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"Freie Energie" ist unwesentlich

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Wenn man einigermaßen im Physikunterricht aufgepasst hat, weiss man, dass ein Perpetuum Mobile nicht existieren kann, auf Grund des Zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik. Ich verlasse mich sicherlich nicht mehr auf dieses Wissen, da ich bereits mit einigermaßen gebildeten Leuten darüber diskutieren musste, dass einerseits Wasserstoff keine Primärenergiequelle ist, und andererseits Antimaterie (ich versuchte Dan Browns Illuminati zu widerlegen, in dem Antimaterie als Energiequelle vorgestellt wird, die zunächst aufwendig in einem Teilchenbeschleuniger hergestellt werden muss).

Das Perpetuum Mobile erfand ich übrigens auch, irgendwann in meinen Jugendjahren, als ich meiner Mutter die bahnbrechende Idee präsentierte, einen Motor mit einem Generator zu koppeln und auf ewig freie Energie zu haben. Meine Mutter wusste, dass dies unmöglich sei. Das hielt mich nicht davon ab, mir weitere Ideen auszudenken, beispielsweise Wasserstoff durch Elektrolyse zu gewinnen, zu verbrennen und mit der gewonnenen neuen Energie neuen Wasserstoff zu produzieren...

Vermutlich ist das ein natürlicher Entwicklungsschritt in der Genese eines Nerds, doch ich kam darüber hinweg und akzeptierte die harte Realität der Entropie. Andere bleiben wohl darauf stehen, leugnen fortan die Thermodynamik und sprechen von "Freier Energie", die angeblich existieren soll. In diesem Zusammenhang fällt gerne der Name von Tesla, der neben den Todesstrahlen auch Geräte zum Aufsammeln der Freien Energie erfunden haben soll. Andere Worte sind Vakuumenergie, Nullpunktenergie, Äthermotor und so weiter und so weiter.
Dass es bislang noch keine funktionierende "Freie Energie"-Maschine gibt, liegt etwa nicht daran, dass es keine geben kann, sondern dass die Energieindustrie diese unterdrückt. Denn wer würde all den guten Atomstrom kaufen, wenn sich jeder eine Freie Energie-Maschine in den Keller packen könnte?
Noch dazu, so die Anhänger der Freien Energie, würde ihre Existenz nicht weniger als das Ende des Kapitalismus bedeuten - und am Ende des Kapitalismus hat ja nun wirklich keiner, der Macht hat, Interesse - Frau Merkel nicht, Bush nicht, die Saudis nicht, die Banken & Konzerne nicht und so weiter.

Aber mal angenommen, es gibt die Freie Energie - was würde sich ändern? Zum einen gibt es nach heutigen Maßstäben bereits Freie Energie. Zumindest Solar- und Windenergie ist kostenlos insofern, als dass uns die Natur keine Rechnung präsentiert. Die Energie muss für uns nutzbar gemacht werden, durch Solarzellen oder Windräder, und da liegt das Problem: Solarzellen sind teuer herzustellen und kosten daher Geld. Genug Geld immerhin, als dass Solarstrom noch nicht mit Atomstrom konkurrieren kann.
Geräte zur Gewinnung der Nullpunktenergie müssen ebenfalls produziert werden. Da die Geräte momentan noch nicht exist...von der Energieindustrie unterdrückt werden, kann ich keine Aussagen zu ihrer Komplexität und ihrem Wirkungsgrad treffen.
Es muss angenommen werden, dass die Freie Energie-Befürworter von einem phänomenalen Output ausgehen, ansonsten würden sie den Aufwand nicht betreiben. Dennoch benötigt man auch für diese Maschine Material und Know How. Selbst wenn ich sie selbst bauen kann, muss ich mir von irgendwo her Material besorgen, beispielsweise Stahl - und den muss jemand in Form von Eisenerz aus dem Boden buddeln, zum Stahlwerk fahren, verhütten und zum Stahlhandel transportieren. Solange ich nicht zufälligerweise Eisenerz und einen Hochofen habe, werde ich für diese Leistung Geld bezahlen müssen. Dazu brauche ich noch Gerätschaften, die aus der Nullpunktenergie 230 V-Wechselspannung machen. Der Kapitalismus ist also vorerst gerettet.

Die Existenz der Freien Energie würde Energie nicht kostenlos machen, sondern nur sehr viel billiger. Nun argumentieren die Befürworter, dass man damit jede Menge netter Dinge machen könnte, etwa die Sahara begrünen oder Lebensmittel in die Dritte Welt transportieren und dort kühl lagern. Zugegeben, eine Killeranwendung wäre Trinkwasserversorgung - man könnte Meerwasser billig entsalzen.
Aber Energie ist nicht der einzige Rohstoff, den die Menschheit benötigt. Um die Sahara zu begrünen, benötige ich nicht nur Energie. Ich brauche auch Entsalzungsanlagen - viele Entsalzungsanlagen. Ich benötige gewaltige Pipelines, ich benötige Arbeitskräfte und Know How.

Letzlich hat der Mensch immer in einer Freien Welt gelebt, da nichts zwischen uns und den Rohstoffen der Erde steht, ausser der Notwendigkeit, sie zu fördern und nutzen. Genau dies tun wir seit Jahrtausenden, und haben dennoch den Kapitalismus entwickelt. Sofern die Welt sich nicht dahingehend verändern wird, dass die Natur anstelle von Rohstoffen eine unbegrenzte Zahl von Gebrauchsgütern bereitstellt, wird sich daran auch nichts ändern.

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