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Das Problem unserer Nahrungsmittelversorgung

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Eingeordnet in: Gesellschaft

Von den Anfängen her ausgehend, sind wir ein mächtiges Volk geworden, dass seine ursprünglichen Grenzen weit hinter sich gelassen hat. Aus Höhlen wurden Hütten, aus Hütten Häuser und schliesslich Wolkenkratzer. Unsere Beine wurden durch Wagen, Schiffe, Flugzeuge und Raumfähren ersetzt. Dank Verkabelung und Funkwellen ist unsere Rufweite nicht mehr auf die Reichweite unserer Stimme begrenzt. Unser Gedächtnis wurde ergänzt durch Petabytes an Speicherkapazität, unsere Hände erweitert durch Werkzeuge aller Art, die geballte Faust bis hin zur Interkontinentalrakete mit Mehrfachsprengkopf aufgewertet. Wir lernten, Stein, Holz, Metalle und schliesslich Plastik zu bearbeiten. In jedem Bereich haben die Einschränkungen der natürlichen Umgebung weit hinter uns zurückgelassen, bis auf zwei: Medizin und Nahrungsmittelversorgung.

Meine Kleidung besteht aus den verschiedensten, zum Teil synthetischen Materialien, nicht mehr aus Fellen und Tierhäuten alleine. Mein Essen jedoch läuft noch immer auf der Wiese herum oder wächst darauf. Die industrielle Landwirtschaft ist letzlich eine aufgeblasene, industrialisierte Version der Landwirtschaft, wie sie seit tausenden von Jahren betrieben wurde. Würde ich 5000 Jahre in der Zeit zurückreisen und einen Menschen mitbringen, würde er vermutlich äußerst beeindruckt vor Computern, Fernsehern, Plastikfolien und ähnlichem stehen. Die Landwirtschaft jedoch würde er vermutlich ohne weiteres wiedererkennen, da er nur Ställe sehen würde, in denen halt 500 anstatt eine Kuh steht und Felder, die von Maschinen anstatt von Schnittern abgeerntet werden.
Ebenso hat die Medizin über die Jahrtausende nur ihre Methoden perfektioniert, aber nicht geändert. Bis heute ist ein amputiertes Bein ab, und zwar für immer. Anästhesie macht Amputationen erträglicher, und aseptische Umgebungen und Antibiotika senken die Sterblichkeit, jedoch ist jeder Arzt letztlich machtlos und auf die Heilungsfähigkeit des Körpers angewiesen. Kein Arzt dieser Welt kann heilen, nur flicken oder den Körper darin unterstützen. Sie sind darin sehr gut geworden, aber noch nicht darüber hinausgewachsen.

Die industrielle Nahrungsmittelproduktion hat gravierende Probleme mit sich gebracht - sowohl ethische als auch sehr greifbare.
Die Fleischproduktion ist beispielsweise auf Tiere angewiesen, die der Effizienz halber in Mengen gehalten werden. Tiere als Lieferanten von Fleisch sind selbst aber äußerst ineffizient; der grösste Teil einer Kuh kann nicht verzehrt werden, muss aber dennoch heranwachsen. Ein Kalb muss also gehörige Mengen an Gras fressen, bevor aus diesem Kalb ein schlachtfähiges Rind wird. Von diesem Rind kann ich dann einige, nicht sonderlich sättigende Komponenten essen; der Rest ist Abfall oder zumindest nicht zum Verzehr geeignet. Mit dem, was Tiere zur Mast wegfressen, könnte man ungleich mehr Menschen ernähren. Ethische Fragen kommen auch auf angesichts der Situation, dass wir Unmengen von Lebewesen heranwachsen lassen, nur um sie zu töten. Auch wenn ich überzeugter Fleischesser bin, und grundsätzlich nichts verwerfliches darin sehe, eine Kuh zu essen, stellt es für mich ein Problem dar, dass heute kein Bezug mehr zwischen "totem Tier" und "saftigem Steak" besteht. Fleisch ist ein weitgehend abstraktes Produkt geworden.
Deutlicher wird dies am Beispiel der überaus leckeren Fischstäbchen: Fangflotten ziehen Tonnen von Lebewesen aus dem Meer, um sie zu ansehnlichen kleinen Fischblöcken in goldgelber Panade zu verarbeiten. Im Meer habe ich ein Lebewesen mit Augen, Flossen, Mund etc. pp. Auf dem Teller landet ein abstrakter, wohlschmeckendes Gericht aus Fisch - Fisch ist hier ebenso ein Material wie Stahl. Eine Ressource, nur mit dem Unterschied, dass sie mal gelebt hat. Auch hier stellt sich wiederum die Frage der Effizienz, da ein Fisch nicht zu 100% aus Fisch besteht, dem Grundstoff von Fischstäbchen.

Die Lösung dieses Problems liegt für mich nicht in irgendeiner Agrarwende oder ähnlichem. Ob ich 500 Rinder halte oder nur 25 ist letzlich irrelevant: zu Fleisch werden sie alle. Und es bleibt auch die Frage, ob man mit Biolandwirtschaft eine wachsende Bevölkerung kostengünstig versorgen kann.
Die einzige Lösung - und sie zeichnet sich glücklicherweise am Horizont ab - heisst: Synthetisierung. Die Ressource Fisch und Fleisch muss direkt hergestellt werden, aus einfacheren Rohstoffen als aus Fischen und Rindern. Wir werden bald den Punkt erreichen, an dem wir Muskelfleisch im industriellen Maßstab züchten können, nach und nach womöglich alle anderen Grundstoffe unserer Nahrung. Dies wird auch die Medizin revolutionieren, die bislang nur den Mangel verwalten kann.

Die meisten Menschen wenden sich angewidert von diesem Vorschlag ab. Es sei nicht natürlich und mit Risiken behaftet. Nur ist die gegenwärtige Situation weitaus mehr mit Risiken behaftet, und "Natürlichkeit" kann kein Kriterium mehr für eine Spezies sein, die ihre Häuser in Stahlskelettbauweise mit Glasfassade baut, anstatt sich einen wohligen Bau zu graben. Natürlichkeit ist eine Illusion, und das Streben danach erst recht.
Selbstverständlich wird es Probleme geben. Probleme gibt es, seitdem wir zu einer vernunftbegabten Spezies geworden sind. Es bieten sich aber zahlreiche neue Möglichkeiten: unsere Nahrungsmittelversorgung kann effizienter werden, weil wir nur noch das herstellen, was wir auch wirklich essen können, und wir werden gesünder leben können, weil es möglich sein wird, unsere Nahrung auf unseren Stoffwechsel zuzuschneiden. Und da wir nicht mehr nur das essen müssen, was halt da ist, sind die Möglichkeiten für neue Speisen grenzenlos.

Dies wird auch der Medizin zum Durchbruch verhelfen: wenn jedes Organ nachgezüchtet werden kann - auf der Grundlage der patienteneigenen Gene - gehören "-ektomien" der Vergangenheit an, ebenso wie Abstossungsreaktionen. Wir werden zwar immer noch krank sein und irgendwann sterben, aber es wird erträglicher werden.

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