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Trockenwasser (Geheimnisse des Kapitalismus, Teil I.)

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Heute musste ich mit ansehen, wie sich jemand mit einer Version irgendeines [webseite-einfach-für-jeden-zu-editieren-kein-ärger-mit-html](TM)-Onlineeditors herumplagte. Ich wurde mißtrauisch an dem Tag, als ich auf einem mehrseitigen Angebot die Worte "inklusive einfach zu bedienendem [webseite-einfach-für-jeden-zu-editieren-kein-ärger-mit-html](TM)-Onlineeditors " las - so etwas gibt es nämlich schlicht und ergreifend nicht. Ich habe genug Webseiten programmiert, um genau immer wieder vor diesem Problem zu stehen: der Kunde möchte einerseits Komfort, nämlich am liebsten nur irgendwo einen Text eintippen, und er kommt auf die Webseite, andererseits will der Kunde natürlich maximale Flexibilität, d. h. er will die ausgefallensten Schrift- und Formatierungswünsche realisieren und überhaupt das gesamte Layout nach gutdünken jederzeit ändern können, natürlich per Kraft der Gedanken. Früher hat man auch von Pelz waschen, aber nicht naßmachen gesprochen.

Eine schöne, putzige Homepage in PHP (oder ASP/Java/sonstwas) folgt üblicherweise dem Prinzip der Automatisierung - ich habe 200 Texte, die alle irgendwie automatisch eingebunden werden sollen. Ich finde es erstaunlich, wie schwer dieses Prinzip der Automatisierung oft zu vermitteln ist - ich musste mich oft genug damit herumschlagen, dass Texte so sein sollten, ausser am 3. Tag eines Monats mit Vollmond am 15. in einem Schaltjahr, wo in Texten, in denen es um Frauen geht, die Schriftgrösse der Überschrift 1 Punkt kleiner sein soll. Üblicherweise kommt der Kunde dann auf die Idee, wenn die Seite bereits fertig ist.
Ein Problem ist wie gesagt aber die Formatierung und Gestaltung von Texten. Üblicherweise lasse ich mir einen Text geben, wandle ihn in ordentliches (nein, nicht mit MS Word) HTML um und stelle ihn ins Netz. Dummerweise kommen die Leute wenn die Seite fertig ist auf die Idee, ihre eigenen Texte Korrektur zu lesen...
Jedenfalls kamen irgendwelche Leute mal auf die nicht sonderlich gute Idee, den Kunden Editiermöglichkeiten an die Hand zu geben. Damit tauchen aber jede Menge Probleme auf, denn HTML ist komplex, und ordentliches HTML ist eine Kunst. Irgendwelche Formatierungsbefehle, die dazu dienen, den Kunden von HTML fernzuhalten, wie z. b. bei der Wikipedia, erscheinen mir nicht sonderlich sinnvoll - wenn der Kunde das lernen muss, kann er gleich die Grundlagen von HTML lernen. Oder man bastelt ein mehr schlecht als recht funktionierendes, Word-ähnliches Editorensystem, dass letzlich 20% der Komplexität von HTML abdeckt und betet, dass die Leute nie allzu schwierige Formatierungen vornehmen wollen, das bestehende aus mangelnder Kenntnis (nein, sie können keine Tabs verwenden) nicht komplett verhunzen und sie überhaupt das Konzept von Hyperlinks usw. usf. verstehen.

Verkauft wird das ganze dann als "das innovative, benutzerfreundliche Trockenwasser™, mit dem sie ihren Pelz gleichzeitig saubermachen und trockenhalten können", mit anderen Worten, Schrott, was aber auch nicht mehr hilft, da der Kunde zu diesem Zeitpunkt bereits für mehrere tausend Euro Trockenwasser(TM) eingekauft hat und sich niemand gerne eingesteht, mehrere tausend Euro in den Sand gesetzt zu haben.

Dieser Text ist Teil der Serie Geheimnisse des Kapitalismus

Kafkaeske Einkaufserlebnisse
Trockenwasser (Geheimnisse des Kapitalismus, Teil I.)
WLAN (Geheimnisse des Kapitalismus, Teil II.)
Kommunikation mit Firmen
Portale
Konzern mit dissoziativer Persönlichkeitsstörung
JPEG, Digitalkamera
Digitale Spiegelreflex als Grabbelware
Steigerung der Persönlichkeitsstörung
Homepages von der Magentacom
"Lizenzkauf"

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