Die Flagge des Marasek

Dekostreifen

English

Aktuell Texte Der Comic Impressum Kalender Suche PHP-Klassen Container-Wizard main.s21

Kategorien

Buch
Computer
Computerspiele
Film
Geschichte
Gesellschaft
Idee
Kunst
Natur
Persönlich
Politik
Programmieren
Religion & Philosophie
Weblog
Weltpolitik
Weltsicht
{{login}}

Wikipedia als Quelle / Zum Umgang mit Quellen

Permalink
Vorheriger: Was ich an der Wikipedia magNächster: Retrochic
Eingeordnet in: Gesellschaft, Weltsicht

Die Wikipedia hat es innerhalb relativ kurzer Zeit geschafft, von einem Nerd-Projekt zu einem Allgemeingut zu werden, dass innerhalb der Gesellschaft anerkannt bzw. zumindest bekannt ist. Wenn ich etwas nachschauen möchte, schlage ich schon längst nicht mehr in einem Wörterbuch nach, sondern rufe die Wikipedia auf.

Da in der Wikipedia fast alle Artikel von jedermann erstellt oder verändert werden können, wird natürlich direkt die Frage nach der Zuverlässigkeit der Inhalte gestellt. Dies ist ein wenig eine Wiederholung dessen, als sich "aus dem Netz" als Quelle etablierte. Ein Dozent der Literaturwissenschaft beklagte sich bei mir einmal fürchterlich, dass er Studenten probehalber die Aufgabe gegeben hatte, die Definition eines Fachbegriffes mit Hilfe des Netzes herauszufinden. Dabei habe er überwiegend Unsinn erhalten, und entschieden, dass das Netz nichts tauge und nur klassische, sprich gedruckte, redigierte und von Profis geschriebene Werke etwas taugen.

Der Fehler lag natürlich weniger am Netz als an den Studenten, die nicht richtig damit umgehen konnten. Es stimmt schon, gedruckte, klassische Werke sind auf den ersten Blick zuverlässiger, da üblicherweise eine bessere Qualitätskontrolle stattfindet. Wenn man jedoch genauer hinsieht, wird man auch hier Unterschiede feststellen - auch eine Zeitung hat ihre Prägung, die taz wird sich zu einem Thema anders äussern als die FAZ oder die Süddeutsche. Es ist gemeinhin bekannt, dass die FAZ konservativ ist, also werde ich die Inhalte der FAZ entsprechend lesen.
Im Netz gibt es eine geringere Qualitätskontrolle, und unter Umständen muss ich davon ausgehen, dass ein Autor seinen Standpunkt sehr viel krasser vertritt. Die Konsequenz daraus muss aber nicht lauten, dass dem Netz an sich grundsätzlich nicht zu trauen sei; vielmehr muss ich lernen, besser mit Quellen umgehen zu können.

Anstatt sich auf eine Quelle zu verlassen, muss man eben mehrere in Anspruch nehmen. Im Falle der Wikipedia kann es hilfreich sein, zu einem Artikel die Diskussionsseite zu lesen - um zu erfahren, welche Teile des Artikels diskutiert werden. Die Versionsgeschichte kann ebenfalls helfen. Selbst eine extremistische Position kann hilfreich sein, um sich in einem Thema zu orientieren. Wenn man mehrere Sprachen beherrscht, lohnt es sich oft auch, einen fremdsprachigen Artikel zu lesen. Anstatt jetzt davon auszugehen, die gedruckte, absolute Wahrheit zu erhalten, kann man sich an Hand mehrerer Positionen und ihrer Schnittpunkte ein Bild machen.
Natürlich besteht auch die Gefahr, dass mehrere Quellen gleichermassen gewichtet sind. Mit der Zeit kann man jedoch lernen, Gewichtungen herauszulesen. Konservative Positionen betonen gerne Stärke, Eigenverantwortung und traditionelle Werte. Linke Positionen betonen die Rolle der Gesellschaft, die Freiheit des Einzelnen und die Notwendigkeit zu gesellschaftlicher Veränderung (dies ist nur ein Ansatz, das ist natürlich alles nicht so klar umrissen).
Auch unabhängig von der Ausrichtung eines Textes kann man feststellen, wie stark ein Text gewichtet ist. Sehr ideologische Positionen neigen zu kurzen Argumentationsketten, die den Leser "treiben" sollen. Dinge werden als selbstverständlich abgehakt oder vorrausgesetzt. Typisch ist auch eine Fixierung auf einen Sündenbock, sei es Der Staat, Die Gesellschaft, Die Wirtschaft oder Die Hundebesitzer; dieser Sündenbock stellt ein Problem dar, aber nicht ein Teil von vielen, sondern das einzig wesentliche - "alles wird gut", wenn man es beseitigt, lautet die implizierte Botschaft.

Das sind natürlich nur einige wenige Anhaltspunkte, es gäbe noch sehr viel mehr. Übung ist ein wesentlicher Faktor, mit der Zeit mag sich die rechte Intuition einstellen, Quellen richtig einzuorden. Eine weitere Möglichkeit ist es, sich mit Ideologen aller Couleur auseinanderzusetzen. Selbst auf den ersten Blick so unterschiedliche Gruppierungen wie Nazis, Feministinnen, Christen, Pazifisten, Kommunisten, Anarchisten etc. pp. habe Gemeinsamkeiten in ihrer grundlegenden Struktur. Irgendwann erscheinen sie nur noch als Maschinen, die unbedingt ihre Ideologie weiterverbreiten möchten.

Kommentieren

Bitte beachten: Kommentare sind nicht sofort sichtbar, sondern werden erst nach einer kurzen Prüfung freigegeben, sofern keine rechtliche Beanstandung vorliegt.
Rechtlich bedenkliche Inhalte werden entweder entschärft oder nicht veröffentlicht.

* Titel  
* Nickname  
* Kommentar