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Gibt es zuviele Linux-Distributionen?

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Eingeordnet in: Computer

In der c't 2006/14 beklagt Thorsten Leemhuis, dass es letzlich zuviele Linux-Distributionen gäbe - die Verschwendung von Arbeitskraft sei die Folge, zudem fehlten einheitliche Standards, etwa bei der Konfiguration. Leemhuis spricht von 462 Linux-Distributionen, freilich ohne seine Quelle zu nennen.

Die Frage ist jedoch, ob die Kritik berechtigt ist, ob es zuviele Linux-Distributionen gibt. Dem würde ich widersprechen.

Tatsächliche Anzahl der Distributionen

Ohne Quelle vermag ich die Zahl 462 nicht weiter zu verifizieren, die Wikipedia listet jedoch "viele" Distributionen auf. Die Zahl dürfte ohnehin stark fluktuieren und letzlich schwer genau zu ermitteln sein.
Von der 462 ausgehend kann ich aber sagen, dass es auf keinen Fall 462 gleichberechtigt nebeneinander stehende Distributionen gibt. Statt dessen gibt es einige wesentliche Hauptlinien, die da heissen Debian, Redhat, Suse, Gentoo und noch Slackware, das aber in der Breite keine gewichtige Rolle mehr spielt.
Von diesen Hauptlinien gibt es mehrere Variationen. Besonders artenreich sind die Debian-Derivate, unter ihnen das bekannte Ubuntu und Knoppix.

Konkurrenz und Alleinstellungsmerkmale

Neben den Hauptlinien existieren noch einzelne Spezialisten, etwa IPCop oder DSL, von auf besondere Hardware (XBOX, iPod) zugeschnittenen Distributionen mal ganz abgesehen. IPCop konkurriert natürlich nicht mit Ubuntu, da sich beide an ein völlig anderes Publikum richten.
Das schöne an der Vielfalt sind die Alleinstellungsmerkmale, die bestimmte Distributionen mit sich bringen. Von mir werden eher jene Distributionen bevorzugt, die ihrer Linie treu bleiben, anstatt sich zu verwässern getreu dem Prinzip "one size fits all". Auf einen neuen Server kommt ohne zu zögern Debian Sarge, mit vielleicht ein paar selbst kompilierten Programmen für neuere Versionen / Spezialanforderungen. Für einen Desktop-Rechner bietet sich Ubuntu an, mit dem Vorteil, dass es auf Debian basiert, so dass viele Konzepte bekannt sind. Auf diese Weise bleibt Wahlfreiheit erhalten.

Arbeitskraftverschwendung

Ob durch eine Vielzahl von Distributionen Arbeitskraft verschwendet wird, ist nicht eindeutig zu ermitteln. Letzlich liesse sich das wohl auf die ganze freie Wirtschaftsordnung übertragen - was für eine Arbeitsverschwendung, dass soviele Leute für unterschiedliche Pizzasorten arbeiten, eine würde doch reichen...
Nicht jeder, der eine eigene Distribution anfängt, fehlt einer bestehenden Distribution. Ich würde dem eingespielten Debian-Team vermutlich hauptsächlich im Wege stehen. Wenn ich aber meine eigene, debian-basierte Distribution starte, wird vielleicht etwas gutes draus - oder auch nicht, ohne dass bestehende Strukturen beschädigt werden.

Forking als Konfliktvermeidung

Aus meiner Sicht ist es nicht notwendig einen Konflikt zu führen, wenn man ihm ohne Verlust ausweichen kann. Forking ist eine Möglichkeit der friedlichen Konfliktbewältigung.
Angenommen, es kommt unter dem Debian-Team zum Streit darum, wie die Zukunft der Distribution gestaltet werden soll. Ein Teil möchte noch sicherer und zuverlässiger werden, ein Teil eher benutzerfreundlicher und moderner. Manche Positionen lassen sich schlecht vereinen. Unangenehmer Nebeneffekt könnte sein, dass aus Debian, der typischen Serverdistribution, am Ende eine leidliche Desktopdistribution mit Schwächen im Serverbereich wird.
Auch wenn der Kurs beibehalten wird, können Unstimmigkeiten innerhalb des Teams sehr viel Kraft kosten. Wenn sich ein Teil hingegen abspaltet, kann sich etwas neues entwickeln und das alte kann seine Linie fortführen. Neue potentielle Mitarbeiter gehen dann dort hin, wo sie gebraucht werden / sich zu Hause fühlen und können dort sinnvoll arbeiten, ohne in erster Linie als Verstärkung für einen der Flügel zu dienen.

Wem das alles noch immer zu unübersichtlich ist, dem stehen wiederum eine Vielzahl von straffer organisierten Betriebssystemen zur Verfügung: BSD, Mac OS X und natürlich Windows seien genannt.

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