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Warum ich Open Source mag

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Eingeordnet in: Computer, Gesellschaft

Was Open Source anbelangt, bin ich vermutlich das Feindbild von Stallmann: mir ist die dahinter stehende Ideologie herzlich egal. Persönlich glaube ich nicht, dass Information per se "frei" sein muss. Aber ich mag Open Source vor allem deshalb, weil das Prinzip den Markt in geradezu biblischer Dimension aufgemischt hat: die Softwarefirmen werden für ihre jahrzehntelang gelebte Gier und ihren Kontrollwahn mehr und mehr abgestraft.

Ich habe mich vor kurzem ein wenig informiert, wieviel denn MS Exchange kostet. Fazit: es wird sehr teuer. Zum einen ist da MS Exchange, das schon gut zu Buche schlägt. Zum anderen benötige ich dann noch Windows 2003 Server, das natürlich auch nicht für umsonst zu haben ist. Ok. Das für sich genommen wäre weniger ein Problem, schliesslich bin ich bereit, auch für andere Leistungen Geld hinzulegen.
Das Problem ist, dass das erst der Anfang ist. Denn die beiden Softwarepakete erlauben lediglich 5 Leuten, darauf zuzugreifen - alles weitere muss in Form von 5er Paketen dazugekauft werden. Und dort wird in meinen Augen die feine Linie zwischen "berechtiges Einkommensinteresse" und "Gier" überschritten.
Diese Geschichten von Nutzungsbeschränkungen, Zugriffslizenzen sind typisch für die Softwareindustrie. Man zeigt gerne mit dem Finger auf Microsoft, Microsoft stellt aber leider keinen Einzelfall dar. Das Problem ist aber, dass ich auf so etwas keine Lust habe. Nennt mich altmodisch, ich habe halt eine klassische Vorstellung von "Kaufen": ich kaufe etwas, danach gehört es mir. Ich kann damit machen, was ich will. Nicht so bei Software, bei der ich ja kein Produkt kaufe, sondern nur ein Recht erwerbe, dieses Produkt zu nutzen, und zwar so, wie es mir von Gnaden des Softwareherstellers gewährt wird. Übertragen auf die restliche Welt hiesse das, dass ich die Nutzungsrechte für ein Bett zum darin schlafen kaufe, für "andere Tätigkeiten" (und daraus erwachsende Kinder) muss ich extra zahlen.

Der zweite wesentliche Punkt sind Schnittstellen. Betrachte ich einmal eine reine Microsoft-Struktur, die für sich genommen gar nicht so schlecht ist: 2003 Server als Domänencontroller, XP als Clients, IE als Internetbrowser, MS Office, Outlook mit Exchange verbunden. All diese Anwendungen greifen hübsch ineinander. So gefällt es Microsoft am besten, und so soll es bleiben. Daher werden die Schnittstellen nicht offen gelegt, denn weder soll ich mit Mozilla auf alle Funktionen von Exchange zugreifen können oder einen anderen Server als Exchange vollwertig mit Outlook verwenden dürfen. Anstatt glücklich und zufrieden für jedes Produkt zu sein, dass ich von Microsoft kaufe, wollen sie, dass ich nach Möglichkeit gleich alles verwende, und, besser noch, am besten alles auf einen Schlag upgrade. Und nach Möglichkeit soll ich auch nie wieder davon loskommen. Gier.
Ich habe mich mal für ein CRM-System interessiert. Die Kosten lagen so bei 15.000 bis 20.000 €, auch auf Grund der üblichen Staffelung von Server- und Zugrifslizenzen. Wir besprachen also den Migrationsaufwand, der von der Firma mit einer Pauschale übernommen wurde. Viel interessanter für mich war jedoch die Frage, wie ich denn wieder an die Daten herankäme, sollte die Firma pleite gehen oder ich kein Interesse mehr an dem Produkt haben. Der Vertreter war tatsächlich dreist genug, mich auf dreiste Art zu beruhigen: zum einen werde ich so zufrieden sein, dass ich nie wieder etwas anderes haben möchte, und zum anderen seien sie in Zukunft sowieso Marktführer, so dass es nichts mehr anderes geben wird. Ich habe in Folge nicht zu ihrer Marktführerschaft beigetragen.

Nun haben wir als Nachteil von Open Source-Software den mangelnden Anspruch auf Support und Haftung (Support zumindest wenn man nicht bei einem entsprechenden Distributor kauft). Der Haftungsausschluss, der Bestandteil der GPL ist, dürfte aber letzlich dem gleichkommen, was ich gegenüber einem üblichen Softwarehersteller an Ansprüchen habe: praktisch keine. Zum Thema Support erinnere ich mich zudem an einen Fall, in dem ich tatsächlich mal eine Hotline anrief und anstelle einer Problemlösung einen Verweis auf öffentliche Foren bekam. Äh, Sie meinen http://www.debianforum.de?

Die klare Stärke von CSS liegt noch immer darin, dass sich ihre Hersteller vermehrt um Themen kümmern, die gestande Großlinuxer teilweise nur mit der Kneifzange anfassen, da es unter ihrer Würde liegt, wie z. B. Endbenutzerfreundlichkeit. Nun bin ich nicht das Feindbild des DAUs; wenn man sich aber über bestimmte Widrigkeiten beklagt, ist die Antwort schnell, dass man zu dumm sei. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mir dieser Fehler auch unterläuft, wenn ich Dinge programmiere - ich nehme Dinge einfach als selbstverständlich hin, für mich funktionierts ja. Aber vor allem die grösseren Open Source-Projekte stehen ihren CSS-Konkurrenten da kaum nach. Das heutige Samba, KDE, Mozilla & Abkömmlinge, Apache, PHP wurden von aussen mittels Geld unterstützt und so auch befruchtet. Das ist nur fair - ich programmiere es für den Spass in Schwarz, aber wenn mir jemand Geld gibt, dann auch gerne in Rosa.

Was Open Source aber letzlich so erfolgreich macht, ist die Freiheit. Open Source steht in direkter Konkurrenz zu dem Gebahren der Softwarefirmen, ihre Kunden für sich zu behalten und sich zueinander abzuschotten. Anbieter mit weniger Marktmacht als Microsoft haben das schon zu spüren bekommen - wieso soll ich sündhaft teuer Software und Hardware kaufen, um mir noch auf der Nase herumtanzen zu lassen?
Open Source-Software ist nicht nur als solche nützlich, sondern einfach durch ihr Vorhandensein. Windows ist tatsächlich stabiler und sicherer geworden und wird weiterhin besser werden. Die anderen Spieler begreifen, dass gewisse, lang gespielte Spielchen zunehmen an Attraktivität verlieren. Und das ist sehr gut so.

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