Die Flagge des Marasek

Dekostreifen

English

Aktuell Texte Der Comic Impressum Kalender Suche PHP-Klassen Container-Wizard main.s21

Kategorien

Buch
Computer
Computerspiele
Film
Geschichte
Gesellschaft
Idee
Kunst
Natur
Persönlich
Politik
Programmieren
Religion & Philosophie
Weblog
Weltpolitik
Weltsicht
{{login}}

Plauderstunde mit dem "Schurken"

Permalink
Vorheriger: Internetlegenden...Nächster: Kriegsschäden
Eingeordnet in: Weltpolitik

Der Spiegel hat ein Interview mit Ahmadinedschad gehalten, "Dem Mann, vor dem sich die Welt fürchtet". Ich frage mich, wie das so ist, mit einem designierten Schurken zu plaudern. Welche Kekse stehen da auf dem Tisch...? Aber zum Interview. Der erste Teil beschäftigt sich mit Ahmanidedschads Eigenheit, den Holocaust zu leugnen und ist im wesentlichen Bullcrap. Da sind die Trennlinien gezogen, man hätte sich den Teil auch sparen können. Letzlich reden beide Parteien für ihr jeweiliges Publikum aneinander vorbei: DER SPIEGEL für die entsetzten Deutschen mit ihrem historischen Gewissen, Ahmadinedschad für diejenigen Moslems, die an die "zionistische Weltverschwörung" glauben. Vorgeführt hat man ihn damit nicht, denn es wurde nur dem ein Forum geboten, was ohnehin bekannt war.
Es wäre sinnvoller gewesen, Ahmadinedschad mal klare Fragen zu stellen: Wie soll denn der Palästinakonflikt konkret gelöst werden? Wie sieht er seine Rolle darin? Wie sieht er sein Verhältnis zu Israel, welche Bedingungen würde er stellen, was stellt er sich vor?

Der Rest des Interviews wird aber interessanter, denn da hat Ahmadinedschad eindeutig "higher ground". Denn die Fakten sprechen für sich:

  • Der Iran ist Mitglied des Atomwaffensperrvertrages, der eindeutig die friedliche Nutzung der Kernenergie erlaubt, dazu gehört auch die Anreicherung von Uran. Es ist anzumerken, dass der Iran freiwillig Mitglied im Atomwaffensperrvertrag ist und den Vertrag jederzeit kündigen könnte.
  • Es gab und gibt Kontrollen der IAEO im Iran. Das es Beanstandungen gab, verwundert mich kaum, rechtfertigt alleine aber noch keine Sanktionen.
  • Im Gegensatz dazu ist Israel inoffiziellerweise Atommacht. Weder hat Israel je die Existenz seines Nuklearpotenzials zugegeben, noch ist Israel Mitglied des Atomwaffensperrvertrages. Es gibt auch keine Kontrollen der IAEO in Israel, und es würde sie auch aller Wahrscheinlichkeit nicht zulassen.
  • Die USA sind ebenfalls Mitglied des Sperrvertrages, haben aber das Zusatzprotokoll, dass Inspektionen der IAEO zulässt, nicht ratifiziert.
  • Die Atommächte sind dem Vertrag nach zur nuklearen Abrüstung verpflichtet. Das hat sie aber bislang wenig interessiert. Somit dient der Atomwaffensperrvertrag realistisch der Besitzstandswahrung der Atomwaffenbesitzer.
  • Die CIA hat erwiesenermaßen eine demokratisch legitimierte Regierung des Iran weggeputscht und durch den diktatorischen Schah ersetzt.
  • Ebenso haben die USA den Irak während des ersten Golfkrieges gegen den Iran mit Waffen, darunter auch Giftgas, unterstützt.
  • Die Regierung der USA hat erwiesenermaßen die Welt und die eigene Bevölkerung belogen, um den Krieg gegen den Irak führen zu können.
  • Die Region ist erwiesenermaßen von strategischem Interesse für die USA.

Alles in allem macht Ahmadinedschad eine relativ gute Figur. Das ist nicht irgendein Potentat, der sich grosse Paläste baut und als Reinkarnation antiker Könige feiern lässt. Der Iran ist eine souveräne Nation, die in vielen Punkten das Recht auf ihrer Seite hat.

Die eine Schwachstelle des Präsidenten ist Israel. Er wird nichts gegen Israel ausrichten können, selbst mit Atomwaffen gäbe es nur ein Patt in der Region. Seine antiisraelische Rhetorik bringt ihm letztendlich keinen Gewinn und gibt gerade europäischen Politikern einen guten Anlass, um gegen ihn vorzugehen.

Dieser Text ist Teil der Serie Iran

Plauderstunde mit dem "Schurken"
Realitätsverdrehung

Kommentieren

Bitte beachten: Kommentare sind nicht sofort sichtbar, sondern werden erst nach einer kurzen Prüfung freigegeben, sofern keine rechtliche Beanstandung vorliegt.
Rechtlich bedenkliche Inhalte werden entweder entschärft oder nicht veröffentlicht.

* Titel  
* Nickname  
* Kommentar