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Kopierkontrolle vs. Information will frei sein

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Eingeordnet in: Computer, Gesellschaft, Weltsicht

Die Debatte um Piraterie und Kopierschutz ist in vollkommen abgehobene Sphären abgedriftet. Beide Parteien, die böse Verwertungsmafia und die Tauschbörsenpiraten stehen sich unversöhnlich gegenüber und beharken sich aus der Sicherheit ihrer angestammten Positionen mit den immer gleichen Argumenten.
Die Industrie würde vermutlich am liebsten eine Mautstelle in mein Gehirn setzen, die fröhlich lostickert, sobald ich urheberrechtlich geschütztes Material konsumiere. Die Gegenseite drängt darauf, dass "Information frei sein will" und schlägt nichts geringeres als die komplette Abschaffung des in ihren Augen nicht existierenden "Geistigen Eigentums".

Danke, ich geniesse sowohl die Unversehrtheit meiner Loben als auch die Kontrolle über meine Texte.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass in unserer schrecklich modernen Welt vieles neu geprüft und bewertet werden muss. Sowohl die Contentindustrie als auch das Urheberrechtsgesetz stammen aus der alten, analogen Zeit. In jener primitiven Urzeit hatten Kopie und Inhalt ganz andere Stellenwerte, zwangsläufig.

Beginnen wir mit der Contentindustrie. Sie war notwendig zu einer Zeit, als es notwendig war, rohe Informationen in irgendeine Form zu pressen und an den Endkunden zu liefern. Vor 50 Jahren konnte sich kein Mensch mal eben einen Mitschnitt eines Konzerts machen. Damals gab es nur Schallplatten, und die waren aufwendig herzustellen. Es bedurfte also zwangsläufig einer Verwertungsindustrie.
Aber die Zeiten haben sich geändert. Vor 15 Jahren wären Dinge wie www.telton.de oder www.hadanite-marasek.de schlichtweg unmöglich gewesen. Niemand hätte je von mir gehört, es sei denn, ich hätte eine Zeitung aufgemacht/für eine Zeitung geschrieben oder mein SF-Universum in einem Buch zusammengefasst. Ob ich aber durch den Flaschenhals Lektorat / Redaktion gekommen wäre, ist fraglich. Heute registriere ich mir eine Domain und fange einfach an. Sicher, ich verdiene kein Geld damit, aber als Autor der nicht gedruckt wird verdient man auch keins und so kann ich mich wenigstens zu Wort melden und zwar genau so wie es mir passt, weil ich keine Rücksicht auf den Überplan irgendwelcher Marketingknilche nehmen muss.

Gehen wir auf die andere Seite. Enteignete Informationen sind natürlich Quatsch. Wüsste ich, dass meine Texte Freiwild würden, sobald ich sie veröffentlichte, behielte ich einen Grossteil davon vermutlich in der Schublade. Auch der Schrei nach der Privatkopie erscheint mir unsinnig; die Regelung mit der Privatkopie stammt aus einer Zeit, als es nur analoge Kopiergeräte gab. Damals waren der Piraterie natürliche Grenzen gesetzt, wieso also einen Aufwand treiben? Heute jedoch mache ich zehntausendmal eine Kopie von der Kopie und sie hört sich immer noch so an wie am ersten Tag. Es ist heute theoretisch möglich, dass eine CD ein einziges Mal verkauft wird und dennoch die ganze Welt die CD in perfekter Qualität hört. Die Privatkopie entstammt einer Zeit, als Kopie noch Verschlechterung und nicht Duplikat bedeutete. Und das Recht auf Duplikation geht dann doch recht weit.

Wie aber lösen wir die Probleme? Die Contentindustrie hätte natürlich gerne die absolute Kontrolle und die Nutzer die absolute Freiheit. Zur Zeit verschwenden beide ihre Ressourcen damit, sich zu bekriegen. Beide sollten jedoch zwei Dinge erkennen:

  1. Es wird immer Raubkopierer geben.
  2. Künstler verdienen Schutz durch das Konzept des geistigen Eigentums.

Die Contentindustrie, besser noch irgendwann die Künstler selbst, sollten weniger nach der absoluten Kontrolle streben als danach, Piraterie den Reiz zu nehmen. Hierzu muss auf der einen Seite die Piraterie erschwert werden, andererseits sollte sie als lohnende Alternative weniger attraktiv erscheinen, wenn beispielsweise die Qualität der Inhalte wieder steigt, die Preise sinken und den Käufern ein Mehrwert geboten wird.
Der Konsument wiederum sollte sich ehrlich an die eigene Nase fassen und sich eingestehen, dass es nunmal kein Recht auf Tauschbörsenbenutzung gibt bzw. dass es nicht ganz so abwegig ist, wenn Künstler für ihre Arbeit Geld erhalten möchten.

Im Übrigen könnte eine striktere Trennung von Ton- und Datenträgern der Contentindustrie helfen, ohne dass ich zwecks Implantierung oben erwähnter Hirnmautstelle zum Neurochirurgen muss. Das Problem dürfte heutzutage sein, daß jeder Depp eine CD rippen und brennen kann. Wenn CD-ROM und Musik-CD aber inkompatibel zueinander wären - genauso Computer- und Fernseh-DVD - dürfte das Problem der Massenpiraterie schnell eingedämmt werden. Zudem sollte - und das wird bald der Fall sein, wg. Urheberrechtsnovelle - gegen die ganzen kommerziellen (1) "Backup"-Tools vorgegangen werden. Wenn der Massenmarkt wieder kauft anstatt zu brennen, könnte wieder eine Art natürliches Gleichgewicht entstehen.

1 Die Betonung liegt auf "komerziell". Ich persönlich würde all die Backuptools und die Magazine mit Schlagzeilen wie "so kopieren sie jeden Film" nicht vermissen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung sollte aber nach wie vor Priorität haben.

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