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Geschichte und Heilsgeschichte

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Eingeordnet in: Religion und Philosophie

Die Heilsgeschichte ist ein wesentlicher Aspekt des Christentums. Das ist jener Teil der Geschichte, der aus Sicht des Christentums relevant ist und der, so zumindest die Christen, in sich geschlossen ist. Die Heilsgeschichte beginnt mit der Schaffung der Welt durch Gott und endet mit dem Tag des Jüngsten Gerichts. Davor und danach existiert überhaupt gar keine Geschichte, da auch keine Zeit existiert.

Wichtige Stationen der Heilsgeschichte sind:

  1. Schaffung der Welt durch Gott, des Menschen; der Mensch lebt glücklich und zufrieden mit Gott
  2. Der Sündenfall (als Erklärung, wieso die Welt und der Mensch "schlecht" ist und wir nicht mehr mit Gott wandeln)
  3. Geburt, Leben, Tod und Auferstehung von Jesus Christus (als Erlöser der Menschheit), der letzlich im Endgericht wiederkehren wird, um die Ungläubigen zur Hölle zu schicken
  4. Der Mensch lebt wieder mit Gott

Dieses Denken ist einerseits linear, da eine Entwicklung aufgezeigt wird; andererseits auch wieder zyklisch: schliesslich enden die Gläubigen am Schluss dort, wo der Mensch vor dem Sündenfall schon war; das Endniveau ist aber höher. Denn der ursprüngliche Mensch, so die christlich-jüdische Lehre, hatte kein Verständnis von Gut und Böse. Im Endzustand hat er es aber behalten, und wieder das Paradies.

Abstrakter betrachtet kann ich folgendes Schema ableiten:

  1. Urzustand (gut)
  2. Bruch des Urzustandes
  3. Leben in einer "schlechten" Welt
  4. Darstellung eines Ausweges, das, was die Welt schlecht gemacht hat, wird entfernt
  5. Höherentwickelter Urzustand (gut)

Dieses heilsgeschichtliche Denken ist keinesfalls die alleinige Domäne des Christentums. Es lässt sich in vielen anderen Welterklärungssystemen finden, beispielsweise diversen politischen Ideologien, weshalb ich auch keinen qualitativen Unterschied zwischen Religion und Ideologie sehe.

Kommunismus

  1. Urkommunismus
    Der Kommunismus postuliert, dass die präzivilisatorische Gesellschaft kommunistisch war - alles wurde von der Gemeinschaft geteilt, es gab kein Privateigentum.
  2. Privateigentum
    Der Sündenfall des Kommunismus ist, dass ein Mensch für sich Privateigentum beanspruchte.
  3. Gefallene Welt
    In der heutigen Welt beuten die Eigentümer die Mehrheit der Menschen aus, daher gibt es Kriege, Hungersnöte, Mangel usw usf.
  4. Ausweg
    Der Ausweg ist die Abschaffung des Privateigentums und die Sozialisierung aller Güter.
  5. In der Revolution werden die Kapitalisten enteignet (und bei Widerstand umgelegt)
  6. Daraus resultiert wieder der Kommunismus; da die Menschheit aber gewissermaßen die Zivilisation "behalten darf", ist dieser Kommunismus dem Urkommunismus überlegen.

Anarchie

  1. Die Urgesellschaft war Herrschaftslos
  2. Als Sündenfall erhob sich ein Mensch über den anderen und beanspruchte Macht für sich.
  3. Daraus resultiert die heutige Welt mit ihren Problemen
  4. Der Ausweg ist es jedwede Form der Herrschaft abzuschaffen
  5. Die Herrschaftslose Gesellschaft ist wiederhergestellt; auch hier behält der Mensch die Zivilisation.

Ähnliche Schemata liessen sich für Antisemitismus, Feminismus, Libertarianismus, Monarchismus und und und aufmachen. Bezeichnend ist, dass Ideologen gerne eine frühe Gesellschaft für sich reklamieren; die armen Steinzeitmenschen haben je nach Sichtweise im Matriarchat, im Kommunismus oder anarchistisch gelebt.

Kritik

Die Urgesellschaft

  • Es gibt keinen schlüssigen Beweis für die Organisation der Urgesellschaft. Es kann auch nicht gesagt werden, dass alle Menschen so gelebt haben wie die, deren Gebeine man gerade ausgebuddelt hat.
  • Selbst wenn man eine Lebensform nachweisen kann, ist damit nicht gesagt, dass diese heute genauso gut wäre wie damals, und es ist auch nicht gesagt, dass die Menschen damals damit zufrieden waren. Da man an Menschenknochen des öfteren Spuren von Kannibalismus findet, wage ich das doch sehr anzuzweifeln.

Der Sündenfall

  • Woran kann man ermessen, dass der Sündenfall, selbst wenn er statt gefunden hat, schlecht war? So gesehen könnte man auch die Erfindung der Vernetzung als Sündenfall in der Entwicklung der Computer postulieren, da erst dadurch Angriffe ohne physischen Zugriff auf eine Maschine ermöglicht wurden.
  • Wie kann man sagen, dass ein Faktor für die Probleme in der Welt verantwortlich ist? Für die Wurmplagen des Internets sind jedenfalls mehrere Faktoren zuständig.
  • Wieso wurde der Sündenfall begangen? Warum sollte ein Mensch Privateigentum einfordern, wenn es seiner eigentlichen Natur widerspricht?

Die Welt

  • Woran überhaupt kann man ermessen, welche "Probleme" die Welt hat? Ich kann dies z. B. bei einem Computer entscheiden und der Arzt bei mir, weil wir jeweils die Funktionsparameter kennen und auf Grundlage dessen entscheiden können, ob das System "tut" oder nicht. Und selbst da ist es nicht immer einfach, ist Haarausfall nun eine Funktionsstörung oder nicht?
  • Die Probleme werden von Ideologen gerne als fremde Einflüsse dargestellt: "der Staat", "der Teufel", "der Kapitalismus". Wenn Anarchisten beispielsweise über "den Staat" herziehen, so frage ich mich immer, ob der Staat uns eigentlich von Ausserirdischen des Planeten Governmentia III aufgezwungen wurde oder ob wir ihn selbst entwickelt haben.
  • Das Problem wird üblicherweise undifferenziert betrachtet. Es gibt die Gläubigen und die Ungläubigen, die Anarchisten und die Staatsdiener; man ist entweder für die Ideologie oder dagegen

Die Lösung

  • Die Lösungsansätze gehen meist in die Richtung, dass sich der Mensch verändert oder man alles wegputzt, was nicht dem Schema entspricht. Aber wie soll sich der Mensch verändern? Und, was viel wichtiger ist: wenn wir alle über Nacht zu Anarchisten/Kommunisten/Christen werden, verlieren wir nicht unsere jetzige Identität?

Die Neue Welt

  • Zuallererst stellt sich die Frage, ob wir in einer neuen Welt glücklich wären. Die Ideologen behaupten ja, denn schliesslich sind wir ja nur zu unserem eigentlichen Wesen zurückgekehrt.
  • Als nächstes stellt sich die Frage, ob die Neue Welt stabil ist. Wenn wir den Kommunismus in der Steinzeit aufgegeben haben, wieso nicht noch einmal?

Die für mich interessante Frage ist, ob sich diese Denkform aus dem Christentum ableitet oder ob das Christentum selbst nur Ausdruck dieser Denkform ist. Jedenfalls werde ich sehr mißtrauisch, sobald jemand auf nur ein Problem abhebt.

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