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Das religiöse Gefühl

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Nachdem im Spiegel hauptsächlich der Kulturkampf mit herbeigesehnt wird, jetzt die typische Gegenposition: im Grunde hätten die Muslime ja recht, die abgesetzte Operninszenierung sei ja nicht gut, wenn dort religiöse Gefühle verletzt werden, es sei banaler Quatsch, und den müsse man nicht verteidigen.

Mattusek spricht davon, dass ein Teil der westlichen Gesellschaft zu Narzisten verkommen sei, die um ihr eigenes Ego wie ums Goldene Kalb tanzen. Der Narzist hat kein Respekt vor dem religiösen Gefühl, er kennt ja nur sich selbst, drum beleidigt er es. Es schimmert etwas davon durch, dass wir doch bitte von uns selbst ablassen und zu guten alten Werten wie Familie und Kirche zurückkehren mögen.

Nun gut, ich bin vermutlich ein Narzist. Was ist aber so schlimm daran? Ich lebe mein Leben, ich habe nur eines. Warum sollte ich das Leben anderer Menschen nach ihren Vorstellungen leben?

Auf der anderen Seite ist es mir egal, was andere über meine Werte sagen. Buddha wird der Kopf abgehackt, warum nicht? Im Zen gibt es den Spruch, wenn man Buddha begegnet, solle man ihn tot schlagen.
Wie narzistisch ist eigentlich jemand, der sich ob der "Verletzung seines religiösen Gefühls" ereifert - er tut nicht weniger, als seine subjektiven Gefühle zum objektiven Maß aller Dinge zu erheben. Das hört sich für mich reichlich narzistisch an, denn wie wichtig muss ich mich nehmen um dies zu tun?

Das ist dann nämlich meine Vorstellung von Individualität und Freiheit: ich habe meinen Bereich, den ich gestalten kann. Jeder kann darüber denken und sagen, was er will. Wenn jemand meine Standards auf für mich unerträgliche Weise nicht einhält, streiche ich ihn von der Freundesliste; das ist auch Freiheit, die Freiheit mich zu entscheiden mit wem ich meine Zeit verbringe und mit wem nicht.

Die Anhänger des "religiösen Gefühls" haben aber leider oft diesen Geltungsdrang: das eigene Territiorium zu kontrollieren reicht nicht. Wenn sie dazu überhaupt erst in der Lage sind, die ärgsten Gläubigen sind oft auch die ärgsten "Sünder". Statt dessen muss die restliche Welt sich ebenfalls dem Diktat des Gläubigen beugen.

Wenn Mattusek fragt, für was für Werte wir bereit wären zu sterben, dann wäre dies meine Verteidigungslinie. Jeder soll doch glauben was er will, soll seinen Glauben nach seinen Vorstellungen ausleben können, solange er mein Territorium achtet und sich an ausgehandelte Regeln meiner Gesellschaft hält.

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