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Ye Olde Time, Teil II

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Eingeordnet in: Computer, Weblog

So habe ich diese Woche im Heise-Forum wieder die Urgesellschaft des Internets diffamiert, und wieder eine Absage kassiert. Das freie Internet von Anno dazumals ist eine Illusion; es war nicht frei in dem Sinne. Es war ein elitäres, überschaubares Netz mit einer grundverschiedenen Nutzer- und Angebotsstruktur. Wer also die heutigen Probleme des Netzes lösen möchte, kann entweder versuchen, die Uhr zurückzudrehen und das Elitenet von Früher™ wieder herzustellen oder die veränderte Struktur und Intention des Netzes als Realität akzeptieren und auf dieser Basis nach Lösungen suchen.

Das Problem findet sich nicht nur in Bezug auf das Internet, sondern überall, wo sich Menschen zusammenfinden. Lasst mich euch die Geschichte eines Webrings erzählen. Der wurde irgendwann von zehn Kumpels gegründet, die ein gemeinsames Interesse hatten. Jeder kannte jeden, alles war gut, im dazugehörigen Forum herrschte familiäre Atmosphäre.
Andere kamen hinzu, nahmen daran teil und so etwas wie eine "Community" entstand. Dann tauchten naturgemäss die ersten Probleme auf: Seiten mit fehlerhaften Ringfragmenten unterbrachen die Kette des Rings, es kam die Frage nach Qualitätskriterien auf, nach der Plazierung des Ringfragmentes etc. pp. Die Diskussionen um Regeln, in die sich natürlich auch die Neuen einmischten, wurden zum Streitfall. Alle sechs Wochen zog sich die Gründerin schmollend zurück, klagte, dass es nicht mehr wie Früher™ sei, als noch jeder jeden kannte und alles gut und schön war. Am Ende verliess ich die Geschichte, weil der Ring sowieso nicht funktionierte (einheitliche Regeln waren nicht zu machen, ohne irgend einem von der alten Garde auf die Füße zu treten) und ich auf jede Art von gebetsmühlenartig wiederholtem "Gemeinschafts"-Mantra als Antwort auf alles höchst allergisch reagiere.

Die Lektion, die man daraus ziehen kann, ist, dass Gesellschaften unübersichtlich werden, sobald sie wachsen. Kann man in einer zehnköpfige Gruppe Probleme noch persönlich regeln und auf den Einzelnen eingehen, muss man sich bei grösseren Gruppen weiter zurücknehmen und die Dinge auf eine abstraktere Ebene stellen. Klare, einfache (einfach im Sinne von "elegant") Regeln müssen her, und diese müssen konsequent und bei allen gleich angewendet werden. Wenn neue Probleme auftauchen, ist es keine Lösung, sich Früher (TM) herbeizusehnen, nope, man muss die Ärmel hochkrempeln und die Sache hier, heute und jetzt regeln.

Wenigstens gibt es keinen Gründer des Internets gibt, der alle sechs Wochen schmollt...

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