Die Flagge des Marasek

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Gesellschaftliche Utopien

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Eingeordnet in: Gesellschaft

Kann man eine Autobahnbrücke über den Atlantik bauen, zum Preis von sagen wir mal 10.000 Euro? Ja, theoretisch durchaus, denn alles was man benötigt, ist ein sehr festes, gleichzeitig sehr leichtes und vor allem extrem einfach herzustellendes Material und eine wartungsfreie, billige Brückenbaumaschine. Konkret denke ich hier an irgendwelche selbstreplizierenden Nanomaschinen, die eine Brücke aus superfestem Faserneutronium oder sonst was über den Atlantik spinnen.

Schwachsinn? Selbstverständlich. Aber genau so verhält es sich mit gesellschaftlichen Utopien. Jede gesellschaftliche Utopie funktioniert perfekt, wenn man die Rahmenbedingungen, bzw. das Grundmaterial, sprich den Menschen, nach eigenem Gutdünken verändern kann. Das ist genau der Punkt, an den man mit Anarchisten, Kommunisten, Friedensaktivisten und Hyperkapitalisten irgendwann kommt - "natürlich funktioniert das, der Mensch muss sich halt ändern". Wirft man aber ein, dass das nicht geht, wird auf eine ominöse Urgesellschaft oder eine Kommune in irgendwo hingewiesen.

Beispiel Kommunismus: Im Kommunismus muss niemand mehr auf Zwang arbeiten; jeder weiss ja, was getan werden muss. Eigentum wird geteilt, jeder bekommt dass, was er braucht. Das ist so, weil der Mensch vernünftig geworden ist und automatisch weiss, was als nächstes richtiges getan werden muss.
Beispiel Anarchie: Im Grunde wie Kommunismus, nur das jeder bei allem weiss, was als richtiges getan werden muss, und auch immer das richtige tut, ergo benötigt man keine Gesetze und Verbote mehr (ich weiss z. B. bei einer Strasse, dass sie aus Gründen der Vernunft nur für Land- und Forstwirtschaftlichen Verkehr freigegeben ist und fahre nicht durch).
Beispiel Hyperkapitalismus: Jeder Mensch ist ein Unternehmer; es braucht keine Gewerkschaften und kein Arbeitsrecht, weil sich kein Mensch unter Wert verkauft. Es braucht keine Umwelt- und Produktqualitätsvorschriften, weil umweltverschmutzende und unsichere Produkte herstellende Firmen Gnadenlos vom Markt abgestraft werden. Unternehmer treten zudem noch als generöse Spender auf und handeln stehts für das Gemeinwohl.

Die Regeln sind also:

  • Der Mensch kann geändert werden; alle Menschen können geändert werden und alle Menschen sind im Grunde gleich, haben das gleiche Grundbedürfnis (hin zum Kommunismus, Anarchie, Weltfrieden etc.)
  • Die Zustände haben schon mal bestanden, irgendwann vor sehr langer Zeit; aus irgendwelchen Gründen haben die Menschen die perfekte Gesellschaft aber verlassen und ein wenig experimentiert
  • Wenn es in der Punkerkommune mit 15 Leuten funktioniert, funktioniert es auch auf dem ganzen Planeten mit 6 Milliarden Menschen

Unter diesen Bedingungen ist es ein leichtes, auch den "Marasekismus" als ideale Gesellschaft zu verkaufen: "Die Menschheit bestimmt in Einheit und aus vernünftiger Erkenntnis, den Marasek zum Gottkaiser über die Erde zu ernennen. In gütiger und weiser Herrschaft, unterstützt durch seine gütigen und weisen Administratoren, verwaltet der Marasek die Erde zum Wohle der Menschheit, und die Menschen erkennen jede seiner Weisungen als richtig und wahr an". Jaja, ich warte.

In der Realität aber funktioniert Kommunismus nicht mal im Ansatz, Anarchie heisst plündern und Frauen umsonst und der Gottkaiser ist nur ein Freak, der mit seiner Junta den Planeten tyrannisiert.

Wer eine echte Brücke baut, muss mit Umgebung, Material, Wetter, Kosten etc. fertig werden, nicht zu vergessen die Schwerkraft. Wer eine Gesellschaft mit Menschen baut, muss beachten:

  • Die meisten Menschen sind relativ dumm. (Anarchie/Kommunismus aber zb. braucht übermenschlich intelligente Menschen - jeder muss ja zu jeder Zeit wissen, was richtig ist und was nicht, im Gesamtkontext. Anarchie braucht, um genau zu sein, Götter)
  • Menschen sind verschieden. Lustigerweise predigen gerade die Anarchisten freie Selbstentfaltung, die letztendlich aber keine ist - da ja jeder immer das richtige tut, gibt es keine Individualität mehr.
  • Es ist die Frage, ob der Mensch von Natur aus gut oder böse ist; meiner Ansicht nach gibt es aber auf jeden Fall einige Menschen, die von Natur aus schlecht sind. Was nützen zigtausend gute Menschen, wenn es einen bösen gibt und der die Atomwaffe hat, wie es üblicherweise ist?
  • Die Mehrheit der Menschen ist recht passiv. Meiner Meinung nach gibt es wirklich böse Menschen und wirklich gute, die meisten jedoch sind grau und wurschteln sich irgendwie durch. Diese Masse ist ein wundervolles Betätigungsfeld für Demagogen.

Welches Gesellschaftssystem ist dann aber das richtige, welches funktioniert?
Die ernüchternde Antwort lautet: Herrschaft, Patriarchat. Einer ist stärker, charismatischer und weiss andere zu führen bzw. ist rücksichtslos genug, jeden Widerstand zu brechen. Unsere ganze Welt läuft darauf hinaus, dass irgendwer stärker ist und für Ordnung sorgt. Das kann man zwar mit ein paar Gesetzen und Regeln in einigermaßen vernünftige Bahnen lenken und überdecken, die Grundstruktur bleibt aber gleich.

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