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Zum Thema Stromausfall

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Etwas irritiert höre ich von dem Stromausfall in den USA. 50 Millionen Menschen ohne Strom - wäre vergleichbares hier passiert, sässe mehr als die Hälfte der Deutschen im Dunkeln. Flächenmässig käme es wohl allemal hin.
Anscheinend spielen Versäumnisse der Stromnetzbetreiber eine Rolle. Anders ist kaum zu erklären, wie ein Stromausfall derartige Ausmaße erreichen kann. Es ist die Rede davon, dass der deregulierte Strommarkt dazu geführt habe, dass die Betreiber die Investitionen in ihre Infrastruktur vernachlässigt haben. Dies klingt plausibel.
Die Stromversorgung ist eine klassische Infrastrukturleistung, bestehend aus zwei Komponenten: Strom und Netz. Meiner Ansicht nach gehört eine Infrastruktur aber immer in staatliche Hand, besonders in derart offensichtlichen Fällen.

Das Stromnetz nach den Regeln des freien Marktes zu betreiben ist nicht sonderlich sinnvoll. Bei Strom handelt es sich nicht um ein Produkt, dass verschiedene Eigenschaften haben kann; ich erwarte, dass 220 V Wechselstrom beständig an meiner Steckdose verfügbar sind, und neben dem Starkstrom für den Herd gibt es keine andere Variante. Der freie Markt erlaubt es mir zwar, Strom aus Wasserkraft zu kaufen, im Endeffekt erhalte ich aber dennoch Atomstrom aus Neckarwestheim, da beide Anbieter in ein Netz einspeisen. Diesem bin ich auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, denn wenn Neckarwestheim flachfällt, fällt vermutlich auch mein Strom aus, auch wenn das Laufwasserkraftwerk meines Anbieters noch weiterläuft.
Bleibt im Endeffekt nur noch der Preis. Aber auch hier funktioniert die Stromversorgung nicht wirklich nach marktwirtschaftlichen Regeln; derzeit beispielsweise kommt EnBW in die Klemme, da sie mir Strom für einen geringen Preis verkaufen, aber mangels eigener Kapazitäten Strom teuer einkaufen müssen. Gäben sie den Preis an den Kunden weiter, wäre der Aufschrei sicher gross. Bei anderen Produkten steigt der Preis für gewöhnlich, wenn sie knapp werden.
Es gibt auch kein Konkurrenzprodukt zu Strom. Bei der Heizenergie kann ich noch eher zwischen Öl, Gas, Kohle, Fernwärme etc. wählen, bei der Kommunikation zwischen Post, Telefon, Fax, Internet, im Transport zwischen Bahn, Strasse, Flugzeug. Es gibt aber nur eine Möglichkeit, Haushaltsgeräte zu betreiben: Strom. Als einzige Alternative bliebe Autarkie, z. B. durch Solarzellen. Konkurrenzfähig wird die aber erst ab astronomisch hohen Strompreisen oder einem extrem unzuverlässigen Netz.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Bedeutung der Stromversorgung an sich. Ohne Strom hat die westliche Zivilisation ein Problem, es geht nicht um ein Luxusgut. Der freie Markt folgt aber immer einem steten Auf und Ab, dem unbeständigen Spiel von Angebot und Nachfrage. Eine Infrastrukturleistung muss aber immer in gleichbleibender Qualität zuverlässig erbracht werden.

Die Stromversorgung ist daher, wie eingangs erwähnt, ein klassischer Kandidat für Verstaatlichung. Wettbewerb ist auf diesem Gebiet sowieso eine Illusion, andererseits aber ist der Staat selbst abhängig von einer reibungsfreien Versorgung. Fällt sie weg, geben die Menschen sowieso dem Staat die Schuld; gäbe es in Deutschland kontinuierliche Stromausfälle, würde sich der Volkszorn schnell gegen die Regierung richten. Ich glaube kaum, dass eine Serie von Blackouts vor der nächsten Bundestagswahl hilfreich für die Wiederwahl von Rot-Grün wäre.

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