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Waldorfschule

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Ach, was reden und schwärmen die Leute immer über die Waldorfschule. Über diesen tollen pädagogischen Ansatz, dass die Kinder sich frei entwickeln können, sie gefördert werden usw. usf.
Als ehemaligem Waldorfschüler ist es mir immer ein Vergnügen, den Kopf der Leute ein wenig gerade zu rücken. Die meisten Leute wissen in meinen Augen nicht, auf was sie sich einlassen, wenn sie ihr Kind auf die Waldorfschule schicken; zynisch wie ich bin, wage ich mal zu behaupten, dass den meisten sowieso hauptsächlich die Idee einer Privatschule gefällt - einer bezahlten Privatschule, auf der man sicherlich einen niedrigeren Anteil an Ausländern oder Kindern aus sozial, ahem, weniger besser gestellten Schichten hat als auf der gewöhnlichen Realschule

Zuallererst meine deutliche Meinung über die Steinersche Ideologie: das meiste ist Schwachsinn. Rudolf Steiner hat meines Erachtens nach ein höchst seltsames Gebräu aus allen möglichen Religionen und esoterischem Gedankengut zusammengepanscht. Das dringt immer wieder durch, wer also etwas dagegen einzuwenden hat, dass seine Kinder allnaslang etwas von Lichtwesen, Waldgeistern, Atlantis und der arischen Wanderung zu höhren bekommen, sollte sie nicht auf eine Waldorfschule schicken.

Naivere Befürworter gehen oft davon aus, dass die Waldorfschule antiautoritär erzöge - von allem ist dies die häufigste und gravierendste Fehleinschätzung. Waldorfpädagogik hat eine autoritäre Komponente. Begünstigt wird dies durch die Tatsache, dass die Kinder üblicherweise die ersten acht Jahre den selben Klassenlehrer haben, der während dieser Zeit zudem eine zentrale Figur darstellt. Bei uns waren zumindest Maßnahmen wie "freies Stehen" über die Dauer des gesamten Hauptunterichtes (fast zwei Stunden) an der Tagesordnung - einen Klassenkameraden, den der Lehrer besonders "auf dem Kieker" hatte, traf es mal zwei Wochen am Stück...wegen...uh...eines vergessenen Linienblattes. Ebenfalls war es an der Tagesordnung, Schüler regelmässig wegen schlechter Leistungen vor der gesamten Klasse runterzumachen.
Gut, unser Lehrer hatte sadistische Züge, das trifft natürlich nicht auf jeden zu. Das System aber erlaubt aber diese Auswüchse, denn hatte man es sich mit dem Lehrer in der zweiten Klasse verscherzt, konnte die restliche Zeit lang werden.

Positiv anzumerken ist, dass die Kinder tatsächlich vielfältiger erzogen werden; neben dem schnöden Lernen stehen auch praktische Tätigkeiten wie Handarbeit, Werken, Kupferschmieden etc. auf dem Stundenplan, wohlgemerkt für beide Geschlechter gleich. Die Waldorfschule vermittelt eine Menge Weltwissen über Handwerk und alte Traditionen; es war beispielsweise üblich, eine zum Schulgelände gehörende Wiese im Rahmen des Gartenbauunterichtes regelmässig mit Sensen zu mähen, sehr zum Spott meiner auf staatliche Schulen gehenden Freunde. Jedoch bekommt man auf diese Weise ein Gefühl für die Entwicklung und die Herkunft unserer Kultur und erkennt, dass die Zivilisation nicht erst mit der Erfindung des Internet auf die Welt gekommen ist.

Letztendlich muss man realisieren, dass es wie überall auch auf der Waldorfschule die 150%igen und moderatere Leute gibt. Sich gut zu informieren und sich sowohl mit den Lehrern kritisch auseinanderzusetzen als auch mit den Kindern über einige der Lehren zu reflektieren ist in meinen Augen Pflicht.

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