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Die Bibel in gerechter Sprache

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Eingeordnet in: Religion und Philosophie

Vor einigen Jahren war ich in der Kirche, als eine Frau eine Lesung aus der Bibel hielt. Ich kann mich nicht mehr an die Stelle erinnern, aber mir viel auf, dass sie von der "Mutter" sprach. Maria also, denn im Neuen Testament ist das irgendwie die einzige Gestalt, die ich als die Mutter identifizieren kann. Ein kurzes Gespräch nach dem Gottesdienst ergab allerdings, dass sie Gott gemeint hatte, und aus Gottvater kurzerhand Gottmutter gemacht hatte. Sie nannte das "inklusive Sprache".

Jetzt gibt es für Menschinnen wie sie die Bibel in gerechter Sprache, die aus lauter solchen Formulieren besteht: Geschwister anstelle von Brüder, Lebendige anstelle von Gott, Vater und Mutter anstelle von Vater.

Meine Meinung hat sich seither nicht verändert, ich finde das Projekt nach wie vor falsch und sogar schädlich. Denn diese Übersetzung ist nicht als reine Übersetzung, sondern als vorweg genommene Interpretation anzusehen. Zugrunde liegt eine Grundauffassung von der Bibel:

Das Thema Gerechtigkeit ist der rote Faden in der Bibel. Diesem Tenor widersprechen juden- und frauenfeindliche Tendenzen, die im Laufe der Jahrhunderte immer stärker hinzugekommen sind. (Theologin Claudia Janssen)

Das ist ihre Interpretation. Meine Interpretation ist eine andere: die Bibel ist frauenfeindlich, nein, genereller noch: patriarchalisch und antiemanzipatorisch. Der rote Faden sind Gehorsam, Unterordnung, der geringere Wert des Individuums gegenüber der Gemeinschaft. Sie dient als Rechtfertigung für typisch menschliches Handeln, für typisch menschliche Eigenheiten. Das ist meine Interpretation, und aus ihr heraus lehne ich die Bibel ab.

Wer die Bibel heute liest, sollte sich mit diesen genannten Punkten auseinandersetzen. Die härteren Zeitgenossen übernehmen die Sichtweise der Bibel und wünschen sich diese gute alte Zeit herbei, als Frauen noch am Herd standen. Man denke nur an meine Lieblingsautorin Eva Hermann.
Der andere Teil lehnt die Bibel ab, weil er das darin präsentierte Menschen- und Gesellschaftsbild ablehnt.
Und wiederum ein anderer Teil hätte gerne beides: die "Strahlkraft" der Marke Christentum, aber gleichzeitig eine solide Rechtfertigung für ihren liberalen Gesellschaftsentwurf, eben mehr als nur das ist meine Meinung. Und um zu verhindern, dass jemand sich womöglich für die anderen beiden Wege entscheidet, muss man die Bibel so abändern, dass sich die eigene Interpretation geradezu von selbst ergibt.

Das ist Manipulation. Die liberale Interpretation der Bibel ist das gute Recht eines jeden, doch es ist vermessen, dies für andere übernehmen zu wollen. Damit nehme ich ihnen die Möglichkeit, sich selbst anders zu entwickeln. Würde es Sinn ergeben, eine abgeschwächte Version meiner Texte unter das Volk zu bringen, "wie Marasek es eigentlich gemeint hat"?

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