

Die USA greifen den Iran an

Es erscheint mir eher unwahrscheinlich, dass die USA den Iran offen angreifen werden. Nicht ausgeschlossen. Das Problem ist, dass die USA einen Rest an Friede mit den Grossmächten wahren müssen. Wenn die USA bei dem Angriff Russen und Chinesen töten, ist das sehr schlecht. Zudem dürfte das internationale Ansehen der USA vollends in den Keller gehen.

Es formiert sich eine breite Allianz

Die Russen, womöglich die Chinesen, die Europäer und die USA können sich auf Sanktionen gegen den Iran einigen und setzen diese gemeinsam durch.
Das ist eher unwahrscheinlich, denn wie gesagt vertrete ich die These, dass mindestens die Chinesen, vermutlich aber auch die Russen nach dem Prinzip "der Feind meines Feindes ist mein Freund" dem Iran zuarbeiten. Gerade die Chinesen, die einerseits in der moslemischen Welt noch weitgehend unbeschrieben sind, andererseits dringend Öl benötigen, werden nicht leichtfertig den Zorn der islamischen Welt auf sich ziehen, nur um amerikanische Interessen zu fördern.
Denkbar wäre aber ein sehr schmutziger Handel, der Russland und China beispielsweise die Hegemonie über den Iran zusichert, vielleicht noch im Tausch gegen Taiwan. Möglich, aber unwahrscheinlich.

Fazit

Die Zukunft ist auf bedrohliche Weise spannend. Persönlich könnte ich mir diese Spannung gerne ersparen. Eines steht jedoch fest: die USA sind in einer Lage, in der sie fast nur noch verlieren können.

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