Die Flagge des Marasek

Dekostreifen

English

Aktuell Texte Der Comic Impressum Kalender Suche PHP-Klassen Container-Wizard main.s21

Kategorien

Buch
Computer
Computerspiele
Film
Geschichte
Gesellschaft
Idee
Kunst
Natur
Persönlich
Politik
Programmieren
Religion & Philosophie
Weblog
Weltpolitik
Weltsicht
{{login}}

Der Amerikanische Bürgerkrieg

Permalink
Vorheriger: MäusegersteNächster: "Freie Energie" ist unwesentlich
Eingeordnet in: Weltpolitik, Geschichte

Eine wesentliche Zäsur in der Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika ist der Sezessionskrieg von 1861 bis 1865. Dieser Konflikt ist in den USA bis in die Gegenwart präsent, anders als im europäischen Bewußtsein.
Was wir in Europa üblicherweise über diesen Krieg lernen, ist "Sklaverei": Der Süden hat schwarze Sklaven gehalten, der Präsident Abraham Lincoln wollte dies unterbinden. Darüber kam es zum Bürgerkrieg. Als Europäer weiss man daher auch, wer die "Bösen" waren, nämlich der sklavenhalterische Süden, und damit ist die Sache für uns auch schon erledigt.

Wie so oft ist auch hier die Situation nicht so eindeutig. Sklaverei war ein Teilaspekt, der zu dem Zerwürfnis des Südens mit dem Norden führte. Eigentliche Ursache war jedoch eine Auseinanderentwicklung des Nordens und des Südens auf vielen Gebieten: gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch. Dieser Gegensatz prägt die USA bis heute!

Die USA waren von vorneherein als Staatenbund ausgelegt. Die frühen USA sind nicht vergleichbar mit der Bundesrepublik Deutschland. Zwar sind und waren die States keine souveränen Staaten im Sinne des Völkerrechts, geniessen aber bis heute weitaus mehr Freiheiten als die Bundesländer. Wesentliche Dinge, wie das Ausmaß der Waffenrechte oder die Anwendung der Todesstrafe, sind von Staat zu Staat verschieden.
Den Staaten gegenüber steht die Bundesregierung ("Federal Government"). Genauso, wie es in Deutschland immer wieder Streitigkeiten zwischen Bund und Ländern gibt, gibt es in den USA Streitigkeiten zwischen den States und dem Federal Government.

Vor dem Bürgerkrieg hatte sich der Norden zu einer industrialisierten Gesellschaft entwickelt. Der Süden war hingegen noch agrarisch geprägt, mit seinen riesigen Baumwollplantagen und den afrikanischen Sklaven. Der Süden war auch starker Anhänger des "laissez-faire"-Kapitalismus und des Freihandels; dies ist nachvollziehbar, waren doch die Plantagenbesitzer abhängig vom "freien" Import von afrikanischen Sklaven und vom Export der Baumwolle.
Der Norden war aber nicht nur industrialisierter, sondern auch "staatlicher". Der Norden wollte Schutzzölle erheben, um die eigene Industrie zu schützen und Geld in z. B. den Aufbau einer Infrastruktur investieren.

Als Abraham Lincoln an die Macht kam, traten die Südstaaten aus der Union aus und bildeten die Konföderation. Daran ist im Grunde nichts verwerfliches - schliesslich waren die USA ihrerseits keine 100 Jahre früher, 1776, aus dem Vereinigten Königreich ausgetreten.
Der Krieg begann mit dem Angriff der Südstaaten auf das von der Union gehaltene Fort Sumter, das inmitten der Zufahrt zu dem Hafen von Charleston liegt. Sumter fiel, und damit war eine friedliche Lösung des Konflikts in weite Ferne gerückt.

Im folgenden Krieg gerieten die Südstaaten schnell ins Hintertreffen. Die Union belegte die Häfen der Konföderation mit einer Seeblockade und schnitt sie somit vom dringend benötigten Handel mit Europa ab. Die Industrie und die besser entwickelte Infrastruktur, allen voran die Eisenbahn, waren ein entscheidender Vorteil.
Letztlich hatte der Süden nie eine realistische Chance, den Krieg zu gewinnen. Die Strategie der Südstaaten mag eher darauf abgezielt haben, dem Norden eine militärische Lösung als zu teuer und mithin nicht lohnenswert erscheinen zu lassen. Der Fehler lag wohl darin, den ersten Schuss abzufeuern, allerdings dürften die Nordstaaten von vorneherein den Plan gehabt haben, die Südstaaten durch die Seeblockade "auszuhungern".

Die Folgen des Krieges sind, wie gesagt, bis heute präsent. Der Krieg wurde weniger um der Sklaverei willens als um die grundsätzliche Frage nach den Rechten der Einzelstaaten im Staatenbund geführt. Durchgesetzt hat sich der Norden, wodurch der Weg frei wurde für eine gestärkte Bundesregierung. Diese Bundesregierung gilt bei vielen Amerikanern, gerade im Süden, noch als Feind. Der Süden ist klassischerweise christlich-konservativ, um nicht zu sagen reaktionär. 1957 musste dort, 5 Jahre nach Aufhebung der Rassentrennung, der Präsident immerhin die Nationalgarde entsenden, um neun schwarzen Schülern den Schulbesuch zu ermöglichen.

Meine Haltung ist ambivalent. Einerseits lehne ich die genannte, autoritäre Einstellung der Südstaaten ab, genauso natürlich ihre Sklavenhaltergesellschaft. Ich bin jedoch nicht der Meinung, dass ich anderen Leuten vorschreiben sollte, wie sie zu leben haben, solange sie mir die gleiche Freiheit zugestehen. Grundsätzlich sehe ich den Anspruch der Südstaaten auf Unabhängigkeit als legitim an. Ihre Gesellschaft wäre aller Wahrscheinlichkeit nach gescheitert, die Abhängigkeit von Baumwolle und die reaktionäre Grundhaltung hätten dazu geführt, dass der Süden gegenüber dem Norden stark ins Hintertreffen geraten wäre. Das Land wäre verarmt, und ohne integrierendes Feindbild hätten sich die Kräfte im Land womöglich gegenseitig zerfleischt.

So aber schwelte der Konflikt weiter und wurde genährt. Die Südstaaten konnten ihre Wunden lecken und sich ein verklärtes Weltbild zusammenstricken, anstatt sich selbstkritisch zu betrachten.

Kommentieren

Bitte beachten: Kommentare sind nicht sofort sichtbar, sondern werden erst nach einer kurzen Prüfung freigegeben, sofern keine rechtliche Beanstandung vorliegt.
Rechtlich bedenkliche Inhalte werden entweder entschärft oder nicht veröffentlicht.

* Titel  
* Nickname  
* Kommentar