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Katholische Fundamentalisten

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Im Rahmen eines Kurzurlaubs im Allgäu war ich in Wigratzbad bei der Priesterbruderschaft St. Petrus. Deren Namen war mir bereits bekannt, da ich schon einmal eine Broschüre von ihnen im Briefkasten hatte. Diese Organisation fällt unter anderem dadurch auf, dass sie die Heilige Messe nach der Messordnung von 1962 feiert: auf Latein. Ein Bekannter bekam bei ihrer Erwähnung feuchte Augen und erinnerte sich an seine gute alte Ministrantenzeit zurück, als die Messe noch drei Stunden währte.

Die Priesterbruderschaft ist eine Abspaltung der Levebvre-Anhänger, die sich mittlerweile aber ausserhalb des Kirchenrechts bewegen. Diese haben sich zu deutlich gegen das 2. Vatikanische Konzil ausgesprochen; die Bruderschaft akzeptiert das Konzil und hält mit offizieller Genehmigung an den alten Bräuchen fest. Was, so erwähnter Bekannter, auch der eigentliche Wille des Herrn sei - die reformierte Messe ist gewissermaßen das kleinere Übel im Vergleich zu leeren Kirchen und dem weiteren Vordringen der Protestanten.

Der dazugehörende Andenkenladen war zugegebenermaßen klein und überraschend günstig. Fast konnte ich nicht an mich halten und einer Kollegin eine Papstkerze für 2 € mitbringen. Dort wurde mir aber auch wieder der Unterschied zwischen protestantischen und katholischen Fundamentalisten vor Augen geführt: Protestanten sind hart, Katholiken sind hart und magisch.

Protestantische Fundamentalisten kennen die Bibel sehr genau und legen sie wörtlich aus, was zwangsläufig eine harte Auslegung ist, zumindest von einem humanistisch-liberalen Standpunkt aus. Aber immerhin haben sie eine Grundlage - die Bibel. Das erkennt man dann auch an ihrer Literatur, das geht in Richtung "Die Kraft Gottes" oder "Umkehr Jetzt" und ähnliches. Ich muss dazu sagen, dass ich diese Position eher nachvollziehen kann als z. B. ein liberales Christentum, dass einen Teil der Bibel einfach mehr oder minder überzeugend weg erklärt. Mein Standpunkt ist, dass man dem Gott der Bibel entweder gehorcht und folgt, wenn man ihn denn als Autorität akzeptiert oder es auf Grund der Widersprüche oder Unsäglichkeiten der Bibel bleiben lässt, so wie ich es getan habe.
Katholische Fundamentalisten sind hingegen undurchschaubarer. Der Katholizismus hat dem Protestantismus eine mystische Dimension vorraus, der den Protestanten, die alles verstehen und ausforschen wollen, fremd ist. Protestanten haben Bände darüber gefüllt, wieso Katholiken keine echten Christen sind; und ihre Argumente sind, sofern ich die Bibel als Grundlage nehme, durchaus nachvollziehbarer. Der Katholik kann den Protestanten in mir also vor allem überzeugen, indem er mir aufzeigt, dass ich eben nicht alles mit dem Verstand erklären kann, schon gar nicht das Wesen Gottes. Eben indem ich mit der mystische Dimension konfrontiert werde, die z. B. eine Heilige Messe durchaus haben kann.

Doch katholische Fundamentalisten wollen das haben, was alle Fundamentalisten brauchen: eine Ideologie, ein Welterklärungssystem, das sie lernen und weitergeben können, das ihre Identität ausmacht. Die katholischen Fundamentalisten wirken für mich so komisch, weil sie das mystische Element des Katholizismus instrumentalisieren und erklärbar machen wollen. Das Ergebnis sind Papstkerzen, Rosenkränze für bestimmte Sünder, Marienmedaillen und Wundergeschichten von Marienstatuen und -erscheinungen. All dies hat für mich eine Ähnlichkeit mit Magie in dem Sinne, dass ein bestimmter Zauberspruch aufgesagt, ein bestimmtes Ritual ausgeführt wird, um einen bestimmten Zweck zu erreichen.

Allerdings muss ich immerhin berichten, dass meine Digitalkamera justament in dieser Region ihren Geist aufgegeben hat und ich so den grossvolumigen Weihwassertank nicht mehr fotografieren konnte. Was zeigt, dass man sich als Mensch eben nie mit Göttern anlegen soll, da zieht man immer den Kürzeren.

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