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Günther Grass

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Eingeordnet in: Geschichte, Gesellschaft

Was derzeit tatsächlich die Schlagzeilen beherrscht, ist das SS-Geständnis von Günther Grass. Ich fand dieses Ereignis einigermaßen belanglos, habe ich mich bislang wenig um Günther Grass geschert. Was mir negativ aufgefallen war in einem vor wenigen Monaten erschienenen Streitgespräch im SPIEGEL war sein Moralismus. Menschen wie Günther Grass denken dass sie Recht haben, weil sie Recht haben, und damit habe ich ein Problem. Dabei fand ich damals keine wirklich eigenständige Position, sondern hauptsächlich die Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen und Behauptungen. Der Mensch, der hingegen seine Position und sich selbst grundsätzlich in Frage stellt, verdient meinen Respekt.

Das Geständnis von Grass ist dann auch nur ein eingeworfenes Wort. "Waffen-SS" soll üblicherweise "Nazi", "schlimm", "Verbrecher" usw. usf. assoziieren. Und anscheinend funktioniert es ja, so wie viele jetzt auf Grass einschlagen. Andere sehen jetzt eine "gefährliche Relativierung", schließlich möge ja jemand, bewahre uns Gott! denken, die Waffen-SS sei so schlimm nicht gewesen, wenn Grass Mitglied war. Ich kann mir ausmalen, wie die Logikprozessoren mancher Menschen angesichts der widersprüchlichen Aussagen anfangen zu qualmen:

Die Menge Grass ist Gut.
Die Menge Waffen-SS war schlecht.
Günther Grass war eine Teilmenge der Waffen-SS.

Ein klarer Widerspruch in einer binären Welt. Die Welt hat aber viele Grautöne, und vor diesem Hintergrund muss man sich fragen, wie GG und SS unter einen Hut zu bringen sind. Doch für eine abschliessende Bewertung bleiben zu viele Fragen offen, beispielsweise wie genau Günther Grass zur Waffen-SS gekommen ist. Welche Rolle er dort gespielt hat, etwa, ob er an Kampfeinsätzen oder gar Kriegsverbrechen teilgenommen hat. Wie er damals, wie er heute zum Nationalsozialismus steht, und aus welchen tatsächlichen Gründen. Ob er überhaupt in die Waffen-SS gepasst hat, das heisst, ob er damals tatsächlich die Ideologie der Waffen-SS geteilt, vertreten oder sogar gelebt hat.

All diese Fragen - die ein wirklich tiefergehendes, generell besseres Verständnis ermöglichen könnten - werden nicht gestellt, statt dessen von wichtigtuerischen Phrasen überdeckt.

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